Schon länger steht er im Visier der Justizbehörden, nun muss er sich am Landgericht Leipzig verantworten: Die Anklage wirft dem bekannten HNO-Arzt Prof. Gero Strauß schweren Betrug, Untreue und eine falsche Versicherung an Eides statt vor. Unter anderem soll der 54-Jährige vorgeblich für Investitionen vorgesehene Darlehen zur Finanzierung seines luxuriösen Lebensstils genutzt haben.

Staatsanwältin Silke Kühlborn brauchte an diesem Dienstagmorgen im Leipziger Landgericht sehr lange, um ihre umfangreiche Anklageschrift vorzutragen. Die geht davon aus, dass sich Gero Strauß in acht Fällen des schweren Betrugs schuldig gemacht hat, dazu kommt der Vorwurf der Untreue in 57 Fällen sowie der falschen Versicherung an Eides statt.

Investoren getäuscht? Anklage nimmt rund 1,5 Millionen Euro Schaden an

Demnach habe Gero Strauß zwischen Ende Februar und Ende Juni 2022 – zu einer Zeit, als er noch geschäftsführender Gesellschafter und ärztlicher Leiter der Kopfzentrum-Gruppe war – Gesellschafter-Anteile veräußert und in diesem Rahmen auch sieben Darlehensverträge mit der Gegenseite abgeschlossen. Das auf die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Kopf-, Nerven- und Sinnesorgansystems spezialisierte Medizin-Imperium war damals in Schwierigkeiten geraten.

Die Staatsanwältinnen Silke Kühlborn (li.) und Sabrina Joel vertreten die Anklage. © Lucas Böhme
Die Staatsanwältinnen Silke Kühlborn (li.) und Sabrina Joel vertreten die Anklage. © Lucas Böhme

Strauß soll das von den Investoren erhaltene Geld jedoch nicht für Praxiszukäufe und Investitionen in Technik genutzt haben, wie suggeriert, sondern privat zur Finanzierung seines aufwendigen Lebensstils. Die Anklage geht hier von mehr als 1.480.000 Euro Gesamtschaden aus.

Luxusappartement angemietet und Vermögensverhältnisse vertuscht?

Und bei diesem stattlichen Betrag soll es nicht geblieben sein. So flossen laut Anklageschrift im Rahmen von 57 Transaktionen, die Strauß in seiner Funktion als Geschäftsführer der Kopfzentrum-Gruppe veranlasst haben soll, Gelder von den Konten des Unternehmens ab. Diese sollen etwa für Privatjet-Flüge, Clubmitgliedschaft, Luxusappartements und Bewirtung draufgegangen sein. Mutmaßlicher Schaden hier: rund 214.500 Euro.

Nach seiner Entlassung habe Strauß dann Mitte Januar 2023 unter Vortäuschung von Zahlungsbereitschaft und Solvenz eine Wohnung in Berlin für mehr als 5.700 Euro im Monat angemietet. Doch die Vermieterin blieb, so die Staatsanwaltschaft, am Ende auf mehr als 51.000 Euro sitzen: Strauß habe die Miete für das 180-Quadratmeter-Appartement in Charlottenburg-Wilmersdorf nur kleckerweise und unvollständig gezahlt, sodass bereits im September 2023 ganze 40.000 Euro offen waren. Am 14. Februar 2024 kam es zur Zwangsräumung.

Mit Datum 22. Dezember 2023 habe der renommierte Professor gegenüber dem Leipziger Finanzamt schließlich auch unvollständige Angaben zu seiner wirtschaftlichen Lage getätigt, unter anderem Konten im Ausland und die Miteigentümerschaft an einer Immobilie verschwiegen.

Weitere Verfahren sind offen

Dem Prozessauftakt folgte der Spitzenmediziner, der inzwischen in der Bundeshauptstadt praktizieren soll, am Dienstag ohne äußere Regung, wirkte steif und nervös. Angaben zu den Tatvorwürfen wollte der Angeklagte nach Aussage seines Verteidigers Christian Schößling zunächst nicht tätigen. Der Rechtsanwalt verwies auf die angeschlagene Gesundheit seines Mandanten, was durch ein Attest der Charité in Berlin noch untermauert werden solle. Dies könne sich auch auf die Verhandlungsfähigkeit des 54-Jährigen auswirken, heißt es.

Aktuell ist gegen Prof. Strauß noch ein Verfahren offen, weil er nach seinem Rückzug aus der Kopfzentrum-Gruppe einen Dienstwagen und eine Wohnung nicht zurückgegeben habe. Während dieser vergleichsweise geringe Vorwurf mit einem Strafbefehl erledigt gewesen wäre, gegen den Strauß jedoch Einspruch erhob, wiegen andere Verdächtigungen schwerer: So laufen immer noch Ermittlungen wegen mutmaßlichen Abrechnungsbetrugs im Zusammenhang mit Kopfzentrum und Acqua-Klinik, weswegen es bereits im Oktober 2022 Razzien gegeben hatte.

Eine von mehreren Durchsuchungsmaßnahmen am Dienstag in Leipzig. Foto: LZ
Eine von mehreren Durchsuchungsmaßnahmen am 11. Oktober 2022 in Leipzig. © Lucas Böhme

Zudem fällt Strauß’ Name auch im Zusammenhang mit Auffälligkeiten bei Rezeptvergaben sowie teuren und überflüssigen OPs, zu denen Patienten gedrängt worden sein sollen. Darüber hatte der MDR bereits vor mehreren Jahren berichtet. Strauß wies diese Vorwürfe zurück.

Für den aktuellen Prozess am Landgericht sind weitere Termine bis August angesetzt.

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