Nach der mutmaßlichen Amokfahrt durch die Innenstadt steht Leipzig unter Schock. Am Abend kamen Bürgerinnen und Bürger zusammen, stellten vor der Polizeiabsperrung an der Grimmaischen Straße Kerzen auf. Noch immer sind Ermittler zwischen Augustusplatz und Thomaskirche im Einsatz, um den Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Unterdessen wird mehr und mehr zum Täter und die Amokfahrt bekannt.

Was über den Täter bekannt ist

Die Rettungskräfte hatten den Tatort noch nicht verlassen, als in den Sozialen Medien die Gerüchte hochkochten, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Die Aussage eines französischen Senders wurde verbreitet, es handele sich um einen Mann afghanischer Abstammung. Prüfungen ergaben, dass es diesen Sender in der kolportierten Form nicht gibt.

In Leipzig machte da schon längst eine andere Variante die Runde.

Nach Informationen von WELT.DE soll es sich bei dem Tatverdächtigen mutmaßlich um den Leipziger Kinder-Boxtrainer Jeffrey K. handeln, von dem im Internet zahlreiche Bilder verbreitet sind. Zudem kursiert ein Video, das den Moment der Festnahme zeigen soll. Offizielle Bestätigungen sowohl zur Echtheit der Aufnahmen als auch zur Identität des Mannes liegen bislang jedoch nicht vor.

Weiter heißt es, der Festgenommene sei in Deutschland geboren, polizeibekannt und habe sich bei seiner Festnahme in einem psychischen Ausnahmezustand befunden. Die Tat wird demnach derzeit weder der politisch motivierten Kriminalität links, rechts noch islamistisch zugeordnet, vielmehr deuten die Hinweise in Richtung einer „Beziehungstat“, wie das Nachrichtenportal konstatiert.

In einer gemeinsamen Erklärung machten Staatsanwaltschaft und Polizei auch konkrete Aussagen zu den Opfern der Tat: „Bisherigen Ermittlungen zufolge fuhr der 33-Jährige mit einem VW Taigo die Grimmaische Straße vom Augustusplatz kommend in Richtung des Marktes und darüber hinaus. Mit seinem Fahrzeug erfasste er mehrere Personen. Zwei wurden dabei so schwer verletzt, dass sie wenig später verstarben. Bei den beiden Toten handelt es sich um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann (beide deutsche Staatsangehörige). Eine abschließende Aussage zur Anzahl der Verletzten kann derzeit nicht getroffen werden.“

Kerzen und Blumen. Leipzig trauert nach der Amok-Fahrt. Foto: Lucas Böhme

LZ spricht mit Zeugin über die Festnahme

Am Nachmittag des 4. Mai 2026 sitzt eine junge Frau auf einer Bank, den Rücken der Thomaskirche zugewandt. Plötzlich vernimmt sie ein für diesen Ort völlig untypisches Geräusch. „Ich hörte ein Heulen, als würde sich eine Auto-Ralley nähern“, berichtet die Zeugin, die ihren Namen nicht nennen möchte, am heutigen Abend gegenüber LZ.

Und pötzlich sieht sie ein beige farbenes Fahrzeug vor sich, auf dessen Motorhaube eine Frau liegt.

„Obwohl es eine bedrohliche Szene war, spürte ich plötzlich keinerlei Angst.“ Sie rennt zu der Frau, die durch die Bremsung offenbar auf die Straße gefallen war und erkennt sofort Entstellungen im Knochenbereich. Im Fahrzeug will sie einen Mann gesehen haben, der panisch wirkt und sich auf den Beifahrersitz bewegt.

Nach Beobachtung der Zeugin war zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe von etwa fünf oder sechs offenbar aus dem Ausland stammenden jungen Männern aus dem Park vor der Thomaskirche gestürmt und habe das Fahrzeug umstellt. „Dort sitzen am Nachmittag oft Geflüchtete, unterhalten sich und tauschen sich aus“, berichtet die junge Frau.

Dem mutmaßlichen Amokfahrer ist es so nicht mehr möglich, das Auto zu verlassen und zu fliehen. Die eintreffenden Beamten nehmen ihn fest.

Polizei bittet um Mithilfe

Die Polizeidirektion Leipzig hat ein Hinweistelefon und das Landeskriminalamt Sachsen ein Hinweisportal eingerichtet. Zeuginnen und Zeugen, die sich gegen 16:45 Uhr in der Leipziger Innenstadt befanden und Hinweise zum Hergang, dem Fahrzeug oder dem Fahrzeugführer machen können, werden gebeten dies unter folgender Nummer oder folgendem Link zu tun:Hinweistelefon: 0341 966 46666

Leipzigs größte Fußgängerzone wurde durch die Amokfahrt zum Tatort. Foto: Lucas Böhme

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