Das alles beherrschende Thema: wann kommen Leipzigs Straßenbahnen wieder in Bewegung? Nach drei Tagen harter Arbeit fährt zumindest eine Linie wieder ihre halbe Route. Doch wann folgen die anderen… Für Studierende an Uni und HTWK enden heute zwei wichtige Fristen. Die Mitarbeit an einer neuen Benimmregel und die Bewerbungen für ein Auslandsstudium. Beides kann heute noch auf den Weg gebracht werden.
Wie geht es weiter mit dem Tram-Verkehr
Der Bimmel-Lockdown geht in den vierten Tag – und eine wirkliche Prognose, wann der Stillstand der Straßenbahnen überwunden sein wird, gibt es nicht. An den Gleisen des Schienennetzes wird mit Hochdruck gearbeitet. Und das mitunter im wahrsten Sinne des Wortes.
Eine Firma aus dem Saalekreis setzt ein Verfahren ein, bei dem – ähnlich wie bei einem Druckreiniger – Trockeneis auf die verklebte Schiene gepresst wird. In Sekunden erstarrt die klebrige Fugenmasse, gefriert und platzt vom Stahl ab.
Flächendeckend war dieses Füllmaterial wegen der extremen Hitze der vergangenen Tage aus den Rillen im Gleisbett gequollen, schmierte Weichen zu, verklebte die Fahrwerke der Straßenbahnen und verbreitete sich durch diese auch auf die Bereiche, in denen die Füllung gar nicht eingesetzt war.
Mit dem Trockeneis-Prinzip geht’s flink, aber die Kapazität ist begrenzt. Der überwiegende Teil muss in anstrengender Handarbeit erledigt werden. Mit Spachteln, Schaufeln, Drahtbesen und Schleifmaschinen. Diese wiederum setzen sich zu und müssen selbst immer wieder gründlich gereinigt werden. Seit gestern ist zumindest die Linie 1 auf einem Teilabschnitt zwischen Lausen und Leuschnerplatz unterwegs.
Welche Strecken wann folgen werden, lässt sich heute Morgen nach Auskunft der Verkehrsbetriebe nicht verlässlich sagen. Es wäre unseriös, etwas zu prognostizieren, von dem man nicht wisse, ob es dann so eingehalten werden könne, erläutert eine Unternehmenssprecherin auf LZ-Anfrage.
Es werde noch immer großflächig gearbeitet, die zur Freigabe vorgesehenen Strecken müssten nach der Reinigung durch Probefahrten ohne Fahrgäste auf ihre Sicherheit geprüft werden.
Auch wenn sich inzwischen mancherorts Unmut breit macht, weil die vollständige Wiederinbetriebnahme des Straßenbahnverkehrs auf sich warten lässt, könne man erst verlässliche Aussagen treffen, nachdem diese Überprüfungen mit positivem Ausgang abgeschlossen seien, heißt es von Seiten der LVB.
Über mögliche Streckenöffnungen will das Unternehmen auf seiner Website und über die Handy-App LeipzigMOVE informieren.
Uni will mehr Anstand
In großen Konzernen ist das Unterzeichnen ihrer Inhalte mitunter Bestandteil des Arbeitsvertrages. In kleinen Handwerksbetrieben besiegelt man sie gern per Handschlag: die Regeln des täglichen Miteinanders innerhalb der Firma. Die Leipziger Universität will sich nun einen neuen solchen „Code of Conduct“ geben – und das nicht als ausgearbeitete Anweisung der Führung.
Nach Angaben der Universität soll der Kodex nicht allein von der Hochschulleitung entwickelt werden, sondern gemeinsam mit Studierenden, wissenschaftlich Beschäftigten und Mitarbeitenden der Verwaltung entstehen. Die analoge Beteiligungsphase an den Universitätsstandorten ist bereits am 22. Juni zu Ende gegangen, die Möglichkeit der Online-Teilnahme wurde bis heute verlängert.
Ein universitätsweiter „Code of Conduct“ kann die Hochschulkultur prägen, bestehende Antidiskriminierungsstrukturen ergänzen, Orientierung für Führungskräfte und Beschäftigte bieten sowie die Teilhabe an universitären Entscheidungsprozessen stärken.
Vergleichbare Verhaltenskodizes wurden in den vergangenen Jahren an zahlreichen deutschen Hochschulen eingeführt oder überarbeitet, häufig im Zusammenhang mit Diversitätsstrategien, Gleichstellung sowie der Prävention von Diskriminierung und Belästigung.
Informationen zum Verfahren und den Zugang zur Online-Umfrage gibt es unter uni-leipzig.de/code-of-conduct. Die Rückmeldungen aus analoger und digitaler Beteiligung werden dann in die Überarbeitung des bisherigen Verhaltenskodex einfließen. Ziel des „Code of Conduct“ sind gemeinsame Leitlinien für das Arbeiten, Lehren, Lernen und Forschen an der Universität.
Reisen bildet
Auch an einer anderen Leipziger Hochschule heißt es heute: Fristende! Allerdings geht ´s dabei erst in zweiter Linie um gutes Benehmen. Studierende der HTWK Leipzig, die es in die Ferne zieht, haben nur noch bis heute Gelegenheit, sich auf verbliebene Austauschplätze für das Sommersemester 2027 zu bewerben. Die Hochschule vergibt Restplätze an ihren Partnerhochschulen. Die Bewerbung ist nur noch heute über das Mobility-Online-Portal möglich.
Die Restplatzvergabe richtet sich an Studierende, die bislang noch keinen Austauschplatz erhalten haben oder sich kurzfristig für einen Auslandsaufenthalt entscheiden – in der Hoffnung, dass woanders die Bahn fährt. Welche Hochschulen noch freie Kapazitäten anbieten, ist dem Bewerbungsportal zu entnehmen. Da die Semesterzeiten der Partnerhochschulen unterschiedlich ausfallen können, empfiehlt die HTWK Leipzig, diese vor einer Bewerbung zu prüfen.
Über die Vergabe entscheidet die Hochschule nach den regulären Auswahlkriterien. Dazu zählen die bisherigen Studienleistungen, vorhandene Sprachkenntnisse sowie die Motivation für den Auslandsaufenthalt.
Sollten nach Abschluss des Auswahlverfahrens weitere Plätze frei bleiben, ist ein Nachrückverfahren vorgesehen. Gegebenenfalls könnten zudem weitere Nachfristen eingerichtet werden. Studierende können sich über verschiedene Finanzierungsangebote informieren. Neben der Erasmus+-Förderung kommen unter bestimmten Voraussetzungen auch Auslands-BAföG sowie weitere Stipendienprogramme, etwa des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), in Betracht.
Wärmeplan trotz und gerade wegen der Hitze
Heute endet die Frist, in der die Stadtverwaltung ihren kommunalen Wärmeplan vorlegen muss. Grundlage dafür ist das bundesweite Wärmeplanungsgesetz (WPG), das alle Kommunen zur Erarbeitung einer langfristigen Strategie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung verpflichtet.
Während Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern ihre Planungen bis heute abschließen müssen, gilt für kleinere Gemeinden eine Frist bis 2028. Ziel des Gesetzes ist es, Bürgern, Unternehmen und Energieversorgern verlässliche Perspektiven für künftige Investitionen zu geben.
Der Leipziger Wärmeplan wurde rechtzeitig fertig und erfasst den aktuellen Wärmebedarf und die daraus entstehenden CO₂-Emissionen sowie Potenziale etwa durch Geothermie, Abwärme, Flusswasser, Großwärmepumpen oder Solarthermie aufzeigen.
Unmittelbare Verpflichtungen für Hauseigentümer, bestehende Heizungsanlagen auszutauschen, entstehen durch den Wärmeplan jedoch nicht. Der Wärmeplan gilt als wichtige Grundlage für künftige Entscheidungen der Stadtwerke, für den Einsatz von Fördermitteln sowie für Investitionen von Wohnungsunternehmen und privaten Hauseigentümern.
Schätzungen zufolge wird der Umbau der Leipziger Wärmeversorgung Investitionen im Milliardenbereich erfordern. Entsprechend intensiv wurden im Stadtrat zuletzt Fragen der Finanzierung, der künftigen Wärmepreise, des Netzausbaus, der Verteilung von Fernwärmeanschlüssen und der sozialen Ausgestaltung der Wärmewende diskutiert.
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