Das arme Glück wurde in den vergangenen Tagen oft gebeutelt, es scheint ein wichtiger Faktor zu sein. Gebraucht wirds heute vor allem für alle, die noch den Reiseberichten von Farin Urlaub lauschen wollen. Eher unglücklich (im Sinne von reibungslos) sieht es in der Poltitik aus – womit sich heute gleich zwei Veranstaltungen befassen. Und im Museum begegnen wir einem Begründer der Leipziger Schule.
Kran verscheucht Bus
Noch bis zum 9. September müssen sich Fahrgäste der Buslinie 77 im Leipziger Osten auf einen veränderten Fahrweg einstellen. Grund ist nach Angaben der Leipziger Verkehrsbetriebe eine Kranstellung in der Plaußiger Straße.
Die LVB beschreiben die Auswirkungen auf den Busverkehr so: „Linie 77 verkehrt zwischen den Haltestellen Sellerhausen, Emmausstraße und Zweenfurther Straße mit Umleitung und bedient in Richtung Stünz eine Ersatzhaltestelle Cunnersdorfer Straße in der Cunnersdorfer Straße.“ Eine konkrete Uhrzeit für die Aufhebung der Umleitungsstrecke am Mittwoch wird seitens der Verkehrsbetriebe derzeit nicht angegeben.
Anhalt-Wahl wird Kneipen-Thema
Kaum eine Wahl der jüngeren deutschen Zeitgeschichte dürfte die Gemüter so erhitzen wie die Landtagswahl am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt. Und so widmet sich nur zwei Tage nach dieser Abstimmung die Leipziger Veranstaltungsreihe „Wissen in Leipzig: Das Kneipengespräch“ von 18:00 bis 20:00 Uhr in einer öffentlichen Gesprächsrunde der Frage: „Protestwahl oder Zeitenwende? Analysen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt“.
Besprochen werden mögliche Folgen der Wahl für Sachsen-Anhalt und Deutschland. An der Diskussion beteiligt sich Dr. Hendrik Träger vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören Parteien und Wahlen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene sowie Entscheidungsprozesse im deutschen Föderalismus.
Ebenfalls dabei ist Dr. Alexander Leistner vom Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Der Soziologe und Kulturwissenschaftler beschäftigt sich unter anderem mit Demokratie und gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Ostdeutschland.
Bei „Wissen in Leipzig: Das Kneipengespräch“ kommen Bürgerschaft und Wissenschaftler außerhalb des Hörsaals ins Gespräch, wie die veranstaltende Uni Leipzig ausweist. Das Format setzt nach Angaben der Universität nicht auf eine klassische Hochschulvorlesung, sondern auf einen Austausch in entspannter Atmosphäre, bei dem es auch Gelegenheit gibt, Fragen zu stellen und diese zu diskutieren.
Die heutige Runde lädt in die Gaststätte Gambrinus ein (Odermannstraße 12, 04177 Leipzig-Alt-West). Der Eintritt ist frei.

Parteilose verändern Kommunalpolitik
Ebenfalls mit Politik befasst sich diese Runde heute Abend im Zeitgeschichtlichen Forum: Unter dem Titel „Zwischen politischer Entfremdung und lokaler Mitbestimmung“ geht es um die wachsende Bedeutung parteiunabhängigen Engagements in Sachsen. Ab 19 Uhr spricht Dr. Johannes Kieß vom Else-Frenkel-Brunswik-Institut zum Thema „Rolle von Wählervereinigungen auf lokaler Ebene“.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich die politische Landschaft in sächsischen Kommunen verändert, wenn Wählervereinigungen sowie unabhängige Kandidatinnen und Kandidaten an Bedeutung gewinnen und in einigen Gemeinden etablierte Parteien zunehmend verdrängen. Dr. Kieß forscht unter anderem zu politischen Einstellungen, demokratischer Kultur, antidemokratischer Mobilisierung und Rechtsextremismus. Zudem arbeitet er an einer Leipziger Autoritarismus-Studie.
Nach seinem Vortrag diskutiert er mit Kerstin Körner, Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde. Körner ist seit 2019 Oberbürgermeisterin und gehört der CDU an. Bei ihrer Wiederwahl im Mai 2026 trat sie jedoch als unabhängige Kandidatin an und verteidigte ihr Amt mit 77,4 Prozent der Stimmen. Im Anschluss ist eine offene Diskussion vorgesehen, bei der das Publikum in den Austausch über die Folgen der beschriebenen Entwicklungen für Bürgernähe und kommunale Demokratie einbezogen werden soll.
Das Zeitgeschichtliche Forum befindet sich in der Grimmaischen Straße, links neben der Mädler-Passage. Sehr gut zu erkennen an der davorstehenden monumentalen Plastik „Der Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer.

Reisen bis der Arzt kommt
Der als Jan Vetter geborene Musiker Farin Urlaub ist einer der drei Köpfe der Berliner Punkrockband „Die Ärzte“ und gewann mit ihr unter anderem den World Music Award. Doch längst ist er auch als Solist, Autor und Fotograf bekannt. Passend zum Künstlernamen reist er gern und spricht darüber heute Abend um 19:30 Uhr im Felsenkeller mit dem Autor Jochen Schliemann.
Im Mittelpunkt stehen persönliche Erfahrungen von unterwegs: Urlaub und Schliemann sprechen über Reiseerlebnisse und zeigen dazu Fotos. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Farin Urlaubs jahrzehntelange Reisen durch Afrika. Nach Angaben auf seiner offiziellen Website hat der Musiker dort mehr als 40 Länder bereist, teils auf eigene Faust, teils mit Guide sowie per Motorrad oder Geländewagen. Schliemann wird dort als Journalist, Reisender, Schriftsteller und als die eine Hälfte von „Reisen Reisen – Der Podcast“ vorgestellt.
Damit erwartet das Publikum kein Konzert, sondern ein Gesprächs- und Bilderabend über das Unterwegssein. Und ebenso wie man für das Reisen Glück gebrauchen kann, ist das auch heute Abend vonnöten. Denn der Saal ist ausverkauft. Einzig zurückgegebene oder nicht abgeholte Karten könnten noch für Einlass sorgen.

Mitbegründer der Leipziger Schule: Müller im Rathaus
Ab heute sind im Alten Rathaus frühe Arbeiten des Leipziger Malers und Bildhauers Gerhard Kurt Müller zu sehen. Die Ausstellung „Frühe Ansichten“ ist ab 10 Uhr im zweiten Obergeschoss zugänglich. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, der Besuch ist kostenfrei. Das Stadtgeschichtliche Museum zeigt die Ausstellung bis zum 17. Januar 2027 und erinnert damit zugleich an den bevorstehenden 100. Geburtstag des Künstlers.
Gerhard Kurt Müller wurde am 1. Oktober 1926 in Leipzig-Probstheida geboren und starb am 16. Oktober 2019 in Leipzig. Die gezeigten Arbeiten sind Schenkungen der Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung. Sie veranschaulichen nach Angaben des Stadtgeschichtlichen Museums die Bedeutung der Stadtlandschaft im Schaffen Leipziger Maler, wobei sich Müller später von diesem Motivfeld abwandte.
Müllers Verbindung zur Leipziger Kunstgeschichte reicht bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück. 1944 wurde er als 17-Jähriger in den Krieg geschickt und blieb bis 1948 in Kriegsgefangenschaft. Diese Erfahrungen verarbeitete er nach Angaben des Museums zeitlebens künstlerisch. Ab 1948 studierte er an der späteren Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), an der er dann selbst Professor und zeitweise Rektor wurde.
Das Stadtgeschichtliche Museum zählt Müller zu den Mitbegründern der Leipziger Schule. Sein späteres Schaffen charakterisiert das Museum als kraftvoll und abstrahierend und verweist auf Einflüsse von Expressionismus und Kubismus sowie auf Müllers besondere Nähe zur französischen Kultur und Literatur.

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