In der Ratsversammlung am 1. Juli saß auch Zoodirektor Dr. Jörg Junhold wie auf heißen Kohlen im Publikum. Denn da ging es um die Frage, ob er sein Lebenswerk – den „Zoo der Zukunft“ – noch zu Ende bauen kann. Und zwar möglichst bis 2028, wenn der Leipziger Zoo sein 150-jähriges Jubiläum feiert. Eigentlich sollte das Mega-Projekt 2027 fertig werden. Doch es kam zu Bauverzögerungen, ein wesentlicher Teil – die Asiatischen Inselwelten – musste völlig neu geplant werden. Noch 2022 hatte der Stadtrat 64 Millionen Euro für die Fertigstellung des letzten Teils des „Zoos der Zukunft“ bewilligt.
Ein Problem bei der Fertigstellung des Zukunftszoos ist natürlich, dass es ein echtes Generationenprojekt ist. Die grundlegenden Pläne für den 3. Entwicklungsabschnitt wurden im Jahr 2012 entwickelt. Seitdem haben sich auch Standards, Publikumserwartungen und Artenschutzbestimmungen weiterentwickelt.
Zwischendurch mussten gerade die Pläne für „Feuerland“ noch einmal angepasst werden, weil – daran erinnerte in der Ratsversammlung am 1. Juli CDU-Stadträtin Sabine Heymann – das Amt für Stadtgrün und Gewässer meinte, man müsse unbedingt die Option für die Verlängerung des Pleißemühlgrabens bis zum Zoo offen halten.
Es war eigentlich eher nicht der Stadtrat, der die Planungen für den Zoo erschwerte, sondern – so Heymann – diverse Ämter. Die massiv gestiegenen Baukosten der letzten Jahre kommen noch hinzu. Mit der Konsequenz, dass sich die 2022 vom Stadtrat bewilligte Summe deutlich erhöhte.
Jede Verschiebung macht es noch teurer
In der Vorlage des Kulturdezernats liest sich das so: „Das Strategische Unternehmenskonzept ‚Zoo der Zukunft‘ umfasst momentan noch offene bzw. derzeit sich in Umsetzung befindliche Bautätigkeiten der Themenwelten des 3. Entwicklungsabschnitt mit einem Gesamtkostenvolumen von 84,0 Mio. €. Damit ergibt sich im Vergleich zum Stadtratsbeschluss VII-DS-07486 vom 09.11.2022 ein zusätzliches Finanzierungsvolumen von ca. 22,0 Mio. € für den dritten Entwicklungsabschnitt. Im Wesentlichen entfällt der Kostenanstieg auf die Themenwelt ‚Asiatische Inselwelten‘ im Hinblick auf die inhaltliche Umsetzung und Gestaltung.
Die Variante 1 mit dem zoologischen Konzept aus dem Jahr 2012 ist vor allem hinsichtlich der tierschutzrechtlichen Rahmenbedingungen und der gestiegenen Besuchererwartungen veraltet. Sie könnte notfalls noch umgesetzt werden, würde aber nicht den Ansprüchen eines führenden Zoos und des Wettbewerbsumfeldes im Freizeitmarkt entsprechen.
Die von der Zoo Leipzig GmbH zur Umsetzung empfohlene Variante 2 wurde unter Berücksichtigung der derzeit aktuell geltenden Standards hinsichtlich der Haltung von Säugetieren und Vögeln erstellt und erfüllt auch die aktuellen Bedürfnisse der Besucher auf hohem Niveau. Zudem wurde den denkmalrechtlichen Forderungen bezüglich des ‚Neuen Vogelhauses‘ Rechnung getragen.“

Ein richtig saurer Apfel, der eigentlich schon im letzten Doppelhaushalt auf dem Tisch lag. „Da haben wir uns entschieden, das noch einmal zu verschieben“, sagte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke am 1. April. Die Hoffnung dabei: Die finanzielle Lage der Stadt Leipzig, die da schon angespannt war, würde sich wieder entspannen. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Die finanzielle Lage hat sich weiter verschärft.
Nur zu verständlich, dass die Grünen-Fraktion nun meinte, man könne den dicken finanziellen Batzen etwas verkleinern, wenn man den Zoo beauftragt, zu untersuchen, ob nicht einzelne Teile des Gesamtpakets in die Jahre nach 2030 verschoben werden können. Grünen-Stadträtin Sylvia Herbst-Weckel sprach von 7,6 Millionen Euro, die man so noch einmal verschieben könnte.
Aber Skadi Jennicke äußerte ihre Befürchtung, dass es dann noch teurer wird.
Kann man die Entgeltordnung jetzt ändern?
Die Linksfraktion hatte noch andere Bedenken, denn in der Entgeltordnung des Zoos sind viele Ermäßigungen gerade für vulnerable Gruppen – behinderte Menschen z. B. – weggefallen. Linke-Stadtrat Marco Götze plädierte dafür, eine Zustimmung der Linksfraktion zu den zusätzlichen Investitionskosten des Zoos von einer Änderung der Entgeltordnung abhängig zu machen.
Was ebenfalls, so Skadi Jennicke, so nicht möglich ist. Denn der Zoo plant mit den genehmigten Eintrittsgeldern. Die Entgeltordnung könne deshalb nicht unterjährig geändert werden.
Zoodirektor Junhold habe freilich angeboten, mit der Linksfraktion über mögliche Änderungen der Entgeltordnung zu sprechen. Einen Termin dafür hat er im Herbst angeboten.
Eine kleine Zwickmühle für die Linksfraktion, für die Marco Götze ja angekündigt hatte, sie wolle dem Kostennachschlag nicht zustimmen, wenn die Entgeltordnung nicht geändert wird. Aber 22 Millionen Euro in einer Zeit, in der Leipzig finanziell auf dem Zahnfleisch kriecht, sind heftig. Da fand auch Skadi Jennicke die Bedenken der Grünen-Fraktion berechtigt, anders als CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Weickert, der mal wieder zu einem seiner belehrenden Vorträge im Hinblick auf Finanzen ansetzte.
Unredlichkeit attestierte ihm dafür der Grünen-Fraktionsvorsitzende Dr. Tobias Peter. Und verbat sich die Belehrung.
Was am Ergebnis nichts änderte, denn der Wunsch der Grünen, Teile des Investitionspakets in die Zeit nach 2030 zu verschieben, wurde von der Ratsmehrheit abgelehnt. Man spürte schon: Auch die Ratsversammlung sehnt sich danach, dass das 2000 gestartete Mega-Projekt „Zoo der Zukunft“ endlich fertig wird. Der Linke-Antrag zur Überarbeitung der Entgeltordnung scheiterte knapp.
Die Vorlage selbst bekam dann mit 36 zu 4 Stimmen bei 20 Enthaltungen die nötige Mehrheit. Jörg Junhold – der sich auf seinem Platz sichtlich erleichtert zeigte – kann den letzten Baustein mit dem Thementeil „Feuerland“ nun fertigbauen, auch wenn der Fertigstellungstermin jetzt im Jahr 2028 liegt, vielleicht gerade richtig, um das Finale mit dem 150. Geburtstag des Zoos zu verbinden.
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