Der Hitzesommer 2026 wird immer mehr Beschlüsse im Leipziger Stadtrat beeinflussen. Denn eines steht jetzt schon fest: Kühler wird es nicht mehr, wie SPD-Stadtrat Marius Wittwer sagte, als er mit einem SPD-Antrag das Thema Hitzeschutz auch in zwei Schulbau-Vorlagen einbrachte. Die beiden Vorlagen sind eigentlich selbst echte Zukunftsmusik, denn die Brüder-Grimm-Schule in der Goldsternstraße und die Hans-Kroch-Schule im Jörg-Schmidtchen-Weg sollen in den Jahren 2030 bis 2032 komplexsaniert werden.
Beides sind Plattenbauten aus den 1970er Jahren, noch unsaniert oder nur teilweise saniert. 17 Millionen Euro soll die Sanierung der Brüder-Grimm-Schule kosten, 21,7 Millionen Euro die Hans-Kroch-Schule. Die Schüler ziehen während der Bauzeit in Interims um. Und es ist nicht nur die fehlende Barrierefreiheit, die heute schon für Probleme sorgt. Die Vorlagen deuten es zumindest an, dass hier auch das Thema Klimaaschutz eine Rolle spielen wird.
Bei der Brüder-Grimm-Schule klingt das zum Beispiel so: „Zudem werden im Zuge der Erarbeitung der Entwurfsplanung Maßnahmen zum Klimaschutz berücksichtigt. Insbesondere werden die beschlossenen Maßnahmen des Sofortmaßnahmenprogramms zum Klimanotstand geprüft, welche aktiv zum Klimaschutz beitragen können. Denkbar sind beispielsweise Fassadenbegrünung, Dachbegrünung und Photovoltaik. Die Planungsergebnisse werden in der Vorlage zum Baubeschlusses dargestellt.
Ebenso wird das Schulgebäude barrierefrei hergerichtet. Durch den Anbau eines Aufzuges, sowie der Einplanung eines notwendigen Verbinders wird die barrierefreie Erschließung am Standort möglich sein. Weiterhin werden in der Planung die Standards für Barrierefreiheit (Leitsysteme, Behinderten-WC) etc. umgesetzt.
Regelhaft werden die baulichen Standards für Schulbauten der Stadt Leipzig in der Planung berücksichtigt. Neben der energetischen Ertüchtigung der Gebäudehülle (Fenster, außenliegender Sonnenschutz, Fassade, Dach) und der technischen Gebäudeausrüstung (Heizung, Lüftung, Sanitär) wird die Schule eine moderne technische Ausstattung erhalten. Dies umfasst einen Hausalarm mit Einbruch- und Brandmeldeanlage bis hin zum Einbau einer Schließanlage als auch Sprach- und Alarmierungsanlage mit Pausen- und Stundenklingel.“
Und wo bleibt der aktive Hitzeschutz?
Aber ein Wort fehlte da Marius Wittwer, das nach dem Hitzesommer 2026 eigentlich in solchen Vorlagen auftauchen müsste: Hitzeschutz.
Denn die wochenlange Temperaturen über 30 Grad und die Spitzenwerte von 40 Grad, die im Juni 2026 erstmals in Leipzig gemesen wurden, sorgten selbst in neu gebauten Schulen für Probleme. Der passive Hitzeschutz – Jalousien vor den Fenstern und Dämmung an den Wänden – halfen nicht, die Extremtemperaturten draußen zu halten.
Lehrer/-innen und Eltern berichteten von wirklich heißen Lernbedingungen für die Kinder und einige Eltern sollen wohl auch mit mobilen Klimageräten in die Schulen gegangen sein, um in den Räumen für etwas erträglichere Temperaturen zu sorgen.

Es brauche also dringend, so Marius Wittwer, aktiven Hitzeschutz. Und ob und wie der in den Schulen implementiet werden kann, solle jetzt bei den beiden Schul-Komplexsanierungen mitgeprüft werden.
Prüfung zugesagt
Im Änderungsantrag zur Brüder-Grimm-Schule der SPD-Fraktion hieß es deshalb: „Im Zuge der Planung wird vertieft geprüft, wie Hitzeschutzmaßnahmen durch aktive Kühlung integriert werden können. Insbesondere eine 2-Wege-Wärmepumpe soll als mögliche Ergänzung zur Wärme- und Kälteversorgung geprüft werden.
Eine funktionierende Wärmeversorgung ist wichtig. In Zukunft wird aber auch eine Möglichkeit der aktiven Kühlung insbesondere für soziale Einrichtungen mit besonders vulnerablen Gruppen immer wichtiger. In manchen Schulen wurde der Unterricht an Hitzetagen im Sommer 2026 schon zu einer Bewährungsprobe; tendenziell wird das immer mehr Schulen immer häufiger betreffen.
Passive Kühlung, beispielsweise durch Dämmung und Verschattung, hat dabei natürlich auch eine wichtige Bedeutung. Bleiben Temperaturen aber über mehrere Tage oder Wochen anhaltend hoch und kann das Gebäude auch nachts nicht auskühlen, wird die Nutzung der Räumlichkeiten oberhalb von 30°C für die Beschulung unmöglich.
Da Schulgebäude nach Neubau oder Sanierung für mehrere Jahrzehnte im Bestand funktionieren müssen, ist es wichtig, entsprechend vorzusorgen und die Möglichkeit einer aktiven Kühlung zu schaffen. Eine spätere Nachrüstung würde unter Umständen ein Vielfaches der Kosten verursachen, die bei einer ohnehin geplanten Sanierung anfallen.“
Bei beiden Schulen freilich wäre eine Wärmepumpe nicht die Lösung, so Schulbürgermeisterin Vicki Felthaus, weil beide ans Fernwärmenetz angeschlossen sind.
Lösungen gesucht
Das läuft dann auf Klimaanlagen in den Schulräumen hinaus. Was die Frage aufwirft, die dann BSW-Stadtrat Sascha Jecht ansprach, ob das dann nicht doch wieder kontraproduktiv zum Klimaschutz wäre. Denn damit wird ja wieder der Stromverbrauch erhöht und mehr Technik verbaut.

Eine berechtigte Frage, wie auch Schulbürgermeisterin Vicki Felthaus bestätigte. Aber gleichzeitig sei man auch in der Verwaltung dabei, solche Lösungen für den Hitzeschutz zu überlegen. Denn mit der Klimaerhitzung werden folgerichtig immer mehr Schulen von der Hitzebelastung betroffen, die ja auch noch immer früher im Jahr einsetzt.
Andererseits müsse es nicht mehr Klimabelastung bringen, so Baubürgermeister Thomas Dienberg, wenn die Anlagen z.B. über Solarpaneele auf dem Dach mit Strom versorgt werden. Weshalb er den Vorschlag begrüßte, die Änderungsanträge der SPD-Fraktion im eigenen Amt für Gebäudemanagement übergreifend prüfen zu lassen.
Denn wenn das ein Weg ist, das Lernen in Leipzigs Schulen auch in den Hitzewochen erträglich zu machen, könnte es ja Standard bei allen Sanierungsmaßnahmen werden. Die Prüfung sagte er auch ohne Ratsbeschluss zu.
Sodass die SPD-Fraktion dann – obwohl beide Änderungsanträge abgelehnt wurden – das Ziel eigentlich erreicht hat. Vielleicht greift es ja auch schon bei den beiden Schulen, die am 28. Oktober das einstimmige Votum des Stadtrates bekamen. Berichten will Dienberg dazu dann in den zuständigen Ausschüssen des Stadtrates.
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