Knapp 6 Millionen verkaufte Tonträger, Schätzungen zufolge 5 Millionen Konzertbesucher – die Prinzen sind Leipzigs bekannteste Unterhaltungskünstler. Ihre aktuelle Tournee führt sie ab Mai in 13 große Säle, begleitet von einem 50-köpfigen Orchester. Doch schon im kommenden Jahr soll Schluss sein mit der Erfolgsgeschichte. Mit einer nüchternen Mitteilung in den sozialen Medien gab die Band jetzt ihre Auflösung bekannt.
Das Ende als Gefühlssache
35 Jahre, so schreiben die Musiker, hätten sie das gemacht, was ihnen am meisten Freude bereitete. „Jetzt spüren wir allerdings, dass es langsam an der Zeit ist, Abschied zu nehmen. Wir werden Ende 2027 das letzte Mal gemeinsam auf der Bühne stehen.“ Näher gehen die Künstler, zumindest in ihrer öffentlichen Mitteilung, nicht auf die Beweggründe für ihre Entscheidung ein.

Auf Anfrage teilt die Gruppe mit, dass man eine interne Vereinbarung getroffen habe, sich derzeit nicht ausführlicher zum Laufbahnende zu äußern. Hintergrund dieser Vereinbarung könnte ein ausführliches Interview sein, das die Leipziger Popgruppe der „Bild am Sonntag“ gegeben hat. Dort gehen sie auch näher darauf ein, dass das Leben innerhalb der Band nicht immer so harmonisch verläuft, wie es auf der Bühne den Anschein hat.
Auf die Frage des Blattes, wie oft es in der Geschichte der Gruppe „innerliche Trennungen“ gegeben habe, antwortet Sebastian Krumbiegel: „Ich glaube, eigentlich immer.“ Letztlich, so geht aus dem Interview hervor, habe es Reibereien und Spannungen gegeben, die mit einer Ehe vergleichbar wären. Alle Ensemblemitglieder fanden dabei aber immer wieder zusammen. „Getragen von Respekt und dem Bewusstsein, Teil von etwas Einzigartigem zu sein.“ So sagt Krumbiegel gegenüber der Zeitung.
Nährstoff aus der Gerüchteküche
Mutmaßungen, bei der erfolgreichen A-cappella-Formation stünden Veränderungen ins Haus, gab es in Szene-Kreisen schon einige Zeit. Denn während der Planung und des Bewerbens der diesjährigen „Symphonica-Tour“ mit der „Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach“ wurden im Hintergrund bereits die Hallen für das Folgejahr gebucht. Eine ungewöhnliche Aufeinanderfolge für Produktionen dieser Größe, die ein Rätsel aufgab, das gestern offiziell gelöst wurde.
„Tschüssi, machts gut“ werden die Prinzen auf 23 Konzerten vom 22. Oktober (Hof/Saale) bis 16. November (Zürich) singen. Der Vorverkauf startet am 21. April um 10 Uhr exklusiv beim Ticketanbieter Eventim. In Leipzig tritt das Ensemble auf seiner Abschiedstour am 5. November 2027 in der Quarterback Immobilien Arena auf.
Eine royale Erfolgsgeschichte
Die Prinzen-Geschichte begann 1987 unter dem Namen „Die Herzbuben“. Gegründet wurde die Gruppe von Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk und Dirk Schrot. Die Mitglieder hatten ihre musikalischen Wurzeln im Leipziger Thomanerchor, was ihren späteren Stil stark prägte, insbesondere den mehrstimmigen A-cappella-Gesang. Noch zu DDR-Zeiten trat die Gruppe im Fernsehen auf und konnte mit Liedern wie „Der schönste Junge (aus der DDR)“ erste Aufmerksamkeit erzielen.
Um Verwechslungen mit den Wildecker Herzbuben zu vermeiden, benannte sich die Band im Jahr 1991 um und heißt seitdem „Die Prinzen“. Noch im selben Jahr gelang ihnen mit der Debütsingle „Gabi und Klaus“ der Durchbruch. Ihr Markenzeichen blieb poppiger A-cappella-Gesang, kombiniert mit humorvollen und oft satirischen Texten. In den folgenden Jahren entwickelten sie sich zu einer der erfolgreichsten deutschen Popbands der 1990er Jahre.
Insgesamt verkaufte die Gruppe gut sechs Millionen Tonträger und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Echo Pop, die Goldene Stimmgabel und die Goldene Henne. Zu ihren bekanntesten Liedern zählen „Millionär“, „Mann im Mond“, „Küssen verboten“, „(Du musst) ein Schwein sein“ und „Alles nur geklaut“.
Auch viele Jahre nach ihrem Durchbruch blieb die Band erfolgreich, sodass sie 2021 ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte und mit dem Album „Krone der Schöpfung“ Platz zwei der deutschen Albumcharts erreichte. Der höchste Einstieg in der Bandgeschichte, die nun ihr Ende finden soll.
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