Die Oper Leipzig ehrt den Komponisten, Sänger und Schauspieler Albert Lortzing zu seinem 225. Geburtstag und 175. Todestag mit einem Festival. „Lortzing 26“ findet vom 24. April bis zum 3. Mai 2026 im Rahmen der jährlichen Festtage der Stadt Leipzig statt. In Leipzig wurden nicht nur zahlreiche seiner Spielopern uraufgeführt, sondern der Schöpfer von „Zar und Zimmermann“ stand auch selbst auf der Bühne und gestaltete das musikalische und politische Geschehen seiner Zeit streitlustig und volksnah mit.

Während der zehn Festivaltage „Lortzing 26“ sind im Opernhaus und in der Musikalischen Komödie zehn Aufführungen zu erleben, darunter gleich zwei Premieren: Albert Lortzings populäre Spieloper „Der Waffenschmied“, eine Verwechslungskomödie um Liebe und Status, und seine große Revolutionsoper „Regina“ – das Gewandhausorchester dirigiert von Constantin Trinks, die Regie in den Händen von Bernd Mottl.

Neben Repertoirewerken wie „Zar und Zimmermann“ und „Undine“ ist ein großes Konzert in Kooperation mit dem Internationalen Festival für Vokalmusik „a cappella“ und dem Ensemble amarcord zu erleben – „An den Frühling. Albert Lortzing und die deutsche Romantik“. Für Kinder gibt es zudem „Der kleine Zar“, eine von Jury Tetzlaff eigens entwickelte Version von „Zar und Zimmermann“.

Das vielseitige Rahmenprogramm umfasst über Kammer- und Chorkonzerte und ein Symposium der Musikwissenschaft hinaus auch einen Tanz in den Mai sowie ein Biedermeier-Frühstück mitsamt einer Open Stage für Chöre auf dem Augustusplatz – und ganz im Sinne des Tausendsassa Lortzing wird gefeiert!

Tobias Wolff, Intendant der Oper Leipzig, sagt zu diesem ganz besonderen Musikfest: „Albert Lortzing war über mehr als 100 Jahre einer der meistgespielten Opernkomponisten im deutschsprachigen Raum. Das war kein Zufall: Er war nah am Publikum wie nur wenige. In Leipzig hat er seine wichtigsten Werke geschrieben.

Mit unserem Festival wollen wir zeigen, wie viel Kraft, Witz und Gegenwart in seinen Werken bis heute steckt – mit vier großen Bühnenproduktionen, Bekanntem und Unbekanntem, einem wissenschaftlichen Symposium und offenen Formaten bis hin zur Open Stage. Besonders freue ich mich über die Kooperation mit dem a-cappella Festival.“

Wer ist Albert? Ausstellung und Vita

Vor fast 180 Jahren musste Albert Lortzing Leipzig verlassen, doch seine Musik ist untrennbar mit der Stadt verbunden. Hier lebte und arbeitete der Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und Dirigent am längsten und erschuf die meisten seiner Werke. Lortzing nahm rege am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil, sei es in den Freimaurerlogen oder gemeinsam mit Robert Blum bei der Wiederentdeckung des Leipziger Schillerhauses.

„Lortzing 26“ wirft ein Licht auf seine Wirkungsstätten und erinnert im Programm auch mit einem Audiowalk an verschwundene Lortzing-Orte, wie zum Beispiel das „Alte Theater“ auf dem heutigen Richard-Wagner-Platz. Eine Ausstellung in der Garderobenhalle des Opernhauses und eine kleine Installation in der Musikalischen Komödie spiegeln die Bedeutung des Ausnahmekünstlers für Leipzig und die Gesellschaft seiner Zeit.

Geboren am 23.10.1801 in Berlin, wuchs Gustav Albert Lortzing in einer Theaterfamilie auf. Schon als Jugendlicher avancierte er zum Publikumsliebling. Gemeinsam mit seiner 1824 geheirateten Kollegin Rosina Regina Ahles gehörte er ab 1826 zum Ensemble des Hoftheaters Detmold, das auch Münster und Osnabrück bespielte. Im November 1833 zog Albert Lortzing dann mit seiner wachsenden Familie nach Leipzig, da ihm dort eine Stelle als Schauspieler und Sänger am Stadttheater angeboten worden war.

Er feierte Erfolge vor allem in Komödien und engagierte sich politisch und gesellschaftlich – als Mitglied im Geselligkeitsverein „Tunnel über der Pleiße“, in dem sich die politische Opposition während des Vormärz traf, und in der Leipziger Freimaurerloge „Balduin zur Linde“.

Während seiner Leipziger Zeit komponierte Lortzing u. a. acht Opern, darunter auch seine wohl erfolgreichste Komposition „Zar und Zimmermann“, die 1837 am damaligen Stadttheater Leipzig ihre Uraufführung erlebte. Lortzing hatte auch das Libretto verfasst und spielte selbst Peter Iwanow. 1844 schließlich zum Kapellmeister ernannt, wurde er schon ein Jahr danach aus vermutlich finanziellen und persönlichen Gründen entlassen, vorgeschoben wurde eine rheumatische Erkrankung.

Nach verschiedenen Stationen in Wien und Berlin sowie einigen Gelegenheitskompositionen starb er verarmt am 21. Januar 1851 im Alter von erst 49 Jahren. Eine Aufführung seiner Revolutionsoper „Regina“ hat er nicht mehr erlebt, auch danach kam sie selten und nur zensiert auf die Bühne. Die erste unzensierte Aufführung fand 1998 in Gelsenkirchen statt.

Dennoch: Zwischen 1835 und 1850 war Albert Lortzing der bedeutendste deutsche Opernkomponist, und bis weit in die Nachkriegszeit hinein gehörten seine Opern zu den meistgespielten Werken auf deutschsprachigen Bühnen. Nicht sein einziges Vermächtnis! Die heutige Großfamilie Lortzing, seine direkte Nachkommenschaft, wird zur Premiere von »Regina« nach Leipzig anreisen.

Das volle Programm zu „Lortzing 26“ findet man hier.

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