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Verklebte Gleise, verklebte Fahrwerke – die Reparaturarbeiten nach dem Hitze-Debakel gingen bei den LVB heute mit voller Kraft weiter. Zahlreiche Freiwillige packten mit an – und es gab gleich zwei echte Erfolgsmeldungen. Im „Antifa-Ost-Prozess“ verweigerte Lina E. die Aussage und wurde in Beugehaft genommen. Und: Leipzig will die Koordinierungsstelle Nachtleben weiterhin fördern. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, dem 30. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.

Straßenbahn fährt wieder nach Dölitz

Es geht voran, wenn auch langsam und mühsam. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) konnten heute eine zweite Straßenbahnlinie wieder in Betrieb nehmen. Nachdem bereits seit gestern die Linie 1 zumindest zwischen Lausen und dem Wilhelm-Leuschner-Platz pendelt, konnte ab heute Mittag auch die Linie 11 wieder über die Schiene rattern. Diese verkehrt mit einem dynamischen Sonderfahrplan zwischen dem Straßenbahnhof Dölitz und dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Damit ist neben dem Leipziger Westen nun auch der Süden wieder mit im Spiel.

Eine große Herausforderung ist nach wie vor die Reinigung der Gleise von der alten Fugenmasse, die in der extremen Wochenendhitze erst geschmolzenen war und sich dann auf der Schiene wieder verfestigt hatte. Aus diesem Grund haben die LVB heute Morgen einen Aufruf mit der Bitte um Unterstützung veröffentlicht. „Leipzig hält zusammen. Jetzt brauchen wir euch!“, heißt es darin. „Unsere Kolleginnen und Kollegen geben seit Tagen alles. Zahlreiche Hilfsangebote von euch haben uns erreicht und jetzt zählt jede helfende Hand“.

Und tatsächlich bildete sich am frühen Nachmittag am Treffpunkt Goerdelerring trotz Regens eine lange Schlange von rund 100 Freiwilligen. Diese kamen anschließend in der Pfaffendorfer Straße zum Einsatz, wo sie die Gleise nach Gohlis wieder freigekratzten. Während der Arbeiten war die Straße durch die Polizei gesperrt worden. „Unser liebster Halt: Zusammenhalt“, tickerte die LVB ganz angetan von so viel Unterstützung aus der Bevölkerung, die auch morgen wieder willkommen ist – ab 14 Uhr am Johannisplatz.

Bei einem wichtigen Meilenstein konnten die Straßenbahner heute bereits Vollzug melden: Die durch die ausgetretene Fugenmasse verklebten Fahrwerke der Bahnen sind inzwischen alle wieder gereinigt!

Beugehaft für Lina E.

Im sogenannten „Antifa-Ost-Prozess“ vor dem Oberlandesgericht Dresden ist gegen Lina E. eine sechsmonatige Beugehaft angeordnet worden. Sie war heute als Zeugin vorgeladen, hatte jedoch jegliche Aussage verweigert. Das Gericht sah für diese Aussageverweigerung keine rechtliche Grundlage und sanktionierte die 31-Jährige neben dieser Beugehaft auch mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 750 Euro sowie der Auferlegung der Verfahrenskosten. Wie der MDR berichtet, sei Lina E. auch bereits festgenommen und in eine Haftanstalt gebracht worden. Ihr Anwalt hat Beschwerde gegen die Beugehaft angekündigt und beantragt, deren Vollzug vorläufig auszusetzen.

In dem seit fast fünf Jahren laufenden Gerichtsprozess war Lina E. im Jahr 2023 bereits schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Nach der Verbüßung von zwei Dritteln ihrer Strafe wurde sie im Mai vorzeitig aus der Haft entlassen, wobei die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Für den – jetzt eingetretenen – Fall ihrer möglichen neuerliche Verhaftung aufgrund der Aussageverweigerung, haben linke Gruppen in Leipzig bereits zu einer Protestkundgebung aufgerufen.

Leipzig sendet positive „Botschaft der Nacht“

Die Stadt Leipzig will die Arbeit der Koordinierungsstelle Nachtleben fortsetzen und deren Finanzierung für die Jahre 2027 und 2028 sichern. Das war ein Ergebnis der heutigen Dienstberatung des Oberbürgermeisters. Über die Weiterfinanzierung muss allerdings noch der Stadtrat entscheiden. Grundlage ist eine externe Evaluation der bisherigen Arbeit der „Botschaft der Nacht Leipzig“.

Die Koordinierungsstelle ist Teil der seit 2021 bestehenden „Botschaft der Nacht Leipzig“, die die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Akteurinnen und Akteuren des Nachtlebens sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen organisiert. Nach Angaben der Stadt nimmt Leipzig mit dem Modell bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Die erwähnte externe Bewertung bescheinigt der Struktur einen hohen Nutzen. Demnach trägt die Koordinierungsstelle zur Konfliktprävention bei, stärkt die wirtschaftliche Stabilität der Nachtkultur und erhöht die internationale Sichtbarkeit Leipzigs als Kulturstandort. Zudem vermittelt sie zwischen Szene, Verwaltung und Anwohnerschaft und soll Nutzungskonflikte frühzeitig entschärfen.

Die Stadt fördert die Arbeit mit jährlich 60.000 Euro. Damit werden Angebote für Kulturschaffende und Betriebe der Nachtökonomie ermöglicht, die keine direkte städtische Förderung erhalten. So konnten mehr als 50 Spielstätten beraten, rund 150 Beteiligte weitergebildet sowie Projekte, Netzwerke und Fachkonferenzen angestoßen werden. Zudem sollen geringere Behördeneingriffe Verwaltungsaufwand und Kosten reduzieren.

Worüber die LZ heute berichtet hat:

Hallo Leipzig: So startet Dienstag, der 30. Juni 2026

Hitzeschlacht ums Klima! Ein Kommentar von Dominic Memmel

Passau: Mit Christina Meinhardt in der Drei-Flüsse-Stadt

Durchsuchung bei Engagierten des Zentrums für politische Schönheit: Endet in Chemnitz die Kunstfreiheit?

Abschied von Intendant Tobias Wolff: Oper Leipzig verzeichnet einen erfolgreichen Saisonabschluss

Was sonst noch wichtig war:

Präsident Santiago Pen hat für heute in Paraguay einen spontanen Nationalfeiertag ausgerufen. Anlass war der überraschende Sieg gegen Deutschland im Sechzehntel-Finale der Fußball-Weltmeisterschaft.

Keinen Grund zum Feiern gab es hingegen bei Adidas. Die Aktie des (Noch-)Ausrüsters der deutschen Nationalmannschaft ist nach dem gestrigen WM-Ausscheiden des Teams am Dienstag-Vormittag spürbar abgesackt. Später konnte sie sich zwar wieder etwas stabilisieren, doch der Verkauf der DFB-Trikots dürfte nun kein Umsatz-Treiber mehr sein.

Die Zahl der Waldbrände in Deutschland hat massiv zugenommen. Im Jahr 2025 hatte sich diese im Vergleich zu 2024 mehr als verdoppelt. Bei den insgesamt 1.175 Bränden fiel den Flammen eine Waldfläche von rund 26,3 Quadratkilometern zum Opfer. Der größte Teil davon ist auf den Großbrand in der sächsischen Gohrischheide zurückzuführen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) benennt im Vorwort des soeben veröffentlichten Verfassungsschutzberichts 2025 den Rechtsextremismus als die „größte Bedrohung“ für die freiheitliche demokratische Grundordnung. So ist im Berichtszeitraum die Zahl der Rechtsextremisten um 8.450 auf 58.700 Personen gestiegen. Von denen gelten 15.600 (+300) als gewaltorientiert. Als linksextremistisch werden zudem 42.200 (+4.200) Personen eingeordnet, einschließlich 11.600 (+400) Gewaltbereiter.

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