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Es heißt, dass Napoleon Bonaparte befahl entlang der Landstraßen Bäume zu pflanzen, damit die marschierenden Truppen Schatten hätten. Auf den Einwand seiner Generäle, die Bäume brauchen doch 20 Jahre bis sie groß genug dafür wären soll er geantwortet haben: „Um so wichtiger ist es sofort anzufangen!“ Ob diese Geschichte so geschehen ist oder nicht, auf jeden Fall wurden unter Napoleon auch in Deutschland Alleen angelegt von denen wir, wenn sie nicht dem automobilen Wahn zum Opfer gefallen sind, noch heute profitieren.
Ein Sprichwort lautet: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“ Einige Menschen behaupten es wäre ein afrikanisches, andere es käme aus China und es gibt auch die Herleitung auf einen russischen General namens Arakčeev.
Eines ist der Story über Napoleon und dem Sprichwort gemeinsam: Man muss einfach mal anfangen zu handeln.
Leipzig und die Bäume
Leipzig hat zwischen 2018 und 2025, trotz aller Maßnahmen zur Neuanpflanzung und zum Erhalt der Bäume, 15.732 Bäume verloren. Damit liegt Leipzig im vorderen Feld, leider in dem der Städte mit dem höchsten Verlust an Bäumen. So nachzulesen im Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe. Wie soll sich das bessern? In dieser Situation will die Stadt Leipzig genehmigen, dass weitere drei Hektar Waldfläche gerodet werden. Wo diese kompensiert werden sollen, ist noch nicht bekannt.

Manchmal steht auch der Denkmalschutz den Bäumen im Wege. Wer jetzt an den Marktplatz oder den Platz vor dem Bundesverwaltungsgericht denkt, der liegt nicht ganz richtig. Ja, dort greift der Denkmalschutz, wenn es um Begrünung geht, er greift aber auch in der Connewitzer Simildenstraße. Als die Linksfraktion 2023 beantragte in dieser Straßenbäume zu pflanzen, legte die Denkmalschutzbehörde ihr Veto ein. Sie schrieb:
„Der südliche, denkmalgeschützte Teil des Straßenzuges kann aus denkmalrechtlicher Sicht nicht mit Straßenbäumen versehen werden. Die Baumpflanzung wäre mit einer Teilzerstörung der originalen Straßendecke verbunden und hätte erheblich beeinträchtigende Wirkung auf die Erscheinung des Straßenzuges.“
Auch der Baubürgermeister und der OBM begründeten die Ablehnung. Thomas Dienberg meinte, es ginge eben nicht nur um das Pflaster, sondern um das gesamte Erscheinungsbild der Straße.Burkhard Jung fand, dass dieses sich bestens eignen würde für Filmaufnahmen für die Zeit um 1900. Natürlich ohne die dort geparkten Autos. Aber die ließen sich ja wegfahren.
Falls also mal ein Film gedreht wird, der Hitzebelastung um 1900 thematisiert, die Simildenstraße steht dafür bereit. Immerhin mit einem historischen Straßenpflaster inklusive längst stillgelegten Straßenbahngleisen.
Nicht bepflanzte Baumscheiben an Straßen sollen, zumindest nach Meinung fast der Hälfte der Mitglieder des Leipziger Stadtrates, nicht etwa mit Ersatzgrün bepflanzt werden, sondern für Parkplätze genutzt werden.
Es gibt einen Hitzeaktionsplan
Hier muss man auch anfügen, dass der Hitzeaktionsplan der Stadt Leipzig nichts über Bäume enthält. Wie uns das zuständige Dezernat im September 2024 mitteilte, geht es dort um etwas anderes: „Der Fokus des Hitzeaktionsplans 2024 – 2026 liegt bei Maßnahmen der Risikokommunikation und der Betroffenheitsreduktion im Hitzefall.“ Es gibt daneben noch eine Vielzahl anderer Maßnahmen, allerdings scheint das alles nicht ausreichend umgesetzt zu werden.

Es sind nicht nur die Ämter
Wenn das Straßenbaumkonzept dann wirklich Wirkung zeigen soll, dann werden manchmal neu angepflanzte Bäume zerstört. So Ende 2025 in der Henriettenstraße und der Jordanstraße im Leipziger Westen. Gleiches geschieht mitunter mit Fassadenbegrünung, wahrscheinlich wenn sie den Hausbesitzer stört.
Wenn Hitzeschutz durch Bäume und Begrünung nicht umgesetzt werden kann, sind eben auch manchmal andere Akteure als die Stadt beteiligt.
Wie geht es weiter?
Hier lohnt es die Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Bündnisgrünen, in der ganzen Länge zu lesen. Die dringliche Anfrage, mit dem Titel „Nach der Hitze ist vor der Hitze – Klimawandelanpassung in Leipzig nach den jüngsten Hitzerekorden“, wurde auf der Ratsversammlung am 1. Juli 2026 beantwortet. Die Antworten sind ernüchternd.
Frage 4 lautete: Welche Maßnahmen des Hitzeaktionsplans 2024–2026 sind seit dem Beschluss im April 2025 bereits vollständig umgesetzt, welche befinden sich in Umsetzung und welche wurden bislang nicht begonnen?
Aus der Antwort ist zu entnehmen, dass sich die Maßnahmen des Hitzeschutzplans noch größtenteils in der Umsetzung befinden. Sie sind also noch nicht oder nur teilweise wirksam. Mit der Erarbeitung der Kommunikationskaskaden zur gezielten Hitzewarnung wurde noch nicht begonnen.
Frage 5 war: Wie schätzt die Stadtverwaltung insbesondere die Umsetzung und Wirkung des eingesetzten Kommunikationskonzeptes zum Hitzeschutz in der letzten Woche ein?
Da sieht es nicht gut aus, liest man die ersten zwei Punkte der Antwort. „durch fehlendes Hitzeschutzmanagement existiert bislang kein abgestimmtes und strukturiertes stadtweite Kommunikationskonzept und keine Kommunikationskaskade für den Hitzefall“ und „weiterreichende Ad-hoc-Kommunikation mit anhaltender schlechter Personallage ist derzeit nicht möglich“.
Mit Frage 6 fragt die Fraktion nach weiteren kurzfristigen Maßnahmen, insbesondere zum Schutz vulnerabler Gruppen. Die Antwort ist sehr ausführlich, es kommt aber auf die ersten Sätze an: „trotz fachlicher Einschätzung der Notwendigkeit weiterer und effizienter kurzfristiger Maßnahmen müssen die aktuell umgesetzten Maßnahmen ausreichen“ und „Ohne zusätzliches Personal ist Planung weiterer Maßnahmen nicht möglich“.
Zuletzt noch zur letzten Frage innerhalb der Frage 8, diese lautet: „Welchen Einfluss hat die aktuelle Haushaltssperre auf die Hitzeschutzmaßnahmen und welche finanziellen Folgen kommen aufgrund der Verzögerungen oder der Nichtumsetzung der geplanten Maßnahmen auf die Stadt zu?“

Die komplette Antwort ist im Bild zu sehen, keine Anschlussförderung, Stellenstreichung bei freiwilligen Ausgaben, Umsetzung nur im reduzierten Umfang und Reduzierung des Budgets für Maßnahmen der Klimaanpassung, die Auswahl sagt wohl genug.
Fazit: Es wird in Leipzig wohl in absehbarer Zeit keine größere Anzahl von neu gepflanzten Bäumen geben, eventuell wird der Baumbestand sogar weiter zurückgehen. Dieser trockene und heiße Sommer ist fast vorbei, der nächste kommt bestimmt. Für die in 20 Jahren zu erwartenden Sommer wäre es sinnvoll jetzt mit Baumpflanzungen und anderen Klimaschutzmaßnahmen anzufangen. Auch wenn dann vielleicht die eine oder andere Straße nicht mehr für Filmszenen über das Jahr 1900 zur Verfügung steht.
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