Schon 2014 machte er einer Nachbarsfamilie das Leben zur Hölle, nahm der Mutter mit einem Schraubendreher-Angriff einen Großteil ihres Augenlichts: Seit Montag, dem 23. März, muss sich René M. erneut am Landgericht Leipzig verantworten. Der laut Gutachten an paranoider Schizophrenie Erkrankte und daher Schuldunfähige soll einen Mann mit einer Eisenstange um ein Haar totgeprügelt und eine Frau gewürgt haben.
Wandert René M. womöglich für den Rest seines Lebens in eine geschlossene psychiatrische Klinik, wo er sich aktuell bereits befindet? Fest steht, dass der 42-Jährige schon einmal auffällig war und ein Leben zerstört hat. Nun muss er sich erneut verantworten: Im Zustand der Schuldunfähigkeit soll der ehemalige Kraftfahrer versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung begangen haben, steht deswegen vor dem Landgericht.
Nächtlicher Angriff mit Eisenstange: Das Opfer soll er hilflos zurückgelassen haben
Die Staatsanwaltschaft hat eine Antragsschrift eingereicht: Sie geht davon aus, dass René M. an paranoider Schizophrenie erkrankt und daher nicht in der Lage war und ist, das Unrecht der ihm zugeschriebenen Taten einzusehen. In diesem Fall geht es um keinen Strafvollzug, sondern um die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.
Es war am 25. September 2025 zwischen 00:44 Uhr und 01:10 Uhr, als der 42-Jährige mit einer Eisenstange am Lindenauer Markt auf einen Rollstuhlfahrer losgegangen sein soll. Mit dem etwa zwei Meter langen und fünf Kilogramm schweren Tatwerkzeug soll René M. zunächst auf das ihm unbekannte Opfer Karlheinz M. eingestochen haben, das bei dem Angriff aus seinem Rollstuhl fiel.
Anschließend habe der Aggressor auf den Kopf des wehrlosen Mannes eingeschlagen, um den nur noch zuckend am Boden liegenden M. schließlich seinem Schicksal zu überlassen. Der Geschädigte war nach der Attacke bewusstlos und lebensbedrohlich verletzt, wurde im Uniklinikum versorgt, wo er drei Krampfanfälle erlitt.
Kein unbeschriebenes Blatt
René M. sei als gefährlich für die Allgemeinheit einzustufen, so Oberstaatsanwalt Jakob. Schon neun Tage vor dem beschriebenen Vorfall habe der zuletzt Wohnsitzlose eine Frau an der Haltestelle Möckernscher Markt um die Mittagszeit am Hals gepackt, sie gewürgt, ihr neben dem schweren Schock Schmerzen und Schwellungen beigebracht.
Für die Justiz ist René M. kein Unbekannter: Vor rund elf Jahren hatte er sich verantworten müssen, nachdem er einer Nachbarsfamilie in Paunsdorf das Leben seit Juli 2014 monatelang buchstäblich zur Hölle gemacht hatte. Was laut einem LVZ-Gerichtsbericht vom April 2015 seinerzeit mit Spucken an die Wohnungstür, dem Klau von Schuhen und Beschimpfungen begann, spitzte sich zu, indem der damals 30-jährige René M. die Mutter stalkte und dem 14 Jahre alten Sohn rücklings eine Bierflasche auf den Kopf schlug.
Frau verlor 2014 durch Angriff von René M. fast ganzes Augenlicht
Die terrorisierte Familie zog schließlich auf behördlichen Rat aus, doch bei einem Termin mit der Hausverwaltung im Oktober 2014 lauerte René M. der Mutter, einer Frau Ende vierzig, in der Klettenstraße offenbar auf, stürzte sich auf sie und stach ihr mit einem Schraubendreher in die Augen, ehe er seinen Angriff mit einem Messer fortsetzte. Nachbarn überwältigten den Mann.
Für das Opfer waren die Folgen schrecklich: Das Sehvermögen seiner Augen hatte sich nach der Attacke und einigen OPs auf fünf bzw. 20 Prozent reduziert. René M. war wegen einer Psychose für schuldunfähig befunden und aufgrund versuchten Totschlags in die Psychiatrie eingewiesen worden. Doch nach einigen Jahren kam er frei, wurde unter Führungsaufsicht gestellt.
Zur neuerlichen Antragsschrift der Staatsanwaltschaft wollte er sich am Montag nicht äußern, werde dies laut Angaben seines Verteidigers Stephan Bonell aber eventuell in Anwesenheit eines Sachverständigen tun. Mit leerem Blick und dünner Stimme nannte René M. dem Gericht lediglich seine Personalien. Die Kammer hat noch Verhandlungstermine bis 12. Mai geplant.
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