Wegen der Bauarbeiten auf Markkleebergs Hauptstraße können ab heute zwei Haltestellen des Busverkehrs nicht mehr angefahren werden. Die Uni-Bibliothek muss zwei Stellen für einen Spezialauftrag besetzen, und in Plagwitz befasst sich eine Diskussionsrunde mit den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz. Doch zunächst widmen wir uns einem betagten Jubilar, dessen Wesen einst hohe Wellen schlug.
Happy Birthday, altes Haus!
Und plötzlich wogten Wellen, wo eben noch Baustelle war: Heute vor 110 Jahren wurde das Leipziger Stadtbad feierlich eröffnet und nahm einen Betrieb auf, der zu seiner Zeit ein Meilenstein war. Zuvor hatte Leipzig zwar bereits privat betriebene Hallenbäder wie das Sophienbad in der damaligen Dorotheenstraße und das Dianabad in der Langen Straße, doch das einzige kommunale Bad befand sich im alten Jacobshospital in der Rosentalgasse und wurde 1906 geschlossen.
Das Stadtbad setzte mit seiner Ausstattung neue Maßstäbe. Frauen und Männer nutzten getrennte Schwimmhallen, wobei die Männerschwimmhalle mit der ersten Wellenanlage Europas in einem Hallenbad ausgestattet war. Ergänzt wurde das Angebot durch therapeutische Wannen- und Schwitzbäder sowie zwei getrennte Saunabereiche. Als architektonisches Glanzstück galt die Damensauna im maurischen Stil mit reich verzierten Säulen, Bögen und dekorativen Mosaiken.

Errichtet wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Otto Wilhelm Scharenberg, während die Bauplastik auf Entwürfen von Mathieu Molitor zurückgeht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bad wiedereröffnet und in den 1980er-Jahren vor allem im Inneren umfassend restauriert. Dennoch führten erhebliche bauliche Mängel zur Schließung im Juli 2004. Ein Jahr später beauftragte der Leipziger Stadtrat die Verwaltung mit dem Verkauf des Gebäudes – erfolglos.
Mit Mitteln des Konjunkturpakets II des Bundes konnte zwischen 2010 und 2012 zumindest das Dach einschließlich der Gewölbedecken energetisch saniert werden. Um den weiteren Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes aufzuhalten, gründeten die Wasserwerke Leipzig 2006 eine Förderstiftung, die sich bis heute für die Sanierung und Wiederbelebung des einstigen Bades engagiert. Inzwischen wird das Haus regelmäßig für Veranstaltungen genutzt, darunter eine alljährliche Dinnershow zur Weihnachtszeit. So bleibt es trotz seiner Schließung als Schwimmbad ein fester Bestandteil des Leipziger Kulturlebens.
Besichtigt werden kann das Stadtbad übrigens an jedem ersten Sonntag des Monats um 11 Uhr im Rahmen einer einstündigen Führung, für die eine Anmeldung und ein gültiges Ticket nötig sind. Beides gibt es HIER online.
Möglicherweise ist das Leipziger Stadtbad jedoch jünger, als hier beschrieben. Wenn auch nur einen Tag. Verschiedene Quellen nennen den 14. Juli als Eröffnungstag, andere den 15. Juli. Denkbar also, dass am 14. Juli gefeiert wurde – und dass am nächsten Tag die ersten zahlenden Besucher in die Becken sprangen. Befragen kann man keinen der einst Anwesenden mehr.

Neue Umleitung in Markkleeberg
Wegen der Vollsperrung der Hauptstraße beginnt heute eine neue Umleitungsphase im Regionalbusverkehr. Betroffen sind die Linien 100, 106 und 107. Bis voraussichtlich 24. Juli können die Haltestellen Markkleeberg Schulstraße und Agra nicht bedient werden. Fahrgäste sollten mehr Fahrzeit einplanen und sich vor Fahrtantritt über die geänderten Linienführungen informieren.
Unabhängig davon gelten in Markkleeberg weiterhin die bereits bestehenden Umleitungen infolge der Sperrung der Rathausstraße. So verkehrt die Linie 100 seit März auf geändertem Linienweg; die Haltestellen Markkleeberg West-Wasserturmstraße, Markkleeberg West und Markkleeberg Ring entfallen weiterhin. Ersatzweise können unter anderem die Haltestellen Seenallee und Schulstraße genutzt werden.
Aktuelle Informationen zu allen Baustellen und Umleitungen veröffentlicht Regionalbus Leipzig fortlaufend auf seiner Internetseite.
Uni-Bibliothek hat zwei Stellen frei
Print lebt – und will gelesen und verwaltet werden. Ist das gedruckte Wort schon hoch betagt, bedarf es auch gesonderter Fürsorge. Heute endet die Bewerbungsfrist für zwei Stellen als Bibliothekar*innen (m/w/d/x) an der Universitätsbibliothek Leipzig. Gesucht werden Fachkräfte für ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt zur Erschließung der älteren Registratur der Bibliothek.
Die Stellen sind in Vollzeit ausgeschrieben, eine Beschäftigung in Teilzeit ist jedoch möglich. Die Arbeitsverträge sind bis zum 30. September 2029 befristet, der Dienstbeginn ist für den 1. Oktober 2026 vorgesehen. Laut Ausschreibung besteht die Aussicht auf eine Verlängerung des Projekts um weitere drei Jahre. Bewerben können sich Absolventinnen und Absolventen eines Hochschulstudiums der Bibliotheks- oder Informationswissenschaft (Bachelor oder Diplom).
Erwartet werden sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift auf mindestens C1-Niveau sowie eine sichere Kommunikationsfähigkeit. Von Vorteil sind Grundkenntnisse der Paläographie der Neuzeit, Erfahrungen bei der datenbankgestützten Erschließung historischen Schriftguts sowie das Interesse an historischen Beständen und wissenschaftlicher Dokumentation.
Die künftigen Beschäftigten übernehmen unter anderem die Katalogisierung der Altregistratur der Universitätsbibliothek, erfassen Bestände im Verbundkatalog Kalliope und erstellen wissenschaftlich fundierte Beschreibungen historischer Archiv- und Bibliotheksmaterialien. Bewerbungen können noch heute online über die entsprechende Plattform eingereicht werden.

Künstliche Intelligenz: Ausweg oder Albtraum
Segen oder Fluch, Rettungshilfe oder beschleunigter Untergang? KI beschäftigt zunehmend auch die menschliche Intelligenz – bereitet Kopfzerbrechen und wirft Fragen auf. Heute startet in der „Meuterei“ (Zollschuppenstraße 1) eine vierteilige Veranstaltungsreihe, die sich aus gesellschafts- und kapitalismuskritischer Perspektive mit Künstlicher Intelligenz befasst.
Zum Auftakt steht von 19 bis 22 Uhr die Diskussionsveranstaltung „Surplus ex machina. KI und die Krise des Akkumulationsregimes“ auf dem Programm. Die Runde geht der Frage nach, welche Bedeutung Künstliche Intelligenz angesichts aktueller ökonomischer Krisen gewinnt. Ausgehend von gravierenden globalen Entwicklungen wie der Klimakrise, geopolitischen Konflikten und wirtschaftlichen Umbrüchen soll diskutiert werden, ob Künstliche Intelligenz als technologischer Ausweg gilt und welche Auswirkungen ihr Einsatz auf Produktivität, Arbeitswelt, Machtverhältnisse und kapitalistische Verwertung hat.
Im weiteren Verlauf der Reihe folgen am 28. Juli die Veranstaltung „Marx und die Maschine“, am 11. August „Künstliche Intelligenz und Werttheorie“ sowie am 25. August „Der ‚technologische Schleier‘. Anmerkungen zu einem Sprachbild bei Adorno“.
Die „Meuterei“ in Leipzig versteht sich als selbstorganisiertes Wohnprojekt, das gemeinschaftliches und solidarisches Zusammenleben fördert. Nach eigenen Angaben leben dort rund 20 Menschen im Alter zwischen 6 und 40 Jahren in zwei Häusern im Stadtteil Plagwitz. Trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe verbinde die Bewohnerinnen und Bewohner das Ziel, gemeinschaftliches Wohnen zu gestalten und die Vorstellung einer befreiten Gesellschaft praktisch umzusetzen.
Die Gebäude wurden den Angaben zufolge mit umweltfreundlichen Baumaterialien umfassend und nachhaltig saniert. Zum Projekt gehören auch Werkstätten für Holz, Metall und Fahrräder sowie ein großer Garten. Die Räume im Erdgeschoss stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung und werden nach Angaben des Wohnprojekts von Menschen aus dem Stadtteil für unterschiedliche selbstorganisierte Angebote genutzt.
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