Sie verbindet den Stadtteil Anger-Crottendorf mit Reudnitz. Und sie hat vom Mobilitäts- und Tiefbauamt eine schlechte Zensur bekommen: die Riebeckbrücke (inclusive Riebeckstraße auf dem der Brücke folgenden Damm) im Leipziger Osten. Mit der Bauzustandsnote: 3,4 („nicht ausreichender Zustand“) gehört sie zu den Sorgenkindern des Leipziger Straßenverkehrs.

Weniger Druck, mehr Zeit

Nun soll mit einer Verringerung der Belastung Zeit bis zum Entstehen eines Ersatzneubaus gewonnen werden. Dessen Baustart ist derzeit für das Jahr 2029 vorgesehen. Erreicht werden kann die geringere Last durch die Einrichtung von Radwegen. Dafür will die Stadt je Fahrtrichtung eine der bislang zwei Fahrspuren für den Kfz-Verkehr aufgeben. Die Kosten für Markierung und Beschilderung belaufen sich nach offiziellen Angaben auf rund 18.500 Euro.

Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, erklärt zu Wochenbeginn: „Dadurch wird die Riebeckbrücke vom Verkehr entlastet, was für ihre weitere Nutzbarkeit bis zum geplanten Neubau nötig ist. Zudem schließen wir einen ersten Teil einer Lücke im Radverkehrsnetz und sorgen so für eine sicherere Führung der Radfahrerinnen und Radfahrer.“  Umweltgruppen und Fahrradverbände fordern schon lange durchgehende Fahrradspuren auf der gesamten Länge der Riebeckstraße.

Wurde 1915 gebaut und ist marode: die Riebeckbrücke. Foto: Benjamin Weinkauf

Erhitzte Gemüter im Schatten des Alters

Die angekündigte Verschlankung der Autospuren hat in den sozialen Medien kontroverse Diskussionen ausgelöst. Kritiker der Maßnahme unterstellen der Stadtverwaltung Fahrrad-Lobbyismus, etwas sanftere Stimmen fürchten mehr Stau, weil Autos sich den Platz nun mit der Straßenbahn teilen müssen. Die Radweggegner lassen weitestgehend außer Acht, dass es jetzt schon ein Wagnis darstellt, neben den parallel fahrenden PKW und LKW in die Pedale zu treten.

Die neuen Radfahrstreifen auf der während des 1. Weltkrieges vor 111 Jahren errichteten Brücke werden jeweils 1,85 Meter breit sein (siehe Visualisierung/LZ-Montage). In südlicher Fahrtrichtung beginnen sie etwa 80 Meter hinter der Kreuzung mit der Eilenburger Straße und enden in nördlicher Richtung rund 60 Meter vor der Kreuzung mit dem Täubchenweg beziehungsweise der Zweinaundorfer Straße.

Wegen einer laufenden Baumaßnahme in der Riedelstraße kann der stadteinwärts führende Radfahrstreifen zunächst erst hinter der Brücke markiert werden. Der noch fehlende Abschnitt zwischen Eilenburger Straße und diesem Anschluss soll nach Abschluss der Bauarbeiten ergänzt werden.

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Es gibt 12 Kommentare

Womöglich kommt mit OBM Kandidat Weickert die Tunnellösung im Wahlkampf.
Ab 1,6 ‰ ist bei CDU / AfD einiges möglich.

@Rudi: Es fällt mir schwer mir vorzustellen, wie das technisch möglich sein soll. Allein die notwendigen Abböschungen zu den Häusern in der Riebeckstraße und der Eilenburger Straße würden einen Großteil des (dann eben nicht mehr so) tiefergelegten Straßenraums einnehmen. Haben Sie sich die Topographie überhaupt mal vor Ort angesehen? Selbst wenn Sie es schaffen würden, einen Teil durch Stützmauern zu ersetzen, dann hätte das nichts mehr mit einem Boulevard zu tun und die Kosten für diese Eingriffe sind sicherlich insgesamt höher als für einen Ersatzneubau.

@Rudi,

da wird eine 1-2m hohe Stützmauer aber garantiert nicht reichen, wenn Sie die ebenerdige Querung so realisieren wollen. Die müsste mindestens doppelt so hoch sein, wenn Sie das “Normal-Null” der Tiefen Straße bzw. den Beginn der Rampe als Referenz nehmen.

Man müsste beim Schleifen der schiefen Ebene sämtliche Bäume dort eliminieren.
Der Straßenlärm könnte sich verstärken, weil die Straße wieder tiefer in die Straßenschlucht “abtaucht”.
Aber mit am bedenklichsten fände ich, dass die stark genutzte Fuß- und Radwegverbindung damit völlig zerstört würde. Wer dort unterwegs ist, weiß, wie viele Menschen diese Verbindung nutzen.
Eine Ampelüberquerung könnte das nicht ansatzweise kompensieren.
(Ein schönes Beispiel sind auch die Schikane-Ampeln an der Prager Straße, die mehrere Ampelphasen auslassen, trotz Querungswunsch.)

Zunächst dachte ich auch kurz daran, was wäre, wenn man die Rampe und Brücke schleifen würde.
Aber die Idee verwarf ich dann recht schnell.
Man würde dadurch sehr viele Nachteile generieren.
Übrigens reicht eine Brücke, nicht 2.
Und so schlimm ist die Rampe nicht, wenn man diese baulich etwas aufwertet im Rahmen einer Sanierung.

Der Zustand der Kreuzung Breite Straße / Täubchenweg/ Zweinaundorfer ist eine Katastrophe, eigentlich Skandal. Wenn man dort auf dem zerklüfteten und zerfallenen Asphalt mit dem Rad fährt, muss man höllisch aufpassen. Selbst mit dem Pkw knallt es durch die Stoßdämpfer.

@specto84
Da muss ich klar und deutlich widersprechen.
Zunächst: Die Bebauung Juliushaus, Salomonhaus und Julianhaus sind nicht auf die Brücken angewiesen. Diese Häuser stehen auf der Seite mit der ehemaligen Tankstelle.
Auf der Seite “Riedelstraße” könnte man auch eine 1 – 2m hohe Stützmauer errichten, sodass auch weiterhin Hof und Haus erreichbar sind.
Tatsächlich hätte ich auch erwartet, dass man hier städtebaulich eine gänzlich andere Lösung anstrebt und nicht 2 Brücken neu baut.
Weil im Moment auch die Tankstelle abgerissen ist und dort noch nichts neues steht, könnte man die Riebeckstraße an der Stelle notfalls auch um eins, zwei, drei Meter verschwenken. Im Bestand ist die Straße 21m breit. 2 Fahrspuren (6,50m) Radfahrstreifen (4m), Gehweg (6m) benötigen 16,50m. Verbleiben also 4,50m, die man bei leichter Verschwenkung zu einer 5m breiten Fläche zur Anbindung an die Riedelstraße machen könnte (ähnlich Lützner Straße/Dürrenberger Straße) Auch hier könnte man im Zweifelsfall die Wegeführung so wählen wie in Lindenau. Dann würde der Radfahrstreifen und Gehweg erst nördlich der Riedelstraße beginnen.
Größter Nachteil wäre, dass der Bahnradweg gekillt wäre. Städtebaulich wäre es dennoch deutlich besser, die Rampen zu schleifen und einen Boulevard zwischen Reudnitz und D’Anger zu errichten.

@Urs: Bitte gerne.
Die eigentliche Brücke sieht man übrigens sogar im Artikelbild, nämlich genau der Abschnitt zwischen dem letzten Radfahrer rechts und dem Haus dahinter. Unabhängig davon ist die Riebeckstraße auf gesamter Länge, samt Schienen und Knoten Zweinaundorfer Straße und Oststraße, ebenfalls marode und dringend sanierungsbedürftig. Daran ändern auch die kosmetischen Arbeiten im Gleisbereich Breite Straße und Oststraße im letzten Jahr nichts.

@fra: Die Eilenburger Straße zwischen Riebeck- und Albert-Schweitzer-Straße sowie die Riebeckstraße zwischen Eilenburger Straße und Oststraße sind NICHT auf Höhe des Lene-Voigt-Parks, sondern auch schon erhöht. Schauen Sie sich mal die Babauung der Riebeckstraße nördlich der Oststraße an, dann sehen Sie, warum die Riebeckstraße auch dort nicht tiefergelegt werden kann. Ein Damm mit Durchführung der Reichpietschstraße und des Radwegs? Nun, ersteres gibt es ja schon. Ob das dann preiswerter wäre als der Neubau der Brückenlager und Einsetzen einer neuen Brücke (welche ziemlich kurz ist), wage ich zu bezweifeln.

Riedelstraße gebe ich Ihnen Recht, Eilenburger ist auf Höhe Lene-Voigt-Park.
Man könnte die Riebeckstraße in diesem Bereich auch als Damm ausführen und für den Parkbogen zwei Durchführungen bauen und für die Tiefe Straße vielleicht auch.

@Urs und fra: Weil die Bebauung nördlich der Oststraße bis an den Brückenkopf reicht (Einmündung Eilenburger Straße und Riedelstraße). Sie haben also die Wahl:
A) eine neue Brücke zu bauen,
B) gar keine Brücke zu haben und damit auch keine Straßenbahn mehr,
C) drei komplette Wohnblöcke wegzureißen, um die Straße tieferzulegen und damit auch den Parkbogen zu zerschneiden.
Ich denke mal, jeder vernünftig denkende Mensch entscheidet sich für A… 🙂

Eins noch, nicht nur die Straßenbahn, sondern die Buslinie 70 fährt da auch drüber.

“etwas sanftere Stimmen fürchten mehr Stau, weil Autos sich den Platz nun mit der Straßenbahn teilen müssen”
Das muss man nicht befürchten, der ÖPNV wird auch hier den kürzeren ziehen. Denn die Autos werden nur marginal weniger werden (ja es gibt PKW die nicht aus Langeweile dort lang fahren).
Eigentlich erschließt es sich mir auch nicht, warum dort noch eine Brücke gebraucht wird. Den Millionenbetrag könnte man vielleicht in die Schulen stecken. Aber wie man schon an den Georg-Schwarz-Brücken sieht ist bei Brücken die Stadt immer mit vorne dabei.

Mal provokant gefragt: Wieso soll es weiter eine Brücke samt Rampen geben, deren Sinn einstmals die Schienenzufahrt zum Eilenburger Bahnhof war, an den sich – in dessen eigentlicher Form – niemand mehr erinnert?

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