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Es ist nur die Spitze des Eisbergs. Von Straßenbahnen, die durch Falschparker am Weiterfahren gehindert werden, konnten wir an dieser Stelle schon mehrfach berichten. Aber Falschparker behindern auch noch ganz andere Fahrzeuge. Das thematisierte zur letzten Ratsversammlung die Linksfraktion mit einer Anfrage.

„Immer öfter können Abfall- und Entsorgungsfahrzeuge der Stadtreinigung oder ALL Abfall Logistik in Wohngebietsstraßen nicht einfahren und entsprechend Abfallkalender bzw. Entsorgungsplan die bereitgestellten Tonnen leeren, weil widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge die Einfahrt oder Durchfahrt verhindern“, leitete die Linksfraktion ihre Anfrage ein.

Und wollte dann doch genaue Zahlen haben.

„Wie oft sind im Jahr 2025 und in den Monaten Januar bis einschließlich Mai 2026 Restabfall-, Bioabfall- oder Papier-Tonnen im Stadtgebiet und den Ortsteilen nicht geleert worden, weil die Zufahrt durch ‚Falschparker‘ verhindert wurde und in welchen Wohngebieten kam es dabei ggf. zu Häufungen?“, fragte sie also.

Denn wenn die Sammelfahrzeuge in schmale Straßen nicht einfahren können, betrifft das meist die komplette Straße, in der der Müll dann nicht abgeholt werden kann. Die Sammelfahrzeuge fahren ihre geplante Route dann einfach weiter, die Anwohner gucken in die Röhre.

Oder rufen dann bei der Stadtreinigung an, um eine Nachentsorgung zu bekommen.

330 Nachentsorgungen 2025

In der Antwort des Umweltdezernats heißt es dazu: „Im genannten Zeitintervall wurden insgesamt 330 Nachentsorgungen aufgrund von ruhendem Verkehr aufgezeichnet, 284 hiervon im Segment Restabfall und 46 im Segment Bioabfall. Zur Papierfraktion liegen uns keine Daten vor.

Generell kann gesagt werden, dass solche Situationen mit Falschparkern in allen Wohngebieten mit engen Straßen im gesamten Stadtgebiet von Leipzig vorkommen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob nur ein Auto oder mehrere Autos ordnungswidrig parken.“

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, denn die Nachentsorgungen sind kostenpflichtig. Da hüten sich Hausbesitzer wohlweislich, jedes Mal, wenn das Abfallfahrzeug nicht durchkommt, eine Nachentsorgung zu bestellen.

Nur: Die Nichtentleerungen werden dann auch nirgendwo registriert.

Das Umweltdezernat dazu: „In allen unter Frage 1 genannten Fällen mussten Sonderfahrten durchgeführt werden, da die Verkehrsbehinderungen nur in diesem Zusammenhang statistisch erfasst werden. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass Sonderfahrten nicht das Standardverfahren des EB SRL sind. Diese Sonderfahrten werden nur nach Anforderung durchgeführt. D. h., wenn eine Leerung an einem Grundstück nicht durchgeführt werden kann, fällt diese Leerung aus und der Bürger kann eine Sonderleerung beauftragen, welche gebührenpflichtig ist.“

Anruf beim Ordnungsamt

Da werden die meisten Hausbesitzer ihre nicht entleerten Tonnen doch wohl lieber zähneknirschend wieder aufs Grundstück gerollt haben.

Andere werden frustriert das Ordnungsamt angerufen haben. Denn um die Falschparker muss sich ja das Ordnungsamt kümmern.

Pech für die Linksfraktion: Diese speziellen Zahlen kann das Ordnungsamt dann wieder nicht liefern.

„Vorabmeldungen durch Bürgerinnen und Bürger stellen nicht den Regelfall dar und beschränken sich auf wenige Einzelfälle. Häufig gehen entsprechende Hinweise erst dann bei der Einsatzstelle ein, wenn festgestellt wurde, dass die Abfallbehälter aufgrund eines Parkverstoßes nicht entleert werden konnten. Die Bürgerinnen und Bürger erkundigen sich dann, welche weiteren Maßnahmen sie ergreifen können“, so das Umweltdezernat in seiner Antwort.

„Eine detaillierte Recherche hierzu ist nur sehr eingeschränkt und händisch möglich, da die Anwendung WinOWiG keinen entsprechenden Filter bietet. Zudem werden die in diesem Zusammenhang gemeldeten Parkverstöße nicht gesondert erfasst, sondern wie alle anderen Parkverstöße behandelt. Sie erfahren in der Regel keine gesonderte Priorität. Der Aufwand einer händischen Recherche und Auswertung steht nicht im Verhältnis zum Nutzen und wird daher nicht durchgeführt.“

Mit mäßigem Erfolg

Man kann davon ausgehen, dass diese Zahlen deutlich höher liegen als die Zahl der registrierten Nachentsorgungen.

Und das Problem ist nicht neu. 2023 hat die Stadt extra eine Arbeitsgruppe „Schmale Straßen“ gegründet, um nach Lösungen für dieses Problem zu suchen. 200 Straßen in Leipzig fallen unter diese Definition. In einigen wurden dann extra Schilder angebracht, die auf die zu gewährleistende Durchfahrt von Feuerwehr und Müllabfuhr hinweisen.

„Um dennoch eine Lösung für das Problem zu finden, wurde in der Vergangenheit bereits ein Pilotprojekt durchgeführt, bei welchem mit Hinweistafeln auf das ordnungsgemäße Abstellen von Fahrzeugen zur Gewährleistung der Müllabfuhr oder der Feuerwehr hingewiesen wurde“, teilt das Umweltdezernat mit, um dann nüchtern festzustellen: „mit mäßigem Erfolg.“

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Es gibt 3 Kommentare

„Früher“, als die Mülle noch mit schmalen Pferdefuhrwerken abgeholt wurden, hatten die Pappnasen links und rechts der schmalen Straßen gar keine Autos. Damals gings dann auch nur um die Ecke bis zum nächsten Deponieberg. Heute sind die Wege weiter, die Crew kann währenddessen nicht sammeln, muss dafür aber eine Maut zahlen. Mit kleinen Sammelfahrzeigen ist dieser kostenintensive „Leerlauf“ dann auch noch öfter. Wenn die lieben Schmalstraßenanreiner dann erfahren, dass sie deswegen mehr Geld für die Leistung bezahlen müssen, ist das Gejammer auch wieder groß.
Und generell: dieses ewige Gejammere immer erfreut Friedrich nicht.

Mit dem letzten Satz könnten Sie sogar Recht haben.

Seit den 1950er-Jahren sind Pkw in allen Dimensionen massiv gewachsen, wobei die durchschnittliche Breite bis zu 25 Zentimeter, die Länge um rund 50 Zentimeter und die Höhe (besonders bei SUV) deutlich zugenommen haben.
Während also ein Pkw um 1950 eine Breite von ca. 1,60 Metern besaß, liegt der Durchschnitt heutiger Gefährte bei über 1,80 Metern – ohne Außenspiegel!. Mit Spiegeln übertreffen die meisten modernen Autos die 2-Meter-Marke.
Reguliert hat das leider niemand, oder sinnvolle Grenzen gesetzt.

Wenn ihre Straße mitgewachsen wäre, hätten sie nun auch kein Problem mit dem evtl. etwas breiteren Müllfahrzeug.
(Vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob solche breiten Pkw in Autobahnbaustellen eigentlich die 2m-Spuren benutzen dürfen. Oft nötigen solche Pkw die danebenfahrenden Pkw durch ihre Drängelei in der schmalen Spur. Das erlebe ich oft.)

Das Problem wurde von der Stadtreinigung mit verursacht, indem deutlich größere Fahrzeuge angeschafft wurden, welche nicht mehr die vielen engen Straßen befahren können. Es wurde dann ohne Vorwarnung der Bewohner die Abholung eingestellt, obwohl es jahrelang vorher kein Problem war. Aussage der Stadtreinigung: Die Tonnen können ja an die nächste größere Straße gebracht werden. Was also schon ewig funktioniert hat, wird jetzt als Falschparker deklariert. Theoretisch dürften dann in den 200 Straßen gar keine Fahrzeuge mehr parken.

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