Es ist seit „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner ein beliebtes Rezept für Kinderbücher, in denen ein Geheimnis aufgeklärt werden soll. Oder ein fieser Ganove ertappt werden muss. Kleine naseweise Stöpsel nehmen sich ein Vorbild an Sherlock Holmes oder – wie in diesem Fall – an Meisterdetektiv Marc Jörgensen, dem Urgroßonkel von Marie, die mit Max zusammen die Baumhaus-Detektei betreibt.

Ach ja: Fritzi nicht zu vergessen, das Frettchen, das mit seinem feinen Näschen die richtigen Spuren noch viel schneller findet als Marie und Max. Auch wenn es um eine verschwundene Lerche geht.

Lerche ist in diesem Fall ein braunes Rennpferd, mit dem seine Besitzerin Leni eigentlich am nächsten Tag am großen Rennen auf der Rennbahn Scheibenholz teilnehmen wollte. Doch Lerche ist über Nacht aus dem Stall verschwunden und es sieht ganz so aus, als wären hier finstere Gesellen am Werk gewesen.

Im nahen Clara-Zetkin-Park finden sich erste Spuren. Am Stadthafen hat jemand den ganzen Apfelvorrat geplündert. Lerche ist – wie es aussieht – ganz versessen auf knackige grüne Äpfel. Es ist nur die Frage: Wer ist da in der Nacht mit dem Pferd durch die Stadt gejagt?

Vielleicht gar durch den Zoo, wo es ja bekanntlich an Tieren wimmelt. Und einige davon sehen zumindest so ähnlich aus wie Pferde. Hat jemand das geklaute Rennpferd dort versteckt? Bei den Giraffen? Den Zebras? Oder gar im großen Vogelhaus?

Lerchen, die man essen kann?

Fragen über Fragen, denen Marie, Max und Fritzi nachjagen. Denn die Zeit drängt. Morgen ist Renntag.
Und was hat Lerches Verschwinden mit dem großen Jubiläums-Lerchenfest in der Leipziger City zu tun? Überall laden Plakate ein.

Die Leipziger Bäckerinnung feiert das Leipziger Traditionsgebäck ganz groß, das natürlich auch Lerche heißt. Leipziger Lerche eben. Und Ortsfremde kann man mit der Geschichte regelmäßig in Verlegenheit bringen, weil die natürlich nicht wissen, warum die Leipziger Lerche Leipziger Lerche heißt und was sie mit den richtigen Lerchen zu tun hat, die es in Leipzig einst in Scharen gegeben haben muss.

Da kommen die drei kleinen Detektive des Rätsels Lösung natürlich Stück für Stück näher. Nur dem Rennpferd gleichen Namens irgendwie nicht. Das ja doch eigentlich auffallen müsste, wenn jemand damit einfach so durch die Stadt reiten würde. Denn Pferde gehören ja seit Ewigkeiten nicht mehr zum Stadtbild. Aber nirgends eine weitere Spur.

Aber in Kinder-Krimis wird das Rätsel natürlich am Ende gelöst. Locker und mit ein bisschen Phantasie. Denn wenn man weiß, wo es Rennpferde mit dem Namen Lerche an schönen Tagen für gewöhnlich hinzieht, dann findet man sie auch, wenn die Uhr tickt, die Sonne scheint und morgen großer Renntag ist.

Und man bekommt dann auch noch ein ordentliches Geständnis, das dann endgültig aufklärt, warum das brave Pferdchen des Nachts aus dem Stall verschwunden ist. Die Auflösung ist natürlich nicht die, die man sich bei der Jagd durch die Stadt so gedacht hat.

Und einen Nachtisch gibt es natürlich auch. Die ganze Aufregung soll ja nicht vergebens gewesen sein. Großes Finale auf der Rennbahn Scheibenholz. Und ein paar Leipziger Lerchen natürlich. Belohnung muss sein.

Janina Woyach Das Geheimnis der Leipziger Lerche Buchverlag für die Frau, Leipzig 2026, 15,95 Euro

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