Die zahlreichen Pressevertreter kamen umsonst: Der Prozess gegen die Sängerin und Schauspielerin Melanie Müller am Amtsgericht Leipzig ist am Dienstagmorgen wegen einer Krankmeldung Müllers kurzfristig abgesagt worden. Ein neuer Termin zur Verhandlung stand zunächst noch nicht fest. Der aus Sachsen stammenden Melanie Müller wirft die Staatsanwaltschaft Urkundenfälschung vor.

Für 09:00 Uhr war der Prozess gegen Melanie Müller am Dienstag im Amtsgericht Leipzig terminiert worden – nun jedoch die kurzfristige Absage: Wie Gerichtssprecher Alexander Länge auf Anfrage der LZ mitteilte, habe sich die Beschuldigte krankgemeldet. Ein neuer Termin soll noch festgelegt werden. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung für Melanie Müller.

Der Saal im Leipziger Amtsgericht blieb am Dienstag leer: Der Prozess gegen Melanie Müller wurde kurzfristig abgesagt. © Lucas Böhme
Der Saal im Leipziger Amtsgericht blieb am Dienstag leer: Der Prozess gegen Melanie Müller wurde kurzfristig abgesagt. © Lucas Böhme

Mutmaßlich gefälschter Behindertenausweis

Der Tatvorwurf der mutmaßlichen Urkundenfälschung gegen die 38-Jährige betrifft einen Vorfall von vor zwei Jahren: Laut Staatsanwaltschaft soll Melanie Müller am 15. August 2024 einen SUV vor dem Amtsgericht in Leipzig auf einem ausgewiesenen Parkplatz für schwerbehinderte Menschen abgestellt haben, um im Gerichtsgebäude einem privaten Termin nachzukommen.

Hinter der Frontscheibe des Fahrzeugs soll ein Behindertenausweis deponiert gewesen sein, bei dem die Anklagebehörde von einer Fälschung ausgeht. Das Dokument sei auf den Kreis Recklinghausen ausgestellt gewesen, der Anzeige erstattet hatte. Im Dezember 2024 kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Müller. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden hier Beweismittel im Zuge der Ermittlungen zum Park-Vorfall gesucht.

Letzte Verurteilung Anfang des Jahres

Melanie Müller hatte gegen einen erlassenen Strafbefehl, der eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen bedeutete, nach Medienberichten Einspruch eingelegt. Damit wurde eine öffentliche Hauptverhandlung vor Gericht terminiert.

Zuletzt war die zweifache Mutter Anfang dieses Jahres am Landgericht in einem Berufungsprozess wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen in Tatmehrheit mit Drogenbesitz für schuldig befunden worden. Laut Hauptvorwurf soll sie bei einem Auftritt zum Oktoberfest der „Rowdys Eastside“ in Leipzig in der Nacht zum 18. September 2022 mehrfach den sogenannten Hitlergruß gezeigt haben.

Müller hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und sich mehrfach ausdrücklich von rechtsextremem Gedankengut distanziert. Das Gericht ging davon aus, dass sie kein derartiges Weltbild vertrete, sich aber in einem Augenblicksversagen zum Heben des rechten Arms in der aufgeheizten Konzertstimmung habe hinreißen lassen. Wie die Geste aufgefasst werden kann, habe sie billigend in Kauf genommen. Ihre Verteidigung bestritt dies und forderte Freispruch.

Gewinnerin des „Dschungelcamps“ 2014

Im März gab Melanie Müller öffentlich bekannt, dass sie sich weiterhin als unschuldig betrachte, aber die 3.500 Euro Geldstrafe rechtlich nicht mehr weiter anfechten wolle.

Die 38-Jährige wurde in Oschatz geboren und wuchs überwiegend in Grimma auf. 2014 hatte sie die achte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (umgangssprachlich: „Dschungelcamp“) für sich entschieden. Sie stand in einer Vielzahl ähnlich gelagerter TV-Formate vor der Kamera und trat als Schlagersängerin unter anderem auf Mallorca auf.

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