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Der Stadtrat befasste sich gestern mit dem Bimmel-Lockdown. Da die Tagesordnung recht üppig war, müssen die Abgeordneten heute noch mal ran. Der Landtag diskutiert Anträge zur Wolfsgesetzgebung. Das Werden und Leben von und in Grünau wird ab heute in der Innenstadt mit einer neuen Ausstellung beleuchtet. Und wäre nicht alles schon schlimm genug: Bis Oktober fährt keine S-Bahn mehr nach Schkeuditz.
Die Tram kommt langsam in Fahrt
Meter um Meter werden der Bitumen-Bestie die Tentakel abgeschlagen, mit denen sie seit vergangenem Sonnabend die Stadt im Griff hat und ein Fahren der Straßenbahn unmöglich machte. Aufgrund der anhaltenden extremen Hitze mussten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) den Betrieb ihres gesamten Schienennetzes einstellen.
Ursache war eine bitumenhaltige Fugenmasse, die entlang der rund 150 Kilometer Gleise aufgequollen war. Dadurch verklebten Schienen, Weichen und die Fahrwerke der Straßenbahnen, sodass ein sicherer Betrieb nicht mehr gewährleistet werden konnte. Durch einen Rund-um-die-Uhr-Einsatz wurde es inzwischen möglich, dass auf sieben Teilabschnitten der Verkehr wieder aufgenommen werden konnte. Darüber, welche das sind (und welche folgen werden) informiert das Unternehmen auf seiner Website, die bei Eröffnung der nächsten Abschnitte aktualisiert wird.
In der gestrigen Stadtratssitzung teilte Baubürgermeister Thomas Dienberg mit, die LVB habe inzwischen Gutachten in Auftrag gegeben, die klären sollen, wie es zu einer Panne dieses Ausmaßes kommen konnte und ob das verwendete Material überhaupt den Anforderungen der entsprechenden Ausschreibung entsprach. In einer aktuellen Debatte erinnerte ein AfD-Stadtrat daran, dass in der DDR den Sommer über Wasserwagen die Straßen und Gleise abgekühlt haben.
LZ fragte bei den Verkehrsbetrieben nach, ob solch eine Idee konstruktiv sei und erhielt eine ernüchternde Antwort. Zur damaligen Zeit habe es auch heiße Sommertage gegeben, aber nicht mit solchen Höchsttemperaturen über einen langen Zeitraum hintereinander. Die viel zu warmen Nächte hätten dem Stahl der Gleise und den Straßen selbst kaum die Temperatur nehmen können. Unter den heutigen Umständen, so LVB-Sprecher Marc Backhaus, müsste das gut 150 Kilometer umfassende Gleisnetz stündlich bewässert werden. Eine Idee also, die schlicht nicht umsetzbar ist.
Auf die Leipziger kommt ab heute eine weitere Belastungsprobe zu. Bis 30. Oktober wird die S-Bahn-Verbindung nach Schkeuditz gekappt und durch einen Schienenersatzverkehr ersetzt. Hintergrund: Die Eisenbahnbrücken Pittler- und Linkelstraße müssen erneuert werden.
Der Stadtrat kommt zum Nachsitzen
Es war erwartbarer als die derzeit nächste Straßenbahn. Weil schon das ursprüngliche Programm der gestrigen Ratsversammlung so voll gepackt und kaum zu bewältigen war, muss das Kommunalparlament heute noch einmal zusammenkommen. Zudem beschäftigte Leipzigs Klebe-Krise mit aktuellen Anfragen verschiedener Parteien das Gremium bis in den Abend hinein. Die gesamte Sitzung über kam keine Stimmung auf, die darauf hätte hindeuten können, die Sommerpause des Stadtrates stünde bevor.
Was heute in der Nachsitzung behandelt werden muss, ist noch ein dickes Paket an Entscheidungen. Unter anderem geht es um die Frage des richtigen Ortes eines Gedenkortes für Opfer von Femiziden. Ein Grundsatzbeschluss dazu stammt aus dem Jahr 2022. Die Finanzierung wurde später über den Haushalt 2025/2026 abgesichert: 40.000 Euro für 2025 und 100.000 Euro für 2026. Jetzt geht’s um das Wo.
Ebenfalls wichtig wird die Entscheidung über die Zukunft des „Kohlrabizirkus“ im geografischen Vorfeld der Alten Messe. Das Areal rund um die einstige Großmarkthalle gehört zur Entwicklung Alte Messe West. Der Stadtrat hat im Februar 2026 bereits den Bebauungsplan Nr. 451.1 „Semmelweisstraße/An den Tierkliniken, Teilbereich Nord“ beschlossen. Ziel ist ein Innovations- und Technologiestandort; der Kohlrabizirkus, der Lokschuppen und weitere denkmalgeschützte Gebäude sollen erhalten bleiben. (LZ berichtete).
Die nächste Stadtratsssitzung findet nach den Sommerferien am 26. August statt.

Der Wolf kommt in den Landtag
Für Diskussionsstoff sorgt derzeit nicht nur die Beschlagnahmung von Tigern in Leipzig (LZ berichtete). Die ziehen derzeit nach Spanien um. Auch der in seine Heimat zurückkehrend Wolf beschäftigt die Menschen, bis hinein in die Politik. Heute befasst sich der Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft im Sächsischen Landtag mit Änderungen im Jagd- und Naturschutzrecht sowie mit der künftigen Wolfspolitik.
Die öffentliche Anhörung beginnt um 10:00 Uhr im Raum A 600 des Landtags in Dresden; ein Livestream ist vorgesehen. Grundlage sind die Drucksachen 8/7252 und 8/6746. Der Gesetzentwurf von CDU, SPD und BSW (Drs. 8/7252) soll sächsisches Recht an das seit 2. April 2026 geänderte Bundesrecht anpassen. Dabei geht es unter anderem um den Wolf im Bundesjagdrecht, neue Zuständigkeiten, Managementpläne, die Duldung von Monitoringmaßnahmen und den Schadensausgleich im Jagdrecht.
Härter fällt der Antrag der AfD (Drs. 8/6746) aus: die Rechtsaußen-Partei fordert gar die Abschaffung der Fachstelle Wolf bis spätestens 31. März 2027, schnellere „Entnahmeverfahren“ sowie jährliche Abschusskontingente in Landkreisen mit hoher Wolfsdichte. Für Sachsen sind im Monitoringjahr 2024/2025 offiziell 46 Wolfsterritorien bestätigt worden: 35 Rudel, 10 Paare und 1 territorialer Einzelwolf.
Im bundesweiten Vergleich liegt der Freistaat damit hinter Niedersachsen und Brandenburg auf Rang drei. Deutschlandweit gingen 2024 laut DBBW die bestätigten Wolfsübergriffe auf Nutztiere um 13 % und die Zahl geschädigter Nutztiere um 25 % zurück. Zugleich wurden 23,4 Mio. Euro Herdenschutzförderung und 780.400 Euro Schadensausgleich gezahlt.
Grünau kommt in die Innenstadt
Im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig wird heute Abend die Galerieausstellung „Platte. Leben in der Großwohnsiedlung“ eröffnet. Die Vernissage im Saal des Hauses steht im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums von Leipzig-Grünau und widmet sich dem DDR-Plattenbau als sozialem und kulturellem Lebensraum. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Alltag, Nachbarschaft, Ankommen und gesellschaftlicher Wandel.
Neben Aufnahmen professioneller Fotografen zeigt die Ausstellung auch private Bilder, Dokumente und Erinnerungsstücke zu Einzug, Nachbarschaft, Alltag, Feiern und Wohnkomfort. Sie beleuchtet den Umbruch nach 1990 und aktuelle Debatten zur Entwicklung des Quartiers. An der Eröffnungsveranstaltung wirken die Illustratorin und Grafikerin Halina Kirschner, ihr Vater, Fotograf Harald Kirschner, und der Autor und Musiker Dmitrij Kapitelman mit. Die Moderation übernimmt die Journalistin Carolin Büscher.
Die Vernissage ist nur für geladene Gäste zugänglich. Die Ausstellung selbst jedoch ist anschließend vom 3. Juli 2026 bis zum 17. Januar 2027 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig (Grimmaische Straße) zu sehen. Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos und ohne vorherige Anmeldung möglich. Eine ausführliche Besprechung lesen Sie zu einem späteren Zeitpunkt in einem Beitrag von unserem Reporter Thomas Köhler.
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