Er saß schon einmal in der Psychiatrie, nachdem er eine Familie terrorisiert und der Mutter mit einem brutalen Angriff einen Großteil ihres Augenlichts genommen hatte: Nun muss René M. erneut auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Einrichtung, womöglich bis ans Lebensende. Der an paranoider Schizophrenie erkrankte Mann soll im Zustand der Schuldunfähigkeit versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung begangen haben.
Seit März 2026 hatte der 42-Jährige in einem sogenannten Sicherungsverfahren vor dem Leipziger Landgericht gestanden. Laut Staatsanwaltschaft ist der frühere Kraftfahrer an paranoider Schizophrenie erkrankt und somit nicht fähig, das Unrecht seiner Taten einzusehen. Die Ermittlungsbehörden gingen davon aus, dass René M. am 25. September 2025 zwischen 00:44 Uhr und 01:10 Uhr mit einer Eisenstange am Lindenauer Markt grundlos auf einen Rollstuhlfahrer losging.
Der wehrlose Karlheinz M. fiel bei der Stech-Attacke aus seinem Sitz, soll anschließend mit der Stange am Kopf traktiert worden sein, ehe der Angreifer sich entfernte. Karlheinz M. musste nach dem schockierenden Übergriff im Uniklinikum versorgt werden.
2014 griff er eine Mutter mit dem Schraubendreher an
Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass René M. bereits am 16. September 2025 am helllichten Tage eine Frau an einer Straßenbahnhaltestelle unvermittelt gepackt und am Hals gewürgt hatte. Für die Justiz war der zuletzt wohnsitzlose Mann kein Unbekannter: Seit Juli 2014 hatte er Nachbarn in Pausdorf monatelang terrorisiert und gestalkt, den damals 14-jährigen Sohn der Familie mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen.
Trauriger Höhepunkt: Die Mutter wurde im Oktober 2014 durch René M. mit einem Schraubendreher angegriffen und büßte einen Großteil ihres Augenlichts ein. Dabei war die Familie nach monatelangem Psychoterror bereits im Begriff, aus der alten Wohnung auszuziehen – die Attacke, bei der René M. durch herbeieilende Nachbarn überwältigt wurde, ereignete sich bei einem Termin mit der Hausverwaltung.
Das Gericht hatte René M. schon seinerzeit aufgrund einer Psychose für schuldunfähig befunden und 2015 wegen versuchten Totschlags in die Psychiatrie geschickt. Nach einigen Jahren war er jedoch freigekommen und unter Führungsaufsicht gestellt worden. Die erneute Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Klinik wurde durch die 1. Strafkammer des Landgerichts bereits im Mai beschlossen, sie entsprach nach Gerichtsangaben den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Beschluss ist rechtskräftig.
Trend zu mehr psychisch kranken Straftätern in Sachsen
Wie die Leipziger Volkszeitung kürzlich berichtete, hat sich die Zahl psychisch kranker Straftäter, unter ihnen auch Gewaltverbrecher, in Sachsen über die letzten Jahre deutlich erhöht. Entsprechend müssen diese Menschen dann, sofern sie als Gefahr für die Allgemeinheit gelten, durch Gerichte in die Psychiatrie geschickt werden.
Verschiedene Ursachen dieses Trends werden diskutiert: Genannt werden unter anderem starker Drogenkonsum, mehr Menschen mit Fluchtbiografie und Traumata und der Trend zu Kürzungen und Abbau bei Behandlungsplätzen in der Allgemeinpsychiatrie. Zudem gäbe es im allgemeinen Versorgungssystem auch eine abnehmende Risikotoleranz gegenüber potenziell gewalttätigem Verhalten.
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