Ursprünglich sollte sie 80.000 Euro berappen, in zweiter Instanz kam sie vor Gericht wesentlich günstiger weg – als schuldig galt sie aber weiterhin: Weil Melanie Müller 2022 den „Hitlergruß“ auf einer Konzertbühne gezeigt haben soll, wurde die Sängerin und Schauspielerin zuletzt im Januar zu einer Geldstrafe verurteilt. Nun gab die 37-Jährige bekannt, auf weitere Rechtsmittel doch zu verzichten.

Dies machte sie in einem öffentlichen Eintrag auf Instagram publik: Sie habe sich intensiv damit auseinandergesetzt, ob sie das für sie „nicht nachvollziehbare Urteil“ weiter auf dem Rechtsweg angreifen solle, schreibt Melanie Müller darin.

„Nach sehr reiflicher Überlegung“ habe sie sich dagegen entschieden. Als ausschlaggebenden Grund gibt sie den Druck an, der auf ihrer Familie und den Kindern gelastet habe, so die zweifache Mutter: „Manchmal bedeutet Verantwortung nicht, den Kampf zu Ende zu führen – sondern seine Familie zu schützen“, so das Fazit Müllers auf Instagram.

Vorwurf: „Hitlergruß“ auf der Bühne

Wie berichtet, war die gebürtige Sächsin am 12. Januar 2026 des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen in Tatmehrheit mit Drogenbesitz durch das Leipziger Landgericht für schuldig befunden worden. Das Strafmaß lautete auf 70 Tagessätze à 50 Euro (3.500 Euro).

Sie soll bei einem Auftritt zum Oktoberfest der „Rowdys Eastside“ in Leipzig in der Nacht zum 18. September 2022 mehrfach den sogenannten Hitlergruß gezeigt sowie Betäubungsmittel besessen haben. Bei einer Razzia in Müllers Leipziger Privathaus hatten Fahnder 2023 ein Kokaingemisch von 0,69 Gramm konfisziert.

Auch zweite Instanz sieht Vorwürfe als erwiesen

In erster Instanz hatte Müller vor dem Leipziger Amtsgericht 2024 sogar noch satte 80.000 Euro Geldstrafe (160 Tagessätze à 500 Euro) kassiert. Das außergewöhnlich hohe Strafmaß begründete der Amtsrichter mit einer Schätzung ihres Lebensstils, den sie öffentlich zur Schau stelle. Genaue Angaben zu ihrem Einkommen hatte Melanie Müller damals im Gerichtssaal nicht machen wollen.

Nachdem sie Berufung eingelegt hatte und der Fall deswegen Ende 2025 am Landgericht landete, hielt sie es anders: Durch das laufende Verfahren habe sie massive Einbußen bei Auftrittsbuchungen, stehe allein beim Finanzamt mit 150.000 Euro in der Kreide. Zuletzt habe sie monatlich etwa 1.500 Euro aufgrund einer Teilzeitstelle zur Verfügung, bekäme Zuwendungen von Partner und Eltern, erklärte die 37-Jährige. Zuletzt wurde die anstehende Zwangsversteigerung ihres Leipziger Hauses bekannt.

Wohl nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Offenbarung ließ das Landgericht die Angeklagte deutlich besser als in erster Instanz wegkommen, sah die Vorwürfe gleichwohl weiterhin als erwiesen: Melanie Müller nahm billigend in Kauf, wie ihre Geste verstanden werden kann, wobei  ihr kein rechtsradikales Weltbild zu unterstellen sei, sagte die Vorsitzende Richterin Karen Aust.

Müller distanziert sich von Extremismus und kritisiert Rechtssystem

Die Angeklagte hatte alle Vorwürfe stets zurückgewiesen: Die Drogen hätten nicht ihr gehört, während sie beim fraglichen Konzert im September 2022 lediglich eine übliche Geste zum Anheizen des Publikums vollführt habe. Sie habe kein rechtsradikales Gebaren in Teilen des Publikums bemerkt und den Konzertauftritt nach einem entsprechenden Hinweis des Tontechnikers sofort abgebrochen, beharrte sie.

Auch in ihrem jetzigen Instagram-Post distanzierte sich Müller wiederholt von extremistischen Ideologien. Ihre Entscheidung, die Revision zurückzuziehen, bedeute keine Anerkennung der strafrechtlichen Vorwürfe, so Müller, die auch eine Vorverurteilung in Teilen der Medien beklagt und aufgrund ihres eigenen Verfahrens Zweifel an der Integrität des Rechtssystems äußert.

Melanie Müller, geboren in Oschatz und großteils aufgewachsen in Grimma, hatte 2014 die achte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (umgangssprachlich: „Dschungelcamp“) für sich entschieden. Sie war auch in einer Vielzahl ähnlich gelagerter TV-Formate zu sehen, zudem trat sie vielfach als Schlagersängerin unter anderem auf Mallorca auf.

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