Ein unfassbarer Gewaltexzess, für den ein 44-Jähriger verantwortlich sein soll, führte bei einem kleinen Chihuahua zum dauerhaften Verlust des Augenlichts: Am Freitag verurteilte das Leipziger Amtsgericht den Angeklagten unter anderem deshalb zu einer hohen Geldstrafe. Der Prozess fand ohne den Mann statt, der dem Termin ohne Entschuldigung ferngeblieben war.
In der Anklageschrift legte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft dem abwesenden Angeklagten Vladimir B. neben einem Betrugsdelikt ein Vergehen nach dem Tierschutzgesetz zur Last. Demnach habe der heute 44-Jährige die Chihuahua-Hündin Bella am 18. Juni 2025 gegen 14:30 Uhr brutal attackiert. Tatort sei die Wohnung seiner mehrjährigen Partnerin Katherina V. (Name geändert) in Leipzig-Möckern gewesen. Sie brach am Freitag in Tränen aus, als sie sich vor Amtsrichterin Ute Fritsch an den dramatischen Nachmittag erinnerte: Auf dem Heimweg von der Arbeit habe sie der Anruf von Vladimir B. erreicht, dass etwas mit Bella passiert sei.
„Sie war ganz still, der Kopf war voller Blut“
Als sie am Wohnhaus eintraf, habe Vladimir B. bereits dagestanden, mit der Hündin in einer Decke. „Sie war ganz still, der Kopf war voller Blut“, schilderte die Zeugin aufgelöst. Man sei gemeinsam zum Tierarzt gefahren, doch Vladimir B. habe ihr das schwer verletzte Tier bei Ankunft an der Praxis in die Hand gedrückt und sich aus dem Staub gemacht. Bei Bella wurden eine Schädel- und eine Augenhöhlenfraktur festgestellt. Zudem waren die Augäpfel gerissen und mussten in einer Tierklinik operativ entfernt werden.
Die Hundehalterin erlitt einen Zusammenbruch, war zwei Wochen krankgeschrieben. Über Vladimir B., mit dem sie zum Zeitpunkt des Geschehens etwa fünf Jahre in einer Beziehung war, wusste die junge Frau nichts Positives zu berichten: Er sei ein Narzisst, habe sowohl sie als auch Bella schlecht behandelt, das Tier bereits in der Vergangenheit für vermeintliches Fehlverhalten bestrafen und seine Macht demonstrieren wollen.
Auch am Tattag habe Bella wohl ins Bett gemacht und in die Wohnung gekotet, weswegen Vladimir B. vermutlich ausgetickt sei. In dem Sinne soll er sich auch erklärt haben. Nicht sein erster Ausraster, so die Zeugin: Sie habe Angst vor dem Mann gehabt und sich deswegen nicht getraut, sich zu trennen, obwohl die Beziehung eigentlich für sie beendet war.
Geldstrafe verhängt und Tierhaltung untersagt
Die behandelnde Tierärztin (31) schilderte am Freitag im Zeugenstand, dass sie einiges gewohnt sei – doch Bellas Verletzungen übertrafen alles, was sie bisher kenne, sagte die Veterinärin. Neben den Qualen, die der Hündin angetan wurden, sei gerade die schlagartige Blindheit „eine sehr große Belastung“ für Tiere.
An der Täterschaft von Vladimir B. hegte Amtsrichterin Fritsch am Ende keine Zweifel, verhängte gegen den Arbeitslosen eine Geldstrafe von 260 Tagessätzen zu je 15 Euro. Hier floss auch ein mitangeklagtes Betrugsdelikt ein. Der abwesende Mann ist mehrfach vorbestraft, seit dem Jahr 2000 sind Verurteilungen unter anderem wegen schweren Raubs und Körperverletzung bekannt. Aktuell soll wegen Verdachts auf Handel mit Betäubungsmitteln gegen B. ermittelt werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag wegen roher und quälerischer Tiermisshandlung sowie Betrugs eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 18 Euro gefordert. Verteidigerin Ines Kreisel sah zumindest das Betrugsdelikt als nicht erwiesen an, stellte das Strafmaß darüber hinaus ins Ermessen der Richterin. Die zeigte sich auch in der Urteilsbegründung erschüttert über die Brutalität gegenüber dem kleinen Hund: „Das ist so herzlos, dass ich fast sprachlos bin.“ Vladimir B. wurde zudem die Tierhaltung für die Dauer von drei Jahren untersagt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.
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