Das einst am Universitätshauptgebäude am Augustusplatz angebrachte Bronze-Relief „Aufbruch“, das seit der Neugestaltung des Uni-Campus im Campus Jahnallee eine neue Aufstellung fand, hat eine umfassende denkmalpflegerische Reinigung und Konservierung erfahren. Seit August 2026 führte die SIB-Niederlassung Leipzig II am Campus Jahnallee der Universität Leipzig notwendige Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen durch.

Während der knapp zweimonatigen Wartung erfolgte durch die Restauratoren zunächst eine manuelle Krustenabnahme und eine schonende Heißwasser-Hochdruckreinigung, teilt das SIB mit. Anschließend wurde die gesamte Oberfläche zweifach mit einem mikrokristallinen Schutzwachs im Warmauftragsverfahren konserviert.

Für die Wartung wurden rund 50.000 Euro investiert. Die Maßnahme wird finanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

Der Streit um das Relief

Das 1972 geschaffene Monument befand sich ursprünglich am Hauptgebäude der ehemaligen Karl-Marx-Universität am Augustusplatz. Geschaffen haben es die Leipziger Künstler Frank Ruddigkeit, Klaus Schwabe und Rolf Kuhrt. Nach seiner Abnahme wurde das geteilte Relief im Jahr 2008 im Innenhof der Sportwissenschaftlichen Fakultät auf dem Campus Jahnallee wieder zusammengefügt, gereinigt und an den Schweißnähten nach historischem Vorbild patiniert.

Vor der Demontage des Reliefs 2006 gab es noch einen veritablen Streit darüber, ob das Relief, das auch die zeitweilige Namensgebung der Universität als Karl-Marx-Universität thematisierte, überhaupt erhalten bleiben sollte. Der Schriftsteller Erich Loest, der mit der Universität einige Sträuße ausfocht, wollte es gar vergraben lassen. Aber es war vor allem der damalige Rektor der Universität, Franz Häuser, der sich für eine Aufstellung im Campus Jahnallee starkmachte.

Dort wird es zwar kaum wahrgenommen, erinnert aber an das letztlich kurze Kapitel in der 600-jährigen Geschichte der Alma Mater lipsiensis, in der sie im Namen von Karl Marx ideologisch vereinnahmt wurde und kritische Professoren wie Hans Mayer und Ernst Bloch vergrault wurden.

Wobei Karl Marx selbst nichts dafür kann, er studierte weder in Leipzig noch hatte er hier einen Lehrauftrag. Aber da ging es der Universität genauso wie der Stadt Chemnitz, die auf Verordnung der SED einfach in Karl-Marx-Stadt umbenannt wurde, obwohl Karl Marx die Industriestadt nicht einmal besucht hatte.

Und zum Relief des Anstoßes wurde das 33 Tonnen schwere Bronze-Kunstwerk auch weniger wegen des dargestellten Marx-Kopfes, sondern aufgrund der Tatsache, dass es genau dort angebracht war, wo zuvor die Paulinerkirche stand, die 1968 auf Geheiß der SED gesprengt wurde. Ein Verlust, der durch den Neubau des Paulinums nur teilweise wieder gutgemacht werden konnte.

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