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Mutmaßliche Attestfälschung, laut Gericht unentschuldigtes Fernbleiben vom Prozess, ein Sitzungshaftbefehl: Mit seinem Verhalten sorgte Gero Strauß, HNO-Arzt und früherer Geschäftsführer des Leipziger Kopfzentrums, am Landgericht zeitweise für reichlich Wirbel. Dem 54-Jährigen liegen unter anderem mehrfacher schwerer Betrug und 57 Fälle der Untreue zur Last. Nun scheint der anfangs schleppende Prozess in die Gänge gekommen zu sein.
Gero Strauß erscheint an diesem Dienstagmorgen, dem 14. Juli 2026, überpünktlich um 10:00 Uhr im Leipziger Landgericht, setzt sich im Saal auf die Anklagebank, und wartet auf Khubaib-Ali Mohammed, einen seiner Verteidiger, der kurz darauf eintrifft.
Prozess startete turbulent
Vor einigen Wochen sah es noch anders aus: Zum Prozessauftakt am 2. Juni war der Angeklagte noch gekommen, eine Woche später dann zunächst nicht mehr. Nach der verspäteten Anreise aus Berlin, wo er inzwischen praktizieren soll, stellte sich heraus, dass ein vorgelegtes Attest eine plumpe Fälschung sein soll. Inzwischen wird wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung gegen Gero Strauß ermittelt.
Eine Woche später gab es eine authentische Arztbescheinigung, die aus Sicht der Strafkammer aber inhaltlich keine Grundlage bot, dem Prozess fernzubleiben. Die Folge: Ein Sitzungshaftbefehl wurde ausgestellt.
Angeklagter gilt als verhandlungsfähig
Von all den Turbulenzen ist nun nichts mehr zu spüren. Gero Strauß wurde inzwischen, nachdem sein Gesundheitszustand unter Ausschluss von Medien und Öffentlichkeit diskutiert worden war, durch einen Gutachter untersucht und für verhandlungsfähig erklärt.
Damit muss sich der renommierte Mediziner im Gerichtssaal den Vorwürfen stellen, von denen die Staatsanwaltschaft ausgeht: Demnach soll er in seiner Zeit als geschäftsführender Gesellschafter der Kopfzentrum-Gruppe sieben Darlehensverträge abgeschlossen haben, im Zeitraum zwischen Februar und Juni 2022.
Doch nicht etwa für Investitionen und Praxiszukäufe sei das Geld verwendet worden, sondern unter anderem privat zur Finanzierung eines ausschweifenden Lebensstils, heißt es. Die Anklage geht hier von über 1,5 Millionen Euro Schaden aus. Weitere Punkte beziehen sich auf dubiose Geldtransaktionen, die der Angeklagte veranlasst haben soll, sowie die Anmietung eines Luxusappartements in Berlin-Charlottenburg ohne vollständige Mietzahlung. Dazu kommen mutmaßlich lückenhafte Angaben gegenüber dem Leipziger Finanzamt.
Erste Zeugen wurden angehört
Doch wie genau lief die Ankaufspraxis für die Arztpraxen ab? Wie vollzogen sich die Geldflüsse? Um welche Summen geht es? Wie sahen die Verträge aus? Wie wurde mit den Geldgebern kommuniziert und was wurde beredet? Es sind lauter Detailfragen, denen die Kammer nun in kleinteiliger Arbeit nachgeht. Nach Gerichtsangaben wurden dazu bereits in der letzten Woche eine Vielzahl von Zeugen angehört, darunter Ärztinnen und Ärzte und die frühere kaufmännische Geschäftsführerin des Kopfzentrums.
An diesem 14. Juli verliest das Gericht die Aussage eines weiteren Zeugen. Sich selbst äußern kann er nämlich tragischerweise nicht mehr: Der Mann, ein HNO-Mediziner, der in den Ruhestand gehen und seine Praxis veräußern wollte, ist im letzten Jahr tödlich verunglückt.
Ende 2023 hatte er gegenüber den Behörden ausgesagt, dass er Kontakt zu Dr. Strauß hatte und dieser seine Praxis, wohl im Frühjahr, persönlich inspizierte. Letztlich sei aber noch kein konkreter Kaufpreis vereinbart worden und die Kommunikation abgebrochen: Man habe unterschiedliche Vorstellungen zu Konditionen gehabt, so der verstorbene Arzt.
Angeklagter hüllt sich in Schweigen
Letztlich endet der Prozess an diesem Tag frühzeitig und geht in eine Pause bis 4. August, dann sind neue Zeugen vorgeladen. Gero Strauß persönlich folgt dem Geschehen in seinem dunklen Anzug ruhig und ohne äußere Regung. Bislang hat er zu den Vorwürfen der Anklage geschwiegen.
Sechs Verhandlungstage wurden bis zum 22. September anberaumt. Doch es scheint fraglich, ob sie ausreichen: Weitere Termine könnten notwendig werden, so die Vorsitzende Richterin Tanja Lötschert. Ein Urteil ist also vorerst nicht am Horizont absehbar.
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