Was hast du da eigentlich gemacht in deiner Doktorarbeit? Die überzeugendsten Antworten auf diese Frage zeichnet die Klaus Tschira Stiftung mit dem KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation aus. Am Donnerstag, dem 22. Oktober, wurden in Heidelberg sieben Nachwuchsforschende für ihre allgemeinverständlichen Beiträge über ihre Dissertationen geehrt. Darunter ist diesmal auch ein Chemiker der Universität Leipzig, der weiß, dass man Wissenschaft auch gut erklären können muss.
Seit 1997 fördert der KlarText-Preis den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit: Er stärkt die Kommunikationskompetenz junger Forschender und schärft das Bewusstsein für die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation insgesamt.
„Gute Wissenschaftskommunikation ist längst mehr als der Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit. Auch innerhalb der Wissenschaft, etwa in multidisziplinären Teams, müssen Forschende eine gemeinsame Sprache finden, die über das eigene Fachgebiet hinausreicht“, so Lilian Knobel, Geschäftsführerin für Wissenschaftskommunikation und Bildung der Klaus Tschira Stiftung.
Für den diesjährigen Wettbewerb reichten rund 250 Promovierte Beiträge über ihre Doktorarbeit ein – als Artikel oder Infografik. Die Beiträge durchliefen ein dreistufiges Juryverfahren und wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Medienschaffenden begutachtet. Die Ausgezeichneten erhalten jeweils 7.500 Euro Preisgeld.
Das Labor im Briefmarkenformat
Diesmal wurde mit Dr. Hannes Westphal auch ein junger Chemiker ausgezeichnet, der an der Universität Leipzig promoviert wurde. Gewürdigt wurde er für seine Arbeit „Das Labor im Briefmarkenformat“. Worum geht es darin? – Ein chemisches Labor, so klein, dass seine winzigen Komponenten mit bloßem Auge kaum sichtbar sind: „Lab-on-a-Chip“-Systeme sind preiswert und bewähren sich beispielsweise bei Tests von Katalysatoren.
Das Labor im Briefmarkenformat | Hannes Westphal KlarText-Preisträger 2026
Dr. Hannes Westphal
Dr. Hannes Westphal kam 1993 in Hamburg zur Welt und studierte Chemie an der Universität Leipzig. Nach einem Forschungsaufenthalt am Ångström-Labor der Universität Uppsala folgte seine Promotion am Institut für Analytische Chemie in Leipzig zum Thema „Development of microfluidic flow reactor platforms – adaptions to the requirements in the age of digitalisation“, in der er chipbasierte Reaktions- und Analyseplattformen entwickelte. Heute ist er an der Universität Leipzig als Postdoc im Bereich der chemischen Data Science tätig.
In seinem Beitrag „Das Labor im Briefmarkenformat“ beschreibt Hannes Westphal die Entwicklung von „Lab-on-a-Chip“-Systemen (LOC). Die kleinen Chips, die sich auf einem gläsernen Objektträger befinden, sind durchzogen von eingeätzten Kanälen, in denen chemische Reaktionen ablaufen und anschließend analysiert werden können.
Für die Steuerung des fein abgestimmten Netzwerks aus Pumpen und Ventilen programmierte Westphal ein Computerprogramm, das den vollautomatischen Betrieb der LOCs rund um die Uhr ermöglicht. In einem weiteren Schritt skalierte er das System, sodass mehrere Reaktionen gleichzeitig ablaufen können. Das System bewährte sich bereits bei dem Test neuartiger Katalysatoren.
Die Preisträger
Die Preistragenden des KlarText-Preises für Wissenschaftskommunikation 2026 sind (jeweils mit der Universität, an der sie promoviert wurden):
Biologie: Dr. Phil Richter (Technische Universität München) „Gute Nachrichten für Rosenkohlverweigerer“. Man liebt oder man hasst sie: bittere Lebensmittel. Dabei können die Bitterstoffe gesund sein. Manche von ihnen schmeckt man gar nicht, weil sie erst im Magen entstehen.
Chemie: Dr. Hannes Westphal (Universität Leipzig) „Das Labor im Briefmarkenformat“. Ein chemisches Labor, so klein, dass seine winzigen Komponenten mit bloßem Auge kaum sichtbar sind: „Lab-on-a-Chip“-Systeme sind preiswert und bewähren sich beispielsweise bei Tests von Katalysatoren.
Informatik: Dr. Daniel Racek (Ludwig-Maximilians-Universität München) „Den Datennebel im Krieg lichten“. Radarsatelliten liefern regelmäßig frei verfügbare Daten der Erdoberfläche – und zwar unabhängig von Wetterbedingungen und Tageslicht. Diese Bilder können bei der Bewertung von Kriegsschäden helfen.
Mathematik: Dr. Julian Mangott (Universität Innsbruck) „Mit Mathe schneller zur Arznei“. Computer spielen bei der Suche nach neuen Wirkstoffen eine immer größere Rolle. Doch selbst Superrechner scheitern oft an den Simulationen – ein Problem, das sich mit einem mathematischen Trick lösen lässt.
Neurowissenschaften: Dr. Meike Hettwer (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) „Das Gehirn im Umbau“. Während des Übergangs vom Kindes- zum Erwachsenenalter ähnelt unser Gehirn einer Großbaustelle. In dieser Lebensphase sind junge Menschen anfällig für psychische Krisen und benötigen liebevolle Unterstützung.
Physik: Dr. Thomas Arne Hensel (Universität Heidelberg) „Licht aus, Film ab“ Proteine sind winzige Maschinen, die ständig ihre Form verändern. Doch ihre Bewegungen sind so klein und schnell, dass sie sich kaum beobachten lassen. Mit einer neuen Methode konnten jetzt erstmals die schnellen Formänderungen einer künstlichen DNA-Struktur sichtbar gemacht werden – ein wichtiger Schritt, um künftig auch Proteinen bei der Arbeit zuzusehen.
Infografik: Dr. Felix Spiske (Technische Universität Bergakademie Freiberg) „Die Nadel im Heuhaufen“. Manche Stoffe sind im Wasser in derart geringen Konzentrationen gelöst, dass sie kaum messbar sind. Doch ihr molekularer Fingerabdruck lässt sich mithilfe einer neuartigen Methode verstärken. Gemeint ist: feste Luft.
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