Es ist Kirschenzeit. Und in kleinen Schalen locken sie beim Gang über den Frischemarkt: knallrot, herzförmig, glänzend vor Fülle – Süßkirschen, die man am liebsten gleich aus der Schale verputzen möchte, baden im Kirschenaroma. Und siehe da: Es gibt auch gleich noch ein Büchlein aus der Mini-Reihe des Buchverlags für die Frau, das sich ganz der beliebten Sommerfrucht widmet. Wie gehabt: mit einem kleinen Ausflug auch in die Geschichte.

Denn auch wenn man den Kirschbaum aus Omas Garten nicht wegdenken kann, ist auch die Kirsche, wie wir sie kennen, eine Einwanderin. Und das hängt mit einem römischen Feldherren zusammen, der die Lust am Schmausen schon im Namen trug: Lucius Licinius Lucullus. Seinen Feldzug gegen König Mithridates VI. nutzte er auch dafür, die in Kleinasien kultivierte Süßkirsche mit nach Rom zu bringen.

Und über die Römer kam die Kirsche dann auch nach Mitteleuropa. Samt ihrem Namen, den sie von der Hafenstadt Kerasus am Schwarzen Meer hat, dem Ort, wo irgendwann um 400 vor unserer Zeitrechnung die Süßkirsche kultiviert wurde.

Wenn man hierzulande im April die Kirschbäume blühen sieht, denkt man gar nicht mehr daran, dass auch die Süßkirsche erst mit den Römern zu uns kam. Dass die Kirsche aber etwas Besonderes ist, wird in vielen mehr oder weniger bekannten Festen gefeiert. Eins der berühmtesten ist das Hussiten-Kirschfest, das die Naumburger seit 1526 Ende Juni feiern. Das sollte man in diesem Jahr wohl nicht verpassen.

Anja Stiller aber erzählt nicht nur die Geschichte der Kirsche, von Festen und Brauchtümern, wertvollen Inhaltsstoffen und Kuriositäten (wie der Weltmeisterschaft im Kirschkern-Weitspucken), sie führt ihre Leserinnen und Leser auch in die Welt der Kirschsorten ein – Herzkirschen und Knorpelkirschen zum Beispiel und natürlich auch die Sauerkirschen, die ihre Hochzeit freilich erst im Juli und August haben und dann die Kuchenbäcker unter uns zur Hochform auflaufen lassen.

Kirschen in der Küche

Für die Besitzer eigener Gärten gibt es die nötigen Tipps für das Anpflanzen der richtigen Kirschsorte. Und dann geht es eigentlich – wie gewohnt in diesen kleinen Büchern – hinein in die Küchentipps und Rezepte, die natürlich nur eine kleine Auswahl dessen sein können, was man mit Kirschen so alles anstellen kann.

Und das geht mit Kirschen im Salat los, steigert sich zu Kirschschmarrn und Hähnchenkeulen mit Rosmarinkirschen und hört mit Gebackenem Camembert mit Kirsch-Chutney nicht auf.

Im Gegenteil: Beim Nachtisch wird die Kirsche erst recht zum Star, kommt als Sauerkirschauflauf auf den Tisch, als Kirsch-Clafoutis, Kirschcreme oder Schwarzwald-Kirsch-Dessert. Und da darf dann die Schwarzwälder Kirschtorte genauso wenig fehlen wie die Feinen Kirschschnitten oder Kirschkuchen direkt vom Blech.

Wer bei Kirschstrudel dann noch nicht hinschmilzt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Es sei denn, er will lieber selbst gemachtes Kirscheis oder nach der Erntesaison ein ganzes Regal voller selbst gemachter Kirschkonfitüre.

Nur losgehen und sich die leckeren Früchte besorgen, das muss man schon selbst. Vielleicht beim Lieblingshändler auf dem Frischemarkt. Oder – wer das Glück hat – beim Nachbarn, der seine reiche Ente teilt. Nur mausen sollte man nicht, auch wenn die Früchte übern Gartenzaun noch so locken.

Anja Stiller Kirschen Buchverlag für die Frau, Leipzig 2026, 6 Euro

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