Ein dreifacher Vater soll in der Neujahrsnacht in einem Leipziger Innenstadthotel gezündelt und sieben Menschen in Todesgefahr gebracht haben. Doch am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht räumte der 42 Jahre alte Thomas B. zwar eine Reihe anderer Straftaten ein – gerade beim Hauptvorwurf eines siebenfachen Mordversuchs schob er am Montag aber den Verdacht in Richtung seines Mitangeklagten.
Er ist Vater dreier Kinder, hat nach eigenen Angaben ein Drogenproblem seit seinem 13. Lebensjahr und soll in der Nacht zum 1. Januar 2026 in einem Hotel in der Leipziger Nikolaistraße Feuer gelegt haben, das sieben Menschen in Todesgefahr versetzte. Zum zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Leipzig wies der Hauptangeklagte Thomas B. diesen schwerwiegendsten von elf Anklagevorwürfen von sich: Er habe keinen siebenfachen Mordversuch begangen.
Sein Mitangeklagter Tobias N. (26), den die Staatsanwaltschaft als passiven Zuschauer einstuft, habe den Wunsch zum Zündeln und Zerstören bekundet, ließ Thomas B. über seine Verteidigerin erklären.
Laut Staatsanwaltschaft wollte er die Flucht vor dem Feuer unmöglich machen
Es war am Morgen des Neujahrstages 2026 gegen 01:00 Uhr, als der Rauchmelder in der innerstädtischen Unterkunft anschlug. Nur diesem Umstand und dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr sei es zu verdanken gewesen, dass sieben Hotelgäste, die in unmittelbarer Gefahr schwebten, gerettet werden konnten, so die Anklage. Laut Staatsanwalt Moritz Diekmann sollen Thomas B. (42) und Tobias N. (26) gemeinsam mit zwei weiteren Personen in der fraglichen Nacht durch einen Hintereingang in das Hotel eingedrungen sein.
Anschließend habe Thomas B. auf zwei Etagen Feuerlöscher an sich genommen, Feuerschutztüren blockiert und Wäschewagen gezielt platziert, um den potenziellen Fluchtweg abzuriegeln.
Dann soll der 42-Jährige Wände und Türen mit Filzstift beschmiert und schlussendlich Wäscheteile in Brand gesetzt haben, was zu einer erheblichen Rauchgasentwicklung führte: Ihm sei es darauf angekommen, Menschen dieser Gefahr auszusetzen und ihr Entkommen zu verunmöglichen, so der Staatsanwalt. Dass es am Ende glimpflich ausging, war offenbar pures Glück. Der Sachschaden soll nach vorläufigem Stand bei 43.842 Euro liegen.
Hauptangeklagter weist seine Täterschaft zurück
Eine Verantwortung dafür wies Thomas B. am Montag von sich: Er hielt sich, so seine Aussage, in der Silvesternacht erst am Hauptbahnhof auf und sei und hernach in die City gelaufen, um das Feuerwerk zu bestaunen. Am Hotel in der Nikolaistraße sei es Tobias N. gewesen, der plötzlich die Lust geäußert habe, Feuer zu legen. Er habe nichts weiter getan, beteuerte der ältere der beiden Männer – und stellte mit seiner Version die Rollenverteilung, von der die Staatsanwaltschaft bisher ausgeht, auf den Kopf.
Denn laut den Ermittlern soll Tobias N. lediglich Schmiere gestanden und zugeschaut haben, weswegen er auch nur wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt ist. Der Obdachlose hatte beim ersten Prozesstermin noch gefehlt und wurde mittlerweile ausfindig gemacht. Dazu, dass Thomas B. nun ihm die Schuld in die Schuhe schob, äußerte er sich am Montag nicht. Nach Angaben seiner Anwältin Giulia Borsalino wolle ihr Mandant zu einem späteren Zeitpunkt eventuell noch aussagen.
Drohanruf aus dem Knast gegen Mordzeugen
Neben einem siebenfachen Mordversuch und schwerer Brandstiftung legt die Anklage Thomas B. unter anderem auch vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Bedrohung zur Last. So soll der Mann, der nach eigener Aussage auf dem Bau tätig war und täglich Cannabis konsumierte, zwischen Mitte November 2025 und Anfang Februar 2026 Personen attackiert und misshandelt, das Handy einer Frau beschädigt, eine andere durch Nachrichten beleidigt und kleinere Brandstiftungsdelikte begangen haben.
Einen Teil dieser Delikte räumte Thomas B. ein. Darunter fällt auch eine Bedrohung in einem brisanten Mordprozess: Aus der U-Haft rief Thomas B. laut Anklage Ende März 2026 einen Mann an und versetzte den ohnehin Traumatisierten mit der Drohung, besser nicht zu öffnen, wenn es zweimal klingele, in Todesangst. Bei dem Betroffenen handelte es sich um den Hauptbelastungs- und Augenzeugen im Prozess gegen den Leipziger Nick W., der inzwischen wegen Mordes an seiner Ex-Partnerin verurteilt ist. Thomas B. bekräftigte, der Anruf sei nur als Spaß gemeint gewesen.
Hotelgast beschreibt psychische Belastung
Ganz und gar nicht spaßig war das Branderlebnis für die Gäste und Angestellten des Hotels, von denen die ersten am Montag als Zeugen angehört wurden. Sie beschrieben den Schrecken, der ihnen in die Glieder fuhr.
Ein 59-jähriger Hotelgast, der mit den anderen auf die Nikolaistraße evakuiert und ärztlich behandelt wurde, hatte psychisch noch lange unter der Information zu leiden, wonach das Feuer auf einen gezielten Anschlag zurückzuführen sein soll: „Das wünsche ich niemandem“, kommentierte der Mann gegenüber dem Gericht.
Die 1. Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Johann Jagenlauf hat noch eine Vielzahl an Prozessterminen bis Ende Oktober geplant.
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