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Nach der baubedingten Einstellung von S-Bahn-Linien weicht das Verständnis der Menschen zunehmendem Zorn. Bringen die Ferien Entlastung im ÖPNV? Für Schulkinder beginnen die heute mit einem günstigen Eintritt in die Freibäder. Im Rosental startet das beliebte Festival „Klassik airleben“, das Gewandhausorchster spielt bei freiem Eintritt. Die Stadtreinigung lädt zum Geburtstagsfest ihres Projektes „Wiederschön“.
ÖPNV-Chaos durch Tram-Lockdown und S-Bahn-Sperrung
Nach dem Schock über die Einstellung des Straßenbahnbetriebs war in der gesamten Stadt viel Verständnis zu erleben. Man richtete sich ein, so gut eben möglich, wechselte zum Fahrrad oder ins Auto, es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, andere Routen gewählt, die mit S-Bahn oder Bus funktionierten. Den Einsatzkräften, die der fiesen Bitumen-Bestie zu Leibe rückten, wurde Respekt gezollt, Passanten riefen ihnen ein „Dankeschön“ über die Straße, Freiwillige meldeten sich, um die Reinigungsaktionen zu unterstützen.
Ursache des Ganzen war eine bitumenhaltige Fugenmasse, die am vergangenen Wochenende der Extremhitze wegen entlang der rund 150 Kilometer Gleise aufgequollen war. Dadurch verklebten Schienen, Weichen und die Fahrwerke der Straßenbahnen. Ein sicherer Betrieb konnte nicht mehr gewährleistet werden (LZ berichtete).
Glücklich ist mit der Situation ohnehin niemand. Doch seit dem 1. Juli wachsen Wut und Verzweiflung. Der Grund dafür ist nicht einmal die Straßenbahn selbst. Die ohnehin schon durch den Tram-Lockdown stark ausgelasteten S-Bahnen S3 und S30 haben den Betrieb eingestellt.
In einer Mitteilung heißt es: „Die Deutsche Bahn (DB) erneuert ab Juli 2026 die Eisenbahnbrücken Pittlerstraße und Linkelstraße in Leipzig-Wahren. Die über 100 Jahre alten Brücken erreichen das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer und werden durch Neubauten ersetzt. Für den Abriss der alten Bauwerke und den Einbau der neuen Brücken muss die S-Bahn-Linie S3/S30 zwischen Leipzig-Slevogtstraße und Schkeuditz von Donnerstag, 2. Juli, bis Samstag, 10. Oktober 2026, gesperrt werden. DB Regio und die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben ein umfassendes Konzept für den Schienenersatzverkehr (SEV) entwickelt, um Fahrgäste trotz der Einschränkungen zuverlässig ans Ziel zu bringen.“
Aber so zuverlässig, wie in dem Statement behauptet, scheint die Sache nicht zu funktionieren. In den Kommentarspalten der sozialen Medien türmen sich Berichte von völlig überfüllten Fahrzeugen, Menschen, die Panik bekommen, Fahrgästen, die sich zusammengezwängt werden wie Ölsardinen. Die S5, derzeit die einzige Verbindung Richtung Halle, fährt zu selten. Ein Facebook-Nutzer schreibt: „Der Wille, in der Bahn aufzurücken, in Abteile, in denen die Türen nicht funktionieren, ist verständlicherweise klein…“. Ein Leipziger aus dem Stadtteil Gohlis über seine Erfahrung: „Jetzt ist die Kacke am Dampfen. Nach dem Wegfall der S3 fährt nur noch die völlig überfüllte S1 durch Gohlis. Die LVB haben hier keine einzige Tram in Gang gekriegt.“
Das Bild, das sich zeichnet, sieht nicht nach einer funktionierenden Abstimmung zwischen Deutscher Bahn und Verkehrsbetrieben aus. Möglicherweise bringen die beginnenden Ferien Linderung und Entlastung mit sich. Der verlässlichere Weg wäre ein funktionierendes Management der betroffenen Unternehmen untereinander. In den raren öffentlichen Mitteilungen mag davon die Rede sein, in der bitteren Realität der auf den ÖPNV angewiesenen Bürgerinnen und Bürger ist davon jedoch offenbar nichts zu spüren.
Die nüchterne Bilanz: Nach sechs Tagen harten Schuftens, Gleise und Triebwerke mussten dafür aufwendig gereinigt werden, sind nur neun einzelne Abschnitte des Gleisnetzes der LVB wieder in Betrieb. Belastungen durch den Wegfall von S-Bahn-Verbindungen verschlechtern die Verbindungen für Fahrgäste zusätzlich. Und von einem Signal an die Bevölkerung, nach dem wann auch immer überstandenen Chaos eine Gratis-Woche zu spendieren oder gar auf die nächste Preiserhöhung zu verzichten, ist nichts zu hören.
Weitere Inbetriebnahmen von Fahrstrecken veröffentlichen die Leipziger Verkehrsbetriebe aktuell auf ihrer Website und auf der Handy-App LeipzigMOVE.
´ne Eins für alle Schulkinder
Au Backe! Da stehen ja Noten auf dem Zeugnis, die man so eigentlich nicht haben will. Egal – heute ist der letzte Schultag, und dann fangen die Sommerferien an. Kraft tanken, nachdenken, neu starten. Dann sieht’s nächstes Jahr gleich besser aus.
Und weil Ferien und Energie für alle Schülerinnen und Schüler wichtig sind, gibt’s heute für alle Schulkinder eine Eins von den Leipziger Freibädern. Schnell die Zeugnisse nach Hause bringen und dann direkt ins Freibad – für nur EINEN EURO. Bis zur letzten Minute. Die Aktion steht unter dem Motto „Egal, wie dein Zeugnis aussieht – bei uns bist du die Nummer 1!“.
Sportbäderchef Martin Gräfe sagt dazu: „Der letzte Schultag ist etwas Besonderes und bei uns beginnen die Sommerferien mit einem Sprung ins kühle Nass oder einem tollen Tag auf unseren Anlagen. Mit unserer Zeugnisaktion möchten wir allen Schülern einen unbeschwerten Ferienstart ermöglichen.“ Nach Angaben der Leipziger Sportbäder gilt das Angebot heute während der regulären Öffnungszeiten im Schreberbad, im Sommerbad Kleinzschocher, im Sommerbad Schönefeld, im Sommerbad Südost, im Ökobad Lindenthal sowie im Kinderfreibecken Robbe. Schüler sollten auf Nachfrage einen gültigen Schülerausweis vorzeigen, für Erwachsene gelten die regulären Eintrittspreise.

Rosental wird zum Gewandhaus-Woodstock
Freunde der Mischung aus Hochkultur und kurzweiliger Entspannung können sich auf heute Abend freuen. Um 20:30 beginnt im Rosental wieder das Festival „Klassik airleben“. Das Gewandhausorchester eröffnet um 20:30 Uhr auf der Open-Air-Bühne den ersten von zwei Konzertabenden, den zweiten gibt’s am Folgetag, ebenfalls halb Neun. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei, Eintrittskarten werden nicht benötigt.
Das traditionsreiche Open-Air findet seit 2009 statt und bildet den Abschluss der Konzertsaison des Gewandhausorchesters. Zugleich gilt es als Leipzigs größtes Klassik-Open-Air und zählt zu den publikumsstärksten Kulturveranstaltungen des Sommers.
Unter dem Motto „From Britain with Love“ erklingen in diesem Jahr unter anderem Werke von Georg Friedrich Händel, Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams, Felix Mendelssohn Bartholdy, Benjamin Britten, Frederick Delius, Carl Maria von Weber und Gustav Holst.
Nach einer kurzfristigen Änderung übernimmt Vasily Petrenko die musikalische Leitung, durch das Programm führt Malte Arkona. Mit dem kostenfreien Angebot möchte das Gewandhaus klassische Musik möglichst vielen Menschen unabhängig von Alter oder Einkommen zugänglich machen.
Am Samstag beginnt bereits ab 16 Uhr zudem ein kostenloser Familiennachmittag im IMPULS-Familienbereich mit Instrumenten zum Ausprobieren, Workshops und kurzen Konzerten. Wegen des erfahrungsgemäß großen Besucherandrangs empfiehlt der Veranstalter eine frühzeitige Anreise. Viele Gäste bringen Picknickdecken oder Klappstühle mit und nehmen ihre Plätze auf der Wiese bereits deutlich vor Konzertbeginn ein.

Der geht doch noch
Da steht er, der Lüfter. Er hat den Geist aufgegeben. Aber eigentlich muss nur ein Gewinde oder eine Feder erneuert werden. Mit diesem und ähnlichen Problemen befassen sich die Experten im „Wiederschön“. Jetzt feiert der gleichnamige Konzeptladen in den Höfen am Brühl seinen zweiten Geburtstag. Aus diesem Anlass lädt die Stadtreinigung Leipzig heute von 12 bis 18 Uhr zu einem Aktionsprogramm mit Live-Upcycling-Workshops, einem Repair-Café für Elektrogeräte, Schallplatten-Bingo, Musik, einem Glücksrad sowie Begegnungen mit den im Laden vertretenen Kreativen ein.
Zudem erhalten Besucherinnen und Besucher 20 Prozent Rabatt auf die Produkte der Mieterinnen und Mieter. Der Konzeptladen wurde im Mai 2024 eröffnet und ist Teil der Leipziger Zero-Waste-Strategie „Mein Leipzig schon‘ ich mir“. Auf rund 550 Quadratmetern präsentieren Unternehmen, Initiativen und die Stadtreinigung Leipzig Angebote rund um Wiederverwendung, Reparatur und nachhaltigen Konsum.
Das Konzept orientiert sich an den Leitgedanken „Reduce“, „Repair“ & „Rethink“ und wird durch eine Verkaufsfläche ergänzt, auf der die Stadtreinigung gerettete und wiederverwendbare Gegenstände aus den Wertstoffhöfen anbietet. Nach Angaben der Stadt hat sich das Projekt in den vergangenen zwei Jahren etabliert.
Täglich besuchen demnach zwischen 200 und 500 Menschen den Laden. Regelmäßige Upcycling- und Reparaturworkshops stoßen auf große Nachfrage. Inzwischen sind dort zehn feste externe Mieter sowie zwölf Pop-up-Anbieter vertreten. Die Stadtreinigung sieht in dem Projekt ein Modell für die kommunale Kreislaufwirtschaft und zugleich ein Beispiel für den Wandel vom klassischen Entsorgungsbetrieb zum Ressourcenmanager.
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