Es ist das wohl sinnloseste Ranking, das ein Lobbyverein in Deutschland veröffentlicht. Mit breiter Brust, frei nach dem Motto: Wir wissen, wie man Bildung misst. Was natürlich Quatsch ist. Der immer wieder im Herbst veröffentlichte „Bildungsmonitor“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat mit dem Bewerten von Bildung nichts zu tun.
Aber er gibt konservativen Ministern in Sachsen jedes Mal Grund zu einem Freuden-Trompetenstoß, weil er suggeriert, Sachsen wäre der Bildungs-Champion unter den Bundesländern. Ist Sachsen aber nicht. Und besser geworden ist Sachsen auch nicht. Im Gegenteil.
Der INSM-„Bildungsmonitor“ misst im Grunde nur technische Parameter. Und zwar nach den Effizienz-Kriterien eines möglichst schlanken Unternehmens: mit möglichst sparsamem Mitteleinsatz den bestmöglichen Produktionsausstoß in möglichst kurzer Zeit zu schaffen. Mit der Organisation eines lebendigen Bildungssystems, das alle Kinder, die es durchlaufen, bestmöglich fördert, hat das alles nichts zu tun. Eher mit der neoliberalen Überzeugung auch sächsischer Kultusminister und Finanzminister, dass man an der Bildung über Jahre fleißig sparen kann – und trotzdem Sieger wird.
Die Folgen falschen Effizienzdenkens
Aber das am 14. September 2026 von der INSM veröffentlichte Ranking zeigt eben auch, dass Sachsen in Sachen Bildung längst auf dem absteigenden Ast ist. Oder genauer: beim Managen von Bildung. Was jahrelang die tatsächlichen Misserfolge des sächsischen Bildungssystems im „Bildungsmonitor“ kaschierte, denn bei Aufgabenpriorisierung, Inputeffizienz und Zeiteffizienz geht es nun einmal nur um Management. Schüler werden zu Produktionsstücken, die möglichst schnell und effizient durchs System geschickt werden. Auch wenn jede Bewertungsmatrix für sich unvollständig und fast immer auch unlogisch ist.
Das haben wir hier in vielen Besprechungen dieses „Effizienzmonitors“ schon erklärt und aufgedröselt. Bei Inputeffizienz geht es z.B. nur um Altersstruktur und Dienstunfähigkeit von Lehrern. Nicht um ihre Verfügbarkeit, ihre Qualifikation oder gar ihre pädagogischen Fähigkeiten.
9 Prozent „Schulabbrecher“? Das ist kein Erfolg
Wer nach dem tatsächlichen Bildungserfolg in diesem Ranking sucht, findet unter Bildungsarmut etwa die Schulabbrecherquote, wo Sachsen auf enttäuschende 9 Prozent kommt. „Verbesserungspotenzial besteht in Sachsen noch bei der Schulabbrecherquote. Diese lag im Jahr 2024 in Sachsen bei 9 Prozent, während sie im Bundesdurchschnitt 7,8 Prozent betrug“, schreibt selbst die INSM.
Da aber diese Zahl mit einer Erfolgsquote Berufsvorbereitungsjahr und den Ergebnissen des letzten IQB-Vergleichs Mathematik der 9. Klassen verquirlt wird, entsteht ganz bestimmt kein aussagefähiger Wert für „Bildungsarmut“. Mit 9 Prozent Schulabbrechern liegt Sachsen nur auf Rang 9 unter den Bundesländern. Und so geht das durch alle Kategorien des „Bildungsmonitors“, der weder den tatsächlichen Bildungserfolg im Land misst, noch die schulische Erfolgsquote der Kinder oder die gute Organisation von Bildung.
Das heißt: Nicht einmal Aufstieg oder Abstieg im Ranking erzählen irgendetwas darüber, wie erfolgreich ein Bundesland sein Bildungssystem organisiert. Auch wenn das 2026er Ranking deutlich zeigt, dass die meisten Bundesländer selbst mit den willkürlichen Kriterien, die die INSM für ihr Ranking heranzieht, nicht mehr weiterkommen und das System vor unser aller Augen verschleißt. Auch und gerade in Sachsen.
Denn während sich Kultusminister Conrad Clemens wieder prächtig über Sachsens „1. Platz“ im Bestandsranking freut, schmiert Sachsen im gleichzeitig veröffentlichten Dynamikranking Jahr für Jahr weiter ab, landet dort nur noch auf Platz 11 und hat gegenüber 2013 schon mal 4,3 Punkte verloren.
Kein Grund für Jubel
Besonders verschlechtert hat es sich bei Bildungsarmut, Schulqualität und Integration. Ein Bildungsminister, der sein Amt ernst nimmt, würde alarmiert reagieren, nicht stolzgeschwellt. Aber auch die Werte für Hochschule und MINT-Fächer und für Ausgabenpriorisierung haben sich verschlechtert. Alles Zeichen dafür, dass Sachsen auch die Art Bildungsmanagement, die die INSM irgendwie für zukunftsfähig hält, nicht mehr leisten kann.
Aber genau dieses Problem haben auch Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Was nach den jüngsten Wahlergebnissen bei dortigen Landtagswahlen nicht mehr überrascht. Auch dort wurde das Bildungssystem den Erwartungen einer sich immerfort laut zu Wort meldenden „Wirtschaft“ zugunsten verschlankt, „effizienter“ gemacht (nur halt nicht für die Kinder), auf flotte Produktionszahlen getrimmt, während es für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler immer mehr zum Frustrationserlebnis wurde.
Zu einem technokratischen Durchlauferhitzer, in dem es schon lange nicht mehr um Bildung der ganzen Persönlichkeit geht, sondern um die Produktion geschmeidiger Arbeitskräfte für einen windschnittigen Arbeitsmarkt.
Mit dem Ergebnis, dass reihenweise Schüler und Schülerinnen aussteigen, aus dem Rennen fliegen, weil sie im entfesselten Leistungsrennen nicht mehr mithalten können.
Die Ohrfeige
Und selbst die INSM hat gemerkt, warum Sachsen so langsam abschmiert mit seinen Ergebnissen. Denn gute Bildung braucht natürlich Lehrerinnen und Lehrer. Und genau da hat Sachsen durch seine verkniffene Einstellungspolitik der letzten Jahre den Boden für Verschlechterung bereitet. „Auch bei der Schüler-Lehrer-Relation in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien) weist Sachsen mit 15,8 den schlechtesten Wert aller Bundesländer auf (Bundesdurchschnitt: 12,9)“, stellt sogar die INSM fest.
„Unterdurchschnittliche Betreuungsrelationen weist Sachsen darüber hinaus auch in den Grundschulen, in der Sekundarstufe I der Gymnasien, in der Sekundarstufe II, in den beruflichen Vollzeitschulen und an den Hochschulen auf. Die Betreuungsrelationen haben sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert.“
Das ist eine Ohrfeige für die sächsische Bildungspolitik. Und das sogar von der INSM.
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