Am Freitag, 3. Juli, gab es endlich eine spürbare Entspannung im Straßenbahnbetrieb der LVB. Erstmals konnten auch wieder Linien in Betrieb gehen, die über den Innenstadtring hinausführten. Die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs nach den Rekord-Hitze-Schäden im Gleisnetz der Leipziger Verkehrsbetriebe gehe weiter voran, meldeten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Immerhin haben sie eine Woche lang mit den durch die Extremhitze am Gleisnetz entstandenen Schäden zu kämpfen gehabt.
Seit Samstagabend, 27. Juni, haben die Reparaturteams und viele Freiwillige mit Hochdruck an der Beseitigung der Hitze-Schäden im gesamten Gleisnetz gearbeitet, damit das Unternehmen schnellstmöglich den Straßenbahnbetrieb vollständig wieder aufnehmen kann.
Jeden Tag werden jetzt weitere Streckenabschnitte wieder in Betrieb genommen: Mittlerweile sind sieben Straßenbahnlinien zumindest teilweise wieder unterwegs ‒ die 1, 3, 7, 11, 14, 15 und 16.
Damit seien, so die LVB, alle Stadtteile wieder angebunden ‒ und das angekündigte Bauliniennetz werde vorbehaltlich einzelner Einschränkungen seit Samstag, 4. Juli, sichergestellt. So dass die geplanten Bauarbeiten zum Beispiel am Hauptbahnhof (Westseite) und an der Kreuzung Georg-Schumann-Straße / Lindenthaler Straße planmäßig begonnen werden konnten.
Die LVB informieren ständig über www.L.de/v und auf Social Media zu den Fortschritten. Hier finden Kunden auch eine dynamische Übersichtskarte. Alle aktuellen Verbindungen finden Fahrgäste in der App LeipzigMOVE.
Straßenbahn im Hitzestress
Wobei noch nicht endgültig geklärt ist, warum ausgerechnet die LVB so heftig mit aufgequollener Fugenfüllung, verklebten Weichen und entsprechend bespritzten Bahnen zu kämpfen hatte. Das muss jetzt noch geklärt werden.

Torsten Bonew, Finanzbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der LVB, machte sich am Donnerstag am Hauptbahnhof, wo nach wie vor vier Gleise für den Straßenbahnverkehr gesperrt sind, ein Bild und bedankte sich bei allen, die aktiv mit anpackten, insbesondere beim Team der LVB.
„Es ist ein außergewöhnliches Ereignis gewesen, das wir sehr bedauern“, sagte Bonew. „Die Entscheidung, Straßenbahnen aus dem Netz zu nehmen, ist uns nicht leicht gefallen. Aber wir haben auch gesehen, wie die Leipzigerinnen und Leipziger Verständnis aufbringen ‒ und viele aktiv helfen. Dieses gemeinsame Anpacken, das ist für mich typisch Leipzig. Jetzt sehen wir wieder Straßenbahnen in unserer Stadt fahren. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ich bin den LVB und ihren Unterstützern sehr dankbar, dass ich heute mit meiner Familie zum Klassik airleben fahren kann.“
„Es ist uns ein Herzensanliegen, uns bei den Leipzigerinnen und Leipzigern für ihr Verständnis, ihre Geduld und auch ihre tatkräftige Unterstützung zu bedanken. Die große Hilfsbereitschaft so vieler Freiwilliger zeigt gelebtes Gemeinwohl in unserer Stadt. Durch die Gemeinschaftsleistung mit unseren Experten, mit Fahrpersonal und Bürokollegen kommen wir im Netz sehr gut voran. So geht Zusammenhalt in Leipzig“, erklärte bei der Gelegenheit auch Ulf Middelberg, Geschäftsführer der LVB.

Einen dritten und letzten Freiwilligeneinsatz gab es dann auch noch am Samstag von 10 bis 18 Uhr. Hier waren die Haltestelle Leibnizstraße und die Haltestelle Wintergartenstraße Schwerpunkt.
Gutachter beginnt Analyse
Der externe Gutachter Ian Veigl, Sachverständiger der TÜV Süd Rail, nahm inzwischen im Auftrag der LVB-Geschäftsführung seine Arbeit auf, um die Ursachen der hinschmelzenden Fugenmasse zu ermitteln.
„Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme habe ich am Donnerstag sowohl Strecken, die keine Beschädigungen aufwiesen, als auch die jüngst durch Hitze beschädigten Abschnitte des Gleisbettes untersucht“, schildert Veigl sein Vorgehen „Um ein lückenloses Bild der Substanz und der Schadensursachen zu erhalten, greift unsere Methodik auf drei tragende Säulen zurück: die visuelle Bestands- und Schadensaufnahme vor Ort, eine Dokumentenprüfung der Planungs- und Bauakten sowie die anschließende laboranalytische Untersuchung.“
Für die materialtechnische Untersuchung seien insgesamt neun Materialproben entnommen worden, so Veigl. „Während drei Proben aus unauffälligen Referenzbereichen als Kontrollwerte dienen, werden sechs Proben aus den schadhaften Zonen nun im Labor präzise analysiert. Erst nach der Auswertung aus der Dokumentenprüfung sowie den Ergebnissen der labortechnischen Untersuchungen können wir eine fundierte Aussage darüber treffen, welche Ursachen zu diesen Schadensbildern geführt haben.“

„Mit unserem Gutachter bewerten wir in der gebotenen Sorgfalt die Fugenvergussmasse aus den schadhaften und den nichtschadhaften Gleis-Trassen“, betonte Toralf Müller, technischer Geschäftsführer der LVB. „Der Einbau neuer Fugen ist für vier Wochen ausgesetzt, auch auf den laufenden und jetzt startenden Bauprojekten. Dies beeinträchtigt nicht deren Start, da die Fugen zum Schluss kommen. Bis dahin bewerten wir anerkannte technische Lösungen für den Fugenverguss sowie das Einbauverfahren, zu welchen wir uns mit Verkehrsunternehmen aus ganz Europa austauschen.“
Die Ergebnisse des Gutachters wollen die LVB mit weiteren Erkenntnissen zusammenführen. Hierzu dienen beispielsweise neben dem Austausch mit Verkehrsunternehmen aus anderen Städten auch eine interne Analyse zu Betriebsabläufen und Meldeketten. Im Anschluss seien dann gemeinsam mit der Stadt Leipzig die Folgen für Stadtraumgestaltung, Gleisbau und Betrieb abzuleiten. Denn solche extremen Hitzeperioden wird Leipzig in Zukunft noch häufiger erleben. Da können sich auch die LVB einen vergleichbaren Ausfall nicht noch einmal leisten, sondern müssen ihr Netz eben auch entsprechend hitzebeständig machen. Die Konsequenzen des Klimawandels werden perspektivisch aus Sicht der LVB branchenweit zu angepassten Lösungen führen müssen.
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