Rund vierzig Fachkräfte aus Verwaltungen, Quartiersmanagement und sozialen Träger*innen aus ganz Sachsen trafen sich am Dienstag, dem 2. Juni, in Leipzig-Grünau. Mit der Exkursion und gemeinsamer Fahrradtour macht die Servicestelle Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit Sachsen (QuGe) zusammen mit der Stadt Leipzig die Bedeutung der Gemeinwesenarbeit für die Zukunftsfähigkeit von Quartieren und Kommunen erlebbar.
Unter dem Motto „Gemeinwesenarbeit vor Ort erleben“ hatte die Servicestelle Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit Sachsen eingeladen, um zu erleben, wie dieser Ansatz nicht nur gedacht, sondern umgesetzt wird. Gemeinwesenarbeit (GWA) ist eine sozialarbeiterische Methode, die die Lebensbedingungen und das Zusammenleben in Stadtteilen oder Gemeinden verbessern will. Dazu befähigt sie Menschen zur Selbsthilfe und zum gemeinsamen Handeln.
Am Beispiel des Leipziger Stadtteils Grünau – das in diesen Tagen sein fünfzigjähriges Bestehen feiert – besucht die Gruppe drei soziale Träger und kommt mit den Macher:innen vor Ort über Strategien und deren Projektumsetzungen im Rahmen von ESF Plus Programm „Nachhaltige Soziale Stadtentwicklung“ ins Gespräch.

Diese offenen Werkstätten und niedrigschwelligen Treffpunkte unterschiedlichster Gruppen fungieren als Orte der Begegnung. Ziel ist die aktive Beteiligung der Nachbarschaft unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Status. Sie schaffen Räume und Möglichkeiten, in denen Menschen nicht nur konsumieren, sondern kreativ und wirksam werden sowie selbst mitgestalten können. So ist die erste Station die „HuUpa“ – Handwerks- und Upcycling-Akademie des kunZstoffe e. V. Marie Wagner, Projektleitung Grünau, erläutert die vielfältigen Möglichkeiten, kreativ zu werden – von Reparatur über Upcycling bis zum Eigenbau. Ziel ist, eigene handwerkliche Fähigkeiten zu entdecken und zu stärken. Ebenso informierte Frau Wagner darüber, wie sie Gruppen erreicht, die sonst wenig beteiligt sind, und was bisher in der Projektlaufzeit erarbeitet wurde – präsentiert in einer “Werkschau”.
An der zweiten Station, dem KinderKunstPlanet des greater form / GIRO e.V., einem weiteren kreativen Begegnungsraum für Kinder und Jugendliche, wird konkret erfahrbar, welcher Gewinn dieses niedrigschwellige, empowernde und kreative Freizeitangebot für Grünau-Nord ist. Philipp Rödel, Projektleitung, erklärt zudem, wie das Projekt schnell eine feste Basis an Aktiven generieren konnte, welche Rolle greater form / GIRO e.V in Grünau spielt und warum das Projekt so erfolgreich ist.
Im dritten Projekt „Über Generationen hinweg“ des RAA Leipzig e.V. öffnen Fynn Franken, Projektmitarbeiter Grünau, und Andreas Keim, Projektleitung Schönefeld, die Türen der Rudi-Glöckner-Oberschule, die am Nachmittag als Begegnungsstätte für die Nachbarschaft zur Verfügung steht und Schule somit zu einem wichtigen Treffpunkt für Zusammenhalt und Teilhabe in Leipzig-Grünau macht. Sie erklärten, was das Konzept “Öffnung von Schule für den Stadtteil” beinhaltet und machten dies anhand konkreter durchgeführter Formate, von Graffitiwand über Grünes Klassenzimmer oder Fotoausstellung, anschaulich. Besonders das integrierte, ressortübergreifende Handeln von Schulverwaltungsamt über die Schulsozialarbeit bis zu den lokalen Quartiersmanagerinnen waren mitunter herausfordernd, haben aber maßgeblich zum Erfolg dieses Projekts geführt.

Alle drei Projekte zeigen deutlich, wie soziale Stadtentwicklung Quartiere und Städte langfristig stark aufstellt. Wer lebendige, resiliente und gerechte Quartiere und Kommunen möchte, kommt an Gemeinwesenarbeit nicht vorbei. Gemeinwesenarbeit darf keine projekt-basierte „Zugabe“ sein, sondern muss als dauerhafte, kommunale Pflichtaufgabe in Sozial-raumplanung und Stadtentwicklung verankert werden. Sichtbar wird dabei auch, dass ressortübergreifendes und strategisch abgestimmtes Handeln ein erheblicher Erfolgsfaktor ist.
Die Servicestelle QuGe ist dabei ein wichtiges Unterstützungsinstrument: Sie vernetzt Akteure, vermittelt Wissen und Kontakte und erleichtert kooperative Arbeitsprozesse durch Erfahrungsaustausch und Netzwerkarbeit. Fiona Merfert, Projektmanagerin für Westsachsen in der Servicestelle Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit Sachsen beim Landesverband Soziokultur Sachsen e.V., sagte nach der Exkursion: „Unser heutiger Praxisausflug hat Gemeinwesenarbeit fühlbar, greifbar und erlebbar gemacht und zeigt deutlich, dass Grünau ein lebenswerter Stadtteil ist, der durch gezielten Fördermitteleinsatz seit Jahren kontinuierlich gestärkt wurde. Soziale Stadtentwicklung braucht die Finanzierung durch Fördermittel auch weiterhin, damit in den Quartieren Teilhabe aktiv gestaltet werden kann. Den Mehrwert aus jedem investierten Euro haben wir heute live erlebt!”.
Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Kraft gesellschaftlicher Veränderung oft im Kleinen beginnt – in offenen Türen, gemeinsamen Gesprächen, nachbarschaftlichen Initiativen und Orten der Begegnung. Die Begegnungen mit den engagierten Akteur*innen vor Ort machten deutlich, wie wertvoll diese Projekte für ein lebendiges Gemeinwesen sind. In Grünau befinden sich dank ESF Plus neun Vorhaben in den Bereichen “Soziale Integration” und “Informelle Kinder- und Jugendbildung”, die die Entwicklung des Stadtteils je nach individueller Laufzeit bis Ende 2027 zusätzlich unterstützen. „Es war heute gleichermaßen Höhepunkt und weitere Motivation für die Projektmitarbeitenden ihre gute Arbeit sachsenweit sichtbar zu machen. Das Programm ESF Plus ist eine wichtige Ergänzung zum Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt im Schwerpunktbereich der Integrierten Stadtteilentwicklung“, schließt Gerlinde Meyer, Programmbegleitung ESF Plus beim Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung Leipzig.
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