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Blumen für Daniel Schmid: Nur die Gebeine von drei in St. Pauli Bestatteten wurden 1968 geborgen

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    Es war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, in der kurz vor Pfingsten 1968 die Grüfte der Universitätskirche St. Pauli aufgebrochen wurden und die Überreste der dort seit Jahrhunderten Aufgebahrten weggeräumt und die Grabbeigaben geplündert wurden. Bis heute weiß man nicht, wo die Gebeine der einst hier Bestatteten geblieben sind. Nur von dreien wurden die sterblichen Überreste geborgen.

    In allen drei Fällen landeten sie auf dem Südfriedhof. Und das auch nur, weil sie in der Paulinerkirche separate Grabstätten hatten. All jene zumeist der Universität angehörenden Bestatteten unter dem Kirchboden aber wurden einfach mit Lastkraftwagen abtransportiert. Der wohl makaberste Teil dieser von der Parteiführung angewiesenen Beräumungsaktion, mit der auch die Denkmalschützer zusätzlich brüskiert wurden, die zuvor wenigstens die Erfassung des wertvollen Kircheninventars und der Grabstätten gefordert hatten.

    Die Leipziger Funktionäre legten sichtlich alles darauf an, nicht nur ihre Macht an der unversehrten Paulinerkirche zu demonstrieren, sondern auch den Bürgern zu zeigen, dass sie durch keine Überlegung – keine moralische und keine historische – dazu gebracht werden konnten, in der geplanten Zerstörung der Kirche auch nur das geringste Zugeständnis zu machen.

    Die beiden Gellert-Brüder waren auf dem Südfriedhof zumindest durch eine eigene Grabplatte auffindbar. Ihre Grabstelle ist inzwischen deutlich aufgewertet, sodass es nicht mehr so frustrierend ist, wenn man das Grab des bekanntesten Leipziger Dichters aus dem 18. Jahrhundert besuchen möchte.

    Vor zehn Jahren, am 24. September 2010, wurde dann vom Paulinerverein auf dem Südfriedhof auch das Grabmal des Chirurgen Daniel Schmid zum Gedenken an alle Toten der Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig übergeben.

    Die sterblichen Überreste des berühmten Chirurgen Daniel Schmid (12.08.1676–07.09.1734) ruhten seit dem Jahr 1734 in einer verschlossenen Gruft in der Leipziger Universitätskirche St. Pauli. Diese wurde 226 Jahre später, am 28. Mai 1968 – unmittelbar vor der Sprengung der Paulinerkirche – in einer geheimen Aktion aufgebrochen. Die sterblichen Überreste wurden auf den Südfriedhof überführt. Und auch wenn es neben den Gebeinen der Gellerts der einzige gerettete Bestattete aus der Kirche St. Pauli war, wurde die Existenz der Grabstelle der Bevölkerung verschwiegen.

    „Von den anderen über 600 in der Universitätskirche St. Pauli Bestatteten fehlt bis heute jede Spur“, stellt der Paulinerverein fest, der jetzt an die Aufstellung des Grabsteins vor zehn Jahren erinnert. „Es ist der intensiven Forschungsarbeit und der Initiative von Dr. Manfred Wurlitzer vom Paulinerverein zu verdanken, dass er das Geschehen um Daniel Schmidt der Vergessenheit entriss und für ein würdiges Grabmal auf dem Südfriedhof sorgte.“

    Der Vorsitzende des Paulinervereins, Dipl.-Phys. Wilfried Richard, legte am Donnerstag, 24. September, auf dem Südfriedhof am Grab des Chirurgen Daniel Schmidt ein Blumengebinde nieder, um an die Steinsetzung vor zehn Jahren zu erinnern.

    Der Protest gegen die Sprengung der Universitätskirche, die Folgen und der berechenbare Untergang der DDR

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