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Nicht nur, dass es das sächsische Kultusministerium auch für das Schuljahr 2026/2027 nicht geschafft hat, genug neue Lehrer zu finden, um den Lehrermangel im Freistaat endlich in den Griff zu bekommen. Um die Löcher zu stopfen, sollen jetzt noch viel mehr Lehrerinnen und Lehrer abgeordnet werden als im Vorjahr. Die GEW Sachsen kritisiert diese vom Kultusminister geplante deutliche Ausweitung der Abordnungen in Sachsen im neuen Schuljahr, bei der Lehrkräfte häufig schulartfremd oder in Fächern eingesetzt werden, für die sie nicht ausgebildet sind.

Im vergangenen Schuljahr 2025/26 wurden schon rund 3.000 Lehrkräfte abgeordnet, wie es im Amtsdeutsch heißt. Dabei erfolgte bereits ein Viertel des Unterrichts in Sachsen fach- oder schulartfremd, wie die Antwort des Kultusministeriums auf eine Kleine Anfrage der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag zeigt (Drs.-Nr.: 8/7431, vgl. Anlage 2).

An Grundschulen waren es 27 Prozent, an Oberschulen 29 Prozent und an Förderschulen 62 Prozent. Dabei gibt es auch starke regionale Unterschiede. Negativer Spitzenreiter waren Förderschulen im Raum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 87 Prozent fach- oder schulartfremdem Unterricht.

Burkhard Naumann, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen, kritisiert diese Praxis: „Im neuen Schuljahr soll es nun über 5.000 Abordnungen geben. Der Anteil von fach- und schulartfremdem Unterricht wird dabei weiter steigen. Abordnungen führen zu immens hohen Belastungen für die betroffenen Lehrkräfte. Während sie sich in andere Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien selbstständig einarbeiten müssen, hinterlassen sie in der Stammschule neue Lücken, die geschlossen werden müssen.

In der Folge entsteht ein Personalkarussell, in dem Schülerinnen und Schüler ständig wechselnde Fachlehrkräfte und Klassenleitungen erleben. Ebenso wirkt sich negativ auf die Schulqualität aus, dass gut funktionierende Kollegien auseinanderbrechen. Damit wird auch nicht mehr Unterricht gehalten, sondern die Defizite über alle Schulen gleichverteilt. Besonders fatal ist es, wenn an Grundschulen mehr Unterricht ausfällt und Klassenleitungen häufiger wechseln.“

So brennen die Lehrerinnen und Lehrer aus

Abordnungen sind nur in geringem Umfang und mit pädagogischem Augenmaß sinnvoll. Die aktuelle Dimension mit über 5.000 Abordnungen sowie immer mehr fach- und schulartfremdem Unterricht senkt aus Sicht der GEW Sachsen die Bildungsqualität an Schulen und führt zu neuen Personalproblemen. Erfahrene Lehrkräfte sind demotiviert, geben den Beruf auf oder flüchten in den Ruhestand. Für gut ausgebildete Nachwuchslehrkräfte sinkt die Attraktivität für den Lehrberuf in Sachsen immer weiter ab. Die hausgemachten Probleme an Schulen in Sachsen werden damit nicht gelöst, sondern nachhaltig verschärft.

„Wir fordern einen Stopp der massiven Abordnungspraxis und die Entwicklung von gemeinsamen und nachhaltigen Lösungen, wie beispielsweise attraktiven Arbeitszeitkonten, Anreize für ältere Lehrkräfte, weiter zu unterrichten, und Prämien für junge Lehrkräfte, in Bedarfsregionen zu gehen. Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht allein auf dem Rücken der Lehrkräfte bekämpft werden“, appelliert Naumann an die Staatsregierung.

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