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Mit der geplanten Bootspassage zwischen Cospudener und Zwenkauer See könnte dem Leipziger Neuseenland die nächste große Naturschutzdebatte bevorstehen. Die Pläne zum Harth-Kanal wurden aus Kostengründen verlassen, jetzt favorisiert eine Machbarkeitsstudie eine Schiffseisenbahn. Ja, sie haben richtig gelesen: Eine Bahn soll Boote künftig über Land zwischen beiden Seen transportieren. Mit Investitionskosten von derzeit rund 93 Millionen Euro gehört das Vorhaben zu den größten derzeit diskutierten Infrastrukturprojekten im Leipziger Neuseenland.
Doch zentrale naturschutzrechtliche Fragen bleiben späteren Genehmigungsverfahren vorbehalten – selbst die Projektträger rechnen mit Konflikten.
Noch im Dezember 2025 erklärte die Landesdirektion Sachsen die Südspitze des Cospudener Sees ausdrücklich zu einem dauerhaft geschützten Gewässerbereich. Sie bleibe „aus Gründen des Natur- und Artenschutzes“ auch künftig von der Schifffahrt ausgenommen. LDS-Präsident Béla Bélafi sprach von „präzise definierten Schutzräumen“, die Natur- und Gewässerschutz stärken sollten. Nahezu gleichzeitig kommt die Machbarkeitsstudie zur Bootspassage zu dem Ergebnis, dass ausgerechnet dieser Bereich für eine Gewässerverbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See durchfahren werden müsste.
Schiffseisenbahn gegen Naturschutz
Die Machbarkeitsstudie benennt den Zielkonflikt selbst: Die Befahrung der Südspitze sei derzeit aus Naturschutzgründen nicht möglich, für eine Gewässerverbindung jedoch zwingende Voraussetzung. Die eigentlichen Umwelt-, Arten- und Genehmigungsprüfungen sollen erst im nächsten Planungsschritt erfolgen.
Der Leiter der Geschäftsstelle des Grünen Rings Leipzig sieht diesen Konflikt durchaus. Auf die Frage, wie die aktuellen Regelungen mit den Plänen für eine Schiffeisenbahn vereinbar wären, sagt Christian Dietz: „Im Moment sind wir noch im Bereich der Machbarkeitsstudie, die weiteren Genehmigungsverfahren laufen erst noch an, da sind wir noch gar nicht soweit.“
Auf die Nachfrage, ob die Planungen mit den Umweltverbänden bereits abgestimmt seien, antwortet er: „Da laufen natürlich Diskussionen.“ Und auf die Frage, ob dadurch nicht ein erheblicher Konflikt ausgelöst werde: „Das ist durchaus richtig.“
Auf den Hinweis, dass die Aussagen der Landesdirektion über dauerhaft definierte Schutzräume dadurch möglicherweise relativiert würden, wollte er sich nicht festlegen: „Das kann ich so nicht beurteilen.“
Die besondere Bedeutung der Südspitze liegt in den weitgehend ungestörten Bereichen mit Röhrichten und Verlandungszonen, sie dient Wasservögeln als Rückzugs-, Rast- und Nahrungsraum und gehört zu den ökologisch sensibelsten Bereichen des Cospudener Sees. Gerade solche störungsarmen Uferabschnitte sind am sonst intensiv genutzten Cospudener See selten.

400.000 zusätzliche Besucher
Der eigentliche Eingriff dürfte dabei weniger von der Schiffseisenbahn selbst ausgehen als von dem touristischen Umfeld, das nach den Annahmen der Machbarkeitsstudie entstehen soll. Das Gutachten rechnet mit rund 400.000 zusätzlichen Besuchern pro Jahr. Zwischen April und Oktober entspräche dies durchschnittlich etwa 2.700 Besuchern täglich, an Spitzentagen sogar mindestens 10.000 Tagesgästen. Vorgesehen sind hierfür unter anderem Molen, Wartebereiche, Gastronomie, ein Informations- und Ausstellungsgebäude, Parkplätze sowie weitere touristische Infrastruktur.
Nach der Machbarkeitsstudie wären dafür in Spitzenzeiten rund 1.500 Stellplätze erforderlich. Der Flächenbedarf wird mit etwa 30.000 Quadratmetern angegeben – allein für Kfz-Parkflächen. Das entspricht mehr als vier Fußballfeldern.
Umweltverbände wieder nicht gefragt?
Ob und in welchem Umfang dies mit den bestehenden Naturschutz- und Artenschutzanforderungen vereinbar ist, sollen erst die anstehenden Genehmigungsverfahren zeigen. Dort dürften die Naturschutzbehörden und Umweltverbände eine zentrale Rolle spielen. Eine Stellungnahme von NABU, BUND und Grüner Liga war aktuell trotz Anfrage nicht zu erhalten.
Die vorliegende Machbarkeitsstudie hat bereits 250.000 € gekostet. Für die nächsten Schritte der Vorplanung (LP 1 und LP 2 HOAI) hat der Zweckverband Neue Harth bereits 1,3 Millionen € eingeplant. Das Gesamtprojekt ist mit aktuell 93 Millionen € veranschlagt.
Eine unabhängige fachliche Einordnung, welche die Annahmen der Machbarkeitsstudie verifiziert, sucht man vergeblich. Ebenso eine Bürgerbeteiligung, welche die Akzeptanz in der Bevölkerung abfragt. Doch das sind inhaltlich andere Konfliktpunkte dieses Mega-Projektes, die es zusätzlich zu diskutieren gilt.
Angesichts zahlreicher aktueller Konflikte im Leipziger Neuseenland, von Motorbootregelungen über neue touristische Entwicklungen bis hin zu RB–Bedürfnissen, stehen die Naturschutzbehörden und Umweltverbände derzeit vor einer außergewöhnlich hohen Zahl komplexer Verfahren.
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Keine Kommentare bisher
Butter bei die Fische: Sofort als sich herausgestellt hat, dass ein kleiner Kanal für Kanus und Konsorten nicht umsetzbar ist, hätte man dieses Projekt einstellen sollen.
Für den hypothetischen Fall das die 400.000 Besucher stimmen und man denen 10 EUR abknöpfen würde um diese Verbindung zu nutzen (was ich höchst zweifelhaft finde) bräuchte es bei den hier angegebenen Kosten 23,25 Jahre um sich nur annähernd zu amortisieren.
Da erfahrungsgemäß unsere Kostenprognosen mehr schlecht als recht sind, würde sich dies massiv erhöhen. Nicht zu vergessen von den zusätzlichen Kosten für Wartung, Reparatur, Personal, Infrastruktur und Rechtskosten aufgrund div. Klagen wegen der Eingriffe in die Natur.
Eine Verbindung für Kanus und co. wäre ein echtere Mehrwert, ein Schiffszug für irgendwelche Touristenschiffe wäre dies nicht.