This article is also available in English: Read this article in English.

Historisch niedrige Pegelstände nicht nur in deutschen Flüssen, wie dem „Vater Rhein“, Anfang Juli 2026 zeigt der Oberboden in 20–30 cm Tiefe in den meisten Regionen Deutschlands trockene bis sehr trockene Verhältnisse und mit der Novelle des EEG soll der „Maisdeckel“ angehoben werden. Wie passt das zusammen?

Schauen wir uns die ersten zwei Behauptungen an. Die niedrigen Pegelstände der Flüsse sollten an niemandem vorbeigegangen sein, sämtliche Medien zeigen „spektakuläre Bilder“. Der Spiegel meldete am 1. August 2026 den historischen Tiefstand des Rheinpegels in Köln mit 67 Zentimetern, zum Vergleich nehmen wir die Standardbadewanne, diese ist 45 Zentimeter tief. Der Rhein hat also bei Köln eine Tiefe von „22 Zentimeter über Badewannenrand“, das ist wirklich nicht viel.

Die Bodenfeuchtigkeit, also Behauptung zwei „Es ist zu trocken“, hängt von den Niederschlägen ab. Hier meldet der Deutsche Wetterdienst für das Frühjahr 2026: „Im Frühjahr 2026 fielen bundesweit rund 126 Liter pro Quadratmeter (l/m²) an Niederschlag. Damit erreichte die Saison nur etwa 68 Prozent des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990 (186 l/m²); gegenüber 1991 bis 2020 (171 l/m²) waren es rund 74 Prozent. Besonders trocken verlief der April, der nur gut die Hälfte seines Niederschlagssolls erreichte.“

Kommen wir zu Behauptung 3. Mit dem EEG 2027 welches am 29. Juli vom Kabinett beschlossen wurde, wird der „Maisdeckel“ von bisher 25 auf 30 Prozent angehoben. Das steht in Paragraph 39i, Absatz 1, der jetzt lautet: „Ein durch einen Zuschlag erworbener Anspruch nach § 19 Absatz 1 für Strom aus Biogas besteht nur, wenn der zur Erzeugung des Biogases eingesetzte Anteil von Getreidekorn und Mais in jedem Kalenderjahr insgesamt höchstens 30 Masseprozent beträgt. Als Mais im Sinn von Satz 1 sind Ganzpflanzen, Maiskorn-Spindel-Gemisch, Körnermais und Lieschkolbenschrot anzusehen.“ Der § 19 regelt den Zahlungsanspruch des Anlagenbetreibers gegenüber dem Netzbetreiber. Im Klartext bedeutet die Änderung, dass mehr Mais, nach o.g. Definition, eingesetzt werden darf und der Strom aus diesem Biogas dann trotzdem vergütet wird.

Maisdeckel, Änderung im EEG 2027. Screenshot: LZ

Sind 5 Prozent mehr Mais ein Problem?

Schauen wir uns das an. Im Jahr 2023 wurde Mais für Biogas auf 896.000 Hektar angebaut, die Gesamtanbaufläche für „Energiepflanzen“ lag, allein für die Biogasproduktion, bei 1.374.100 Hektar. Bei 18 Millionen Hektar Fläche für die Landwirtschaft in Deutschland mag das nach nicht viel klingen. Allerdings gehören zu der gesamten Landwirtschaftsfläche auch die Flächen für Obst- und Weinanbau, Futterpflanzenanbau, Flächen für Viehzucht und für den Anbau von Brotgetreide und anderen Nahrungsmitteln. Bei fünf Prozent mehr Mais in Biogasanlagen würde die benötigte Fläche um etwa 44.800 Hektar steigen. Vielleicht ließe sich der Flächenverbrauch durch den Einsatz von Gentechnik oder ähnlichem senken, das ist aber Spekulation.

Maisanbau aus der Perspektive eines Betriebs mit Biogasanlage. Screenshot: LZ

Diese fünf Prozent sind aber nicht das eigentliche Problem, der „Maisdeckel“ dient nur zur Illustration.

Die Bio-Treppe im GModG

Die Energieversorgung, egal ob Strom oder Heizung, soll ja nach den Träumen unserer Wirtschaftsministerin und aller Befürworter des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GmodG) mittels einer Bio-Treppe klimafreundlich werden. Der Name „Bio“ sagt es schon, hier geht es um „CO₂-neutrale Brennstoffe“ und „Biokraftstoffe“. Das wiederum bedeutet einen höheren Anteil von „Energiepflanzen“ bei den landwirtschaftlichen Produkten, sowohl den Flächen- als auch den Wasserverbrauch betreffend. Da bleibt es dann nicht bei den fünf Prozent wie beim Mais, da geht es um höhere Beträge.

Bio-Treppe, Mindestanteil grüner Brennstoffe. Screenshot LZ

Fazit: Diese Regierung ist momentan dabei den Anschein einer klimafreundlichen Politik mit Biogas und Bio-Treppe zu vermitteln. Allerdings plant sie damit einen Ressourcenverbrauch an Flächen, die nicht wachsen, und an Wasser, welches immer knapper wird, der diese Politik vollkommen ad absurdum führt. Das Ganze geschieht nur aus fossil-ideologischen Gründen, laut denen die Profite der Fossil-Industrie wichtiger sind als eine intakte Natur und das Überleben aller Arten, inklusive der Menschheit.

Ein Hinweis noch zum Pegelstand der Flüsse. Selbstverständlich sind die Fahrrinnen tiefer als der einleitend genannte Kölner Pegelstand. Aber auch dort ist die Wassertiefe unzureichend für voll beladene Flussschiffe. Die Forderung nach einer weiteren Vertiefung der Fahrrinne des Rheins ist aber völlig sinnfrei. Bemühen wir noch einmal die Badewanne, für ein Vollbad braucht man etwa 130 Liter Wasser. Hat man nur 80 Liter, dann hilft es nicht eine tiefere Badewanne zu kaufen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar