Diese Rekordhitze ist selbst für die streikerprobte Leipziger Straßenbahn zu viel. Die „Bimmel“, wie die Tram ihrer einstigen Abfahrtssignale wegen liebevoll genannt wird, muss auch am Montag in den Depots bleiben. Nach aktueller Auskunft der LVB ist der geplante Start am Montag um 3:30 nicht zu schaffen.

Seit Samstag war das Bahnfahren nur noch ein Fiebertraum, aber keine Wirklichkeit mehr. Nach Angaben der LVB führte die außergewöhnliche Hitze dazu, dass die sogenannte Fugengussmasse weich wurde. Dabei handelt es sich um ein bitumenhaltiges Dichtmaterial zwischen Asphalt und Schiene, das Eindringen von Schmutz verhindert. Unter extremer Wärme und der zusätzlichen Belastung durch den Fahrbetrieb kann dieses Material seine Festigkeit verlieren, weich und klebrig werden und sich verlagern. In Leipzig gelangte die aufgeweichte Masse an vielen Stellen in Schienen und Weichen, wo sie verklumpte. Und die Wagen, die in diese fest haftende Substanz hineinfuhren, wurden neben den Gleisanlagen selbst zum Problemfall. Weil durch diese Verklebungen ein sicherer Betrieb der Bahn nicht mehr gewährleistet werden konnte, drückten die Leipziger Verkehrsbetriebe den Nothalteknopf – alle Straßenbahnräder standen still.

Was dann begann, kann gut und gerne als Leipziger Heldengeschichte eingestuft werden. Auch wenn sie nicht zum erhofften Ziel führte, ab Montag früh wieder regulär fahren zu können. Alle zur Verfügung stehenden, darunter unzählige außerplanmäßig eingesetzte Kräfte, prüften das gesamte Gleisbett nach Schäden, reinigen seit dem und reparieren. All das in praller Sonne und so schnell es eben geht. Auf den Straßen stehen sie stahlhart in der Glut des Wochenendes auf den Gleisen. Nachts wird durchgearbeitet. In den Depots befreien sie Wagen um Wagen, Zentimeter um Zentimeter vom teuflischen Kleber im Fahrwerk.

Leipzig sagt trotz der anhaltenden Beeinträchtigung DANKE für diesen Kraftakt. Katja Gläß, diensthabende Sprecherin der Leipziger Gruppe (zu der die LVB gehören), zeigt sich im Gespräch mit LZ glücklich über die Würdigung, die ihre Helden im Einsatz in den sozialen Medien erfahren: „Soviel Zuspruch und Respekt ist ja auf diesen Kanälen kaum noch üblich.“ So schreibt zum Beispiel ein Nutzer auf Facebook: „Ein Lob geht raus an die Männer und Frauen, die jetzt dafür sorgen, dass die Bahnen wieder rollen und die Gleise wieder instandgesetzt sind. Ein Hoch auf das Handwerk!“ Eine Leipziger Seniorin notiert: „Mein besonderer DANK geht deshalb an jene, die versuchen, den Schaden bei den Temperaturen bestmöglich zu beheben.“

Statt eines generellen Shut-Downs soll es schrittweise Freigaben geben, was auch in deren Vorbereitung eine logistische Herausforderung ist. Welche Abschnitte wann freigegeben werden können, teilen die Verkehrsbetriebe im Verlauf des Montags mit. LZ bleibt dran! Über mögliche Verbindungen informiert auch die Website der LVB oder die Handy-App LeipzigMove.

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