Die Leipziger CDU nominiert heute ihren Kandidaten für die Wahl um das Amt des Oberbürgermeisters. Am Landgericht richten sich alle Blicke auf die Tür, durch die Promi-Arzt Gero Strauß kommen müßte. Was, wenn er wieder kneift? Die HTWK eröffnet zwei Ausstellungen zur Geschichte queerer Lebensweisen und dem Einfluss von Kunststoff auf unser Leben. Und eine Preisverleihung  in Dresden erzeugt Spannung…

Kommt er, oder kommt er nicht

Gespannte Erwartung am Leipziger Landgericht. Dort soll heute der Prozess gegen den früheren Chef des Leipziger Kopfzentrums, Prof. Gero Strauß, fortgesetzt werden. Der war wiederholt nicht zu Verhandlungen erschienen, die zuständige Kammer hat deshalb in der vergangenen Woche einen Sitzungshaftbefehl erlassen (LZ berichtete).

Seit dem 2. Juni 2026 muss sich der HNO-Arzt vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm acht Fälle schweren Betrugs, 57 Fälle Untreue sowie eine falsche Versicherung an Eides statt vor. Nach Darstellung der Anklage soll Strauß Kredite, die für den Erwerb von Arztpraxen und Investitionen in medizinische Technik vorgesehen gewesen seien, für private Zwecke verwendet haben. Der dadurch entstandene Schaden wird auf knapp 1,5 Millionen Euro beziffert. Darüber hinaus soll er laut Anklage Unternehmensgelder in Höhe von rund 214.500 Euro unter anderem für Privatjet-Flüge, Clubmitgliedschaften, Luxusappartements und Bewirtungen eingesetzt haben.

Für zusätzliche Spannungen sorgte die Reaktion seines Pflichtverteidigers Christian Schößling. Dieser beantragte nach Bekanntwerden der Vorwürfe rund um das Attest seine Entpflichtung und begründete dies mit einem zerstörten Vertrauensverhältnis zu seinem Mandanten. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch ab und verwies unter anderem auf die Gefahr weiterer Verzögerungen in dem umfangreichen Verfahren.

Sollte Gero Strauß trotz des bestehenden Sitzungshaftbefehls erneut nicht erscheinen, könnte das Gericht seine Festnahme und Vorführung anordnen. Der Haftbefehl dient allerdings nicht der Bestrafung des Angeklagten, sondern ausschließlich dazu, seine Teilnahme an der Hauptverhandlung sicherzustellen. Über den Fortgang des Verfahrens berichtet unser Reporter Lucas Böhme.

Selten wie ein Facharzttermin – Verhandlungstage mit Gero Strauß scheinen Glückstreffer zu sein. Zudem will ihm Verteidiger Christian Schößling (re.) nicht mehr assistieren © Lucas Böhme

Wird er´s, oder wird er´s nicht

Die Leipziger CDU-Mitglieder fällen heute ihre Personalentscheidung für die Oberbürgermeisterwahl 2027. Bei einer Versammlung wird darüber abgestimmt, ob Michael Weickert offiziell als Kandidat ins Rennen geht. Der Kreisvorstand hatte den 36-Jährigen bereits am 2. Juni 2026 für die Kandidatur vorgeschlagen und ihn den Mitgliedern zur Wahl empfohlen. Weickert gehört seit 2014 dem Leipziger Stadtrat an und steht seit 2023 an der Spitze der CDU-Fraktion. Die Oberbürgermeisterwahl findet am 21. Februar 2027 statt.

Weil Amtsinhaber Burkhard Jung nach drei Amtszeiten nicht erneut kandidiert, gilt die Wahl als offen wie lange nicht mehr. Im Vorfeld waren auch Namen wie Torsten Bonew, Jens Lehmann oder Sebastian Gemkow als mögliche Bewerber gehandelt worden. Bei der Mitgliederversammlung könnten theoretisch auch noch weitere Kandidaturen vorgeschlagen werden. Insider rechnen allerdings nicht mit einer Überraschung, wie es sie kürzlich beim Bundesparteitag der FDP gegeben hat.

Sollte Weickert nominiert werden, würde die CDU mit ihrem Fraktionsvorsitzenden in den Wahlkampf starten. Über die Abstimmung berichtet morgen unser Reporter Thomas Köhler.

Soll die Tradition der SPD-Bürgermeister brechen. Die Leipziger CDU Spitze sieht Michael Weickert als aussichtsreichen Kandidaten für die OB-Wahl. Foto: Benjamin Weinkauf

Wer kriegt ihn und wer kriegt ihn nicht

Im Unterschied zu klassischen Architekturpreisen steht beim Sächsischen Staatspreis für Baukultur nicht allein die gestalterische Qualität eines Gebäudes im Mittelpunkt. Bewertet werden ebenso Aspekte wie Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Nutzen, städtebauliche Wirkung und das Zusammenspiel von Bauherren, Planern und Nutzern. Damit zeichnet der Preis Projekte aus, die über gute Architektur hinaus beispielhafte Antworten auf aktuelle Herausforderungen des Bauens geben.

Der diesjährige Staatspreis für Baukultur wird heute in Dresden verliehen und steht unter dem Motto „BAUEN IM SPANNUNGSFELD VON HIGHTECH UND LOWTECH“. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Insgesamt wurden 34 Projekte eingereicht.  In der Vergangenheit gab es zwei Sieger aus Leipzig. So im Jahr 2004 das Stelzenhaus in Plagwitz. Das auf Stützen über der Wasserfläche des Karl-Heine-Kanals errichtete Gebäude gilt als frühes Symbol für die Umwandlung ehemaliger Industrie- und Brachflächen nach der Wiedervereinigung und verband experimentelle Architektur mit Stadtentwicklung.

2019 erhielt das Holzhaus Leipzig-Lindenau den Staatspreis. Das vom Leipziger Büro ASUNA für eine Baugemeinschaft entworfene Projekt vereint Wohnen und Gewerbe in einer urbanen Holzkonstruktion und überzeugte die Jury insbesondere durch Nachhaltigkeit, flexible Nutzungen und den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren sieben weitere Leipziger Projekte mit Anerkennungen gewürdigt oder erreichten den Endausscheid des Wettbewerbs.

2019 ausgezeichnet. Das Holzhaus unweit vom Felsenkeller. Foto: Peter Eichler/Asuna/Sächs.Staatspreis Baukultur

War´s so, oder war es anders

„Geformt. Gefühlt. Gelebt“ ist der Titel einer Museologie-Ausstellungsreihe, die heute in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) eröffnet wird. Die ersten beiden Ausstellungen sind bis zum 6. Juli 2026 zu sehen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Themen, die aktuelle gesellschaftliche Debatten mit historischen Perspektiven verbinden. Im Lipsius-Bau (Raum Li 312) widmet sich die Ausstellung „Plastik – Perfekt. Praktisch. Problematisch“ dem Werkstoff Kunststoff und seiner Bedeutung im Alltag. Die Präsentation ist als begehbare Wohnungsinstallation konzipiert und greift Fragen des Konsums und der Umweltbelastung auf. Nach Angaben des Umweltbundesamtes fielen 2023 in Deutschland 5,91 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle an. In der HTWK-Bibliothek zeigt die Ausstellung „(Un)sichtbar – Queere Geschichte der letzten 100 Jahre“ Aspekte queeren Lebens und queerer Erinnerungskultur. Thematisiert werden unter anderem Orte der Berliner Schwulenszene der 1920er Jahre, Formen staatlicher Repression sowie die Bedeutung von Geheimcodes und Kontaktanzeigen, darunter Beispiele aus der DDR. Es wird ein Blick auf die Unterschiede in den beiden deutschen Staaten geworfen. Der sogenannte „Schwulenparagraph“ § 175 wurde im Osten 1968 abgeschafft, während die Vorschrift in der Bundesrepublik bis 1994 galt. Die Ausstellungen sind Teil eines Praxisprojekts des 4. Fachsemesters Museologie. Die Studierenden verantworten dabei sämtliche Schritte von der Themenentwicklung über die Objektrecherche und Texterstellung bis hin zur Gestaltung und Umsetzung. Der Studiengang Museologie an der HTWK ist auf die Dokumentation, Erforschung und Vermittlung von Kultur- und Alltagsgeschichte ausgerichtet. Mit der neuen Ausstellungsreihe macht die Hochschule diese Arbeit nun auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Auftaktveranstaltung beginnt heute um 13 Uhr auf dem Campus an der Gustav-Freytag-Straße zwischen Medienzentrum und HTWK-Bibliothek. Im Anschluss werden Führungen angeboten. Der Eintritt ist frei.

Titelbild der Ausstellung „Plastik – Perfekt. Praktisch. Problematisch.“(Grafik: Museologie)

Lizenzhinweis: Das Titelbild vom Stelzenhaus stammt von Lumu und ist auf Wikimedia zur Nutzung lizensiert. Es wurde für die Verwendung auf dieser Seite geringfügig und sinnerhaltend beschnitten.

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