Die Peterskirche richtet anlässlich des Internationalen Hurentages mehrere Veranstaltungen rund um den Themenkomplex Sexarbeit aus. Dass ausgerechnet ein Gotteshaus Ort des Geschehens ist, hat einen historischen Grund. Am Landgericht beginnt heute ein umfangreicher Betrugsprozess und die städtischen Eigenbetriebe der Leipziger Gruppe sind ab jetzt auch Anlaufpunkte bei Notfällen im öffentlichen Alltag.
Untreue-Prozess
Vor der 15. Strafkammer des Leipziger Landgerichts beginnt heute ein Verfahren gegen den ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter der sogenannten „Kopfzentrum-Gruppe“, einem Verbund medizinischer Einrichtungen und Arztpraxen mit Schwerpunkt auf Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Kopf-, Nerven- und Sinnesorgansystems. Dem Beschuldigten werden acht Fälle des Betrugs, Untreue in 57 Fällen sowie eine falsche Versicherung an Eides statt angelastet.
So soll der Angeklagte u.a. im Zusammenhang mit der Veräußerung von Gesellschaftsanteilen Darlehensverträge mit der Erwerberseite für Praxiszukäufe zur weiteren Expansion der Kopfzentrum-Gruppe abgeschlossen haben. Die ausgezahlten Darlehenssummen soll er jedoch von Beginn an, mutmaßlich planmäßig, nicht für den vorgesehenen Zweck, sondern zur Begleichung anderer Verbindlichkeiten verwendet haben. Dadurch soll der Erwerberseite ein Vermögensschaden von insgesamt rund 1,5 Mio. Euro entstanden sein.
Für die Beurteilung dieses und der weiteren Vorwürfe sind zum jetzigen Zeitpunkt 13 Verhandlungstage angesetzt. Über den umfangreichen Prozess berichtet unser Reporter Lucas Böhme.
„Huren im Hause des Herrn“
Mit einer ungewöhnlichen Veranstaltungsreihe beteiligt sich die Peterskirche Leipzig in dieser Woche am „Internationalen Hurentag“. Der erinnert jährlich am 2. Juni an die Besetzung der Kirche Saint-Nizier im französischen Lyon. Etwa 150 Prostituierte wollten auf diese Weise gegen Polizeirepression, Gewalt und gesellschaftliche Ausgrenzung protestieren. Das Ereignis gilt als Ausgangspunkt der organisierten europäischen Sexarbeiterinnenbewegung und wird seitdem als „Internationaler Hurentag“ begangen.
Die Leipziger Peterskirche stellt ihre Räume für die Veranstaltungsreihe „Huren im Hause des Herrn“ ausdrücklich als „Dialograum Sexarbeit“ zur Verfügung. Geplant sind Ausstellungen, Vorträge, Gesprächsformate und Begegnungen. Organisiert wird das Programm von einem Bündnis aus Sexarbeitenden, Vertretern der Peterskirche sowie Fachleuten aus Wissenschaft und Beratung. Ziel ist es, Diskussionen über Prostitution nicht allein über Betroffene zu führen, sondern sie selbst aktiv einzubeziehen.
Nach Angaben der Organisatoren soll die Reihe Denkanstöße geben, Vorurteile hinterfragen und den Austausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven ermöglichen. Das gesamte Programm ist online abrufbar.
Alltagshilfe auf den Punkt gebracht
Die Leipziger Gruppe ist jetzt Teil des Netzwerks „Leipziger Hilfepunkt“. Damit sind alle Schwimmhallen, Freibäder sowie das Beratungszentrum der Leipziger Stadtwerke in der Pfaffendorfer Straße 2 und das Service-Center der Leipziger Verkehrsbetriebe in der Markgrafenstraße 2 als Anlaufstellen für Menschen in alltäglichen Notlagen gekennzeichnet.
Der blaue Aufkleber mit den gelben Händen signalisiert: Hier gibt es Hilfe und einen sicheren Ort. Wer etwa ein Pflaster, ein Glas Wasser, eine Sitzgelegenheit oder ein Telefon benötigt, sich verlaufen hat, unwohl fühlt oder Unterstützung nach einem Unfall braucht, kann sich an die Einrichtungen wenden. Der Leipziger Hilfepunkt ist eine Initiative des Kommunalen Präventionsrates Leipzig und besteht seit 15 Jahren.
Bürgermeister Heiko Rosenthal betont: „Mit dem Leipziger Hilfepunkt setzen bereits mehr als 180 Teilnehmer ein offensives Zeichen für gelebte Zivilcourage und stärken das Sicherheitsgefühl aller Leipziger Bürger und aller Gäste unserer Stadt – egal welchen Alters.“ Martin Gräfe, Geschäftsführer der Leipziger Sportbäder, verweist auf die besondere Eignung der Anlagen: „Hilfe leisten gehört bei uns zum Berufsbild.“ Die Beschäftigten seien als Ersthelfer ausgebildet, zudem verfügten die Standorte über Defibrillatoren und Erste-Hilfe-Material.
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