Zum Wochenstart dreht sich alles ums Träumen. In Leipzig scheiterte der eines Immobilien-Moguls, den andere aber fortsetzen können. Im unweiten Erzgebirge platzte der Traum eines Neonazis auf den Wahlsieg – und wer seine Anmeldung zum Einbürgerungstest noch rechtzeitig abgibt, kommt seinem Traum, hier zu leben, vielleicht etwas näher.
Gröners Vision sucht neuen Träumer
Der Traum von einer eigenen Fabrik. Großzügiger Wohnbereich, lange Tafeln für opulente Feiern, eine extra Halle, um die Segelboote winterfest zu lagern, Raum für die Gemäldesammlung – und ein eigenes Pförtnerhäuschen, an dem der lokale Bäcker die frischen Sonntagsbrötchen abgibt. Heute könnte die Vision wahr werden!
Unter dem Aktenzeichen 456 K 51/24 kommt am Leipziger Amtsgericht ein großflächiges Industrieareal im Rahmen einer Zwangsvollstreckung zur Versteigerung. Das Grundstück an der Dortmunder Straße 18 und der Rosenowstraße 13 in 04357 Leipzig umfasst 29.055 Quadratmeter und ist mit mehreren Gebäuden unterschiedlicher Nutzungsarten bebaut. Zu dem Ensemble gehören unter anderem eine große Lagerhalle, eine Montagehalle sowie ein Bürogebäude.
Die Ursprünge des Standorts reichen bis ins Jahr 1920 zurück. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage durch mehrere Hallenanbauten erweitert. Für das Areal hatte einst der Unternehmer Christoph Gröner große Pläne. Darüber hatte zunächst die Leipziger Volkszeitung berichtet. Unter dem Namen „4Work“ sollte dort ein modernes Quartier mit einem „Nutzungsmix aus Produktion, Büro, Bildung und Apartment-Hotel“ entstehen. Eine Broschüre der einstigen Gröner-Gruppe bezifferte das Investitionsvolumen vor wenigen Jahren auf 180 Millionen Euro und kündigte eine „Realisierung bis 2025“ an. Beide Ziele wurden nicht erreicht. Gröners Träume platzten.
Nach den Feststellungen des aktuellen Gutachtens befindet sich die vorhandene Bebauung inzwischen in einem schlechten Zustand. Darin heißt es: „Alle Gebäude sind instandsetzungsbedürftig, Innenausbau und Gebäudetechnik weitestgehend verschlissen, demontiert oder zerstört.“ Die Hallen selbst stehen nicht unter Denkmalschutz.
Aber auch das eingangs beschriebene Bild könnte böse Kratzer bekommen. Denn ausgerechnet das Pförtnerhäuschen gilt laut Gutachten als abrisswürdig. Ob sich dann ein schneller Aufbruch zu dem 11:00 Uhr Termin noch lohnt?
Christoph Gröner zählt zu den bekanntesten Immobilienunternehmern Deutschlands. 1968 in Karlsruhe geboren gründete er bereits 1989 während des Studiums eine Firma für Bauhelfer. Seinen unternehmerischen Aufstieg begann er 1995 in Leipzig mit einem eigenen Bauunternehmen, aus dem später die CG Gruppe hervorging. Bundesweit bekannt wurde Gröner durch die Sanierung von Altbauten, die Entwicklung ehemaliger Industrieareale und die Realisierung großer Wohnungsbauprojekte.
2010 verlagerte die CG Gruppe ihren Firmensitz nach Berlin, ehe sie 2020 in Consus Real Estate aufging. Anschließend setzte Gröner seine geschäftlichen Aktivitäten unter anderem mit der Gröner Group GmbH sowie weiteren Projektgesellschaften fort. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmensgeflecht jedoch zunehmend unter Druck. Als Ursachen gelten die Immobilienkrise, gestiegene Zinsen, schleppende Verkäufe sowie Konflikte mit Finanzierern. Am 26. Mai 2025 eröffnete das Amtsgericht Leipzig ein Insolvenzverfahren über die Gröner Group GmbH.
Neonazi scheitert im Erzgebirge
Umfragen auf Landes- und Bundesebene prophezeien der AfD beträchtliche Gewinne. An der Basis, in den Gemeinden, also dort, wo es konkret wird, scheint das Vertrauen in die Rechtsaußen-Partei eher gering zu sein. In den letzten zwei Jahren hat die um ihre in der Schweiz lebende Vorsitzende Alice Weidel organisierte Partei nur drei Bürgermeisterwahlen gewinnen können, deutlich mehr als 30 aber verloren.
Nachdem ihr Kandidat für die Bürgermeisterwahl auch in Aue-Bad Schlema überholt wurde, erhofften sich die zunächst erstplatzierten sogenannten „Freien Sachsen“ (wie die AfD unter Beobachtung des Verfassungsschutzes) im zweiten Wahlgang Schützenhilfe ihrer Gesinnungsgenossen mit dem roten Pfeil (LZ berichtete). Doch die Hoffnung zerplatzte am gestrigen Abend. Neonazi Stefan Hartung verliert die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Marcus Hoffmann.
Gegenüber BILD sagte Hoffmann am Abend: „Ich gebe die ‚Freien Sachsen‘-Wähler nicht auf, ich werde sie zurück ins Boot holen. Dafür muss ich jetzt transparent sein und überzeugen. Meine Strategie ist Ehrlichkeit.“
Aue-Bad Schlema ist eine Erzgebirgsstadt mit knapp 20.000 Einwohnern, die vom Strukturwandel nach dem Ende des Bergbaus geprägt ist. Die Arbeitslosigkeit liegt dort mit rund acht Prozent spürbar über dem Bundesdurchschnitt. Bekanntester Botschafter der Stadt ist der FC Erzgebirge Aue, der viele Jahre in der 2. Bundesliga spielte, 2022 jedoch in die 3. Liga abstieg.

Der Weg in die neue Heimat
In Deutschland ein neues Zuhause finden: viele Menschen riskieren alles, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eine Aufgabe auf dem Weg zur Deutschen Staatsbürgerschaft ist nach vielen Wirren und Mühen der Einbürgerungstest. Wer daran am 4. Juli 2026 teilnehmen möchte, hat nur noch heute die Chance, sein Kommen anzumelden.
Nach Angaben der Volkshochschule (VHS) ist die Anmeldung ausschließlich persönlich am entsprechenden Service-Punkt möglich. Voraussetzung ist, dass die vollständigen Anmeldeunterlagen eingereicht sind und die Prüfungsgebühr bereits entrichtet wurde. Kurzentschlossene können dies noch heute in der Löhrstraße 3–7 beziehungsweise am Service-Punkt in der Löhrstraße 5 erledigen. Der Service ist von 10:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. Für die Anmeldung werden ein gültiges Personaldokument sowie die Prüfungsgebühr in Höhe von 25 Euro benötigt, die direkt vor Ort bezahlt werden muß.
Der Einbürgerungstest selbst findet dann am 4. Juli um 13:30 Uhr und um 15:00 Uhr statt. Er umfaßt 33 Fragen, für deren Beantwortung 60 Minuten zur Verfügung stehen. Als bestanden gilt die Prüfung, wenn mindestens 17 Fragen richtig beantwortet werden. Zur Vorbereitung stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen offiziellen Online-Fragenkatalog bereit.
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