Auch das Stadtbad wurde am 28. Oktober in der Ratsversammlung Thema: Die SPD-Fraktion hatte eine Anfrage zum aktuellen Stand der Dinge gestellt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die SPD-Fraktion mit dem Antrag in die Haushaltsverhandlungen gegangen ist, das Stadtbad zu verkaufen. Etwas, was nach dem Stadtratsbeschluss von 2021 gar nicht möglich ist.
Danach bleibt das Stadtbad im Eigentum der Stadt. Es sei denn, das Liegenschaftsamt legt dem Stadtrat eine mögliche Lösung vor. Mit einem Wellness-Hotel zum Beispiel.
Darüber berichten bestimmte Medien ja schon, als sei das eine ausgemachte Sache. Als stünde sogar schon ein Investor bereit. Aber dass man wohl ohne einen Investor nicht weiterkommt, gestand auch das Liegenschaftsamt in seiner Antwort auf die SPD-Anfrage zu: „Die erforderlichen Investitionskosten für die Reaktivierung der historischen und denkmalgeschützten Badeanlagen werden nach bisherigem Kenntnisstand (Stand: 2023) für die kleine und die große Badlösung auf rund 80 Mio. Euro geschätzt.
Im Auftrag der Förderstiftung Stadtbad wurde das Gutachten 2026 zu den verschiedenen Betriebsvarianten für das Stadtbad sowie den damit verbundenen Investitionskosten aktualisiert. Die Betrachtung hat grundsätzlich ergeben, dass die große Badlösung das Potenzial bietet, sowohl Gäste aus Leipzig als auch Besucherinnen und Besucher aus dem Umland und darüber hinaus anzuziehen. Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Ausrichtung des Angebots mit einem klaren Fokus auf Wellness, Erholung und Ruhe.
Nach Abschluss aller Untersuchungen beabsichtigt die Förderstiftung, die Ergebnisse gemeinsam mit der Stadtverwaltung den zuständigen Fachausschüssen vorzustellen. Dabei sollen auch weitere Nutzungsoptionen berücksichtigt werden, insbesondere die Kombination eines Bade- und Saunabetriebs mit Veranstaltungsangeboten.
Ergänzend wird die Förderstiftung Stadtbad noch im November 2026 eine Untersuchung zur möglichen Hotelnutzung der angrenzenden Gebäude beauftragen. Ein entsprechendes Angebot liegt bereits vor. Ziel ist es, zu prüfen, ob sich durch die Kombination von Bade-, Sauna-, Veranstaltungs- und Hotelbetrieb ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt, das zumindest die laufenden Betriebskosten decken kann.
Die erforderlichen Investitionskosten für die Instandsetzung der Immobilie werden unabhängig von der jeweiligen Nutzungsvariante auch in der aktualisierten Betrachtung mit rund 80 Mio. Euro veranschlagt.“
Ohne Investor wird es wohl nicht gehen
Womit dann erst einmal bestätigt wurde, was auch die SPD-Fraktion so gehört hatte: „Das Leipziger Stadtbad ist vielen aus früheren Tagen noch in lebhafter Erinnerung, doch ist es bereits seit 2004 wegen baulicher Mängel geschlossen. Politik und Stadtgesellschaft beteuern seitdem regelmäßig die Bedeutung des Gebäudes und die Notwendigkeit einer tragfähigen Lösung für die Sanierung und Wiederinbetriebnahme dieser historischen Stätte.
Zuletzt konnte man der Presse entnehmen, dass ‚das Wirtschaftsdezernat eine Fachfirma gebeten [hat], Optionen für das Baudenkmal in der Eutritzscher Straße 21 zu prüfen – auch die Idee eines Wellness-Hotels im Nachbarhaus, das derzeit noch als Flüchtlingsunterkunft dient.’ – Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie liegen inzwischen drei Jahre zurück und die finanzielle Lage der Stadt Leipzig hat sich seitdem deutlich eingetrübt. Es erscheint heute mehr denn je fraglich, ob die Stadt in absehbarer Zeit aus eigener Kraft heraus das Stadtbad reaktivieren kann.“
Diese Kraft hat die Stadt nicht, das bestätigte am 28. Oktober auch Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke auf Nachfrage von SPD-Stadträtin Christina März. In einem derart klammen Haushalt, wie ihn die Stadt derzeit hat, sind 80 Millionen Euro einfach nicht darstellbar. Inzwischen sogar deutlich mehr, denn die Baukosten stiegen seit 2023 ja um 11 Prozent. Da ist man schnell bei 90 Millionen Euro.
Aber eine neue Variante tut sich auf, weil nun auch für das Nachbargebäude eine neue Nutzung gesucht wird. Vorher war es ja lange Zeit Sitz der Stadtwerke Leipzig. Nach 2015 wurde es als temporäre Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Seit kaum noch Flüchtlinge nach Leipzig kommen, ist auch diese Nutzung passé.
Wenn sich also ein Investor findet, der aus diesem Bauwerk eine Art Wellness-Hotel macht, könnte der die Einbindung und Wiedernutzbarmachung im benachbarten Stadtbad mit übernehmen und bei der Sanierung des Stadtbades helfen. Wobei auch hier – so Clemens Schülke – nichts ohne Fördergelder gehen wird. Erst wenn so ein Modell zustande kommt und ein interessierter Investor einsteigt, kann auch ein Fördergeldantrag gestellt werden.
Behalten, verkaufen, verpachten?
Und dann steht natürlich die Frage, die die SPD-Fraktion besonders bewegt: Bleibt das Stadtbad dann noch im Besitz der Stadt, wie 2021 vom Stadtrat beschlossen? Oder legt die Stadt dann dem Stadtrat nahe, den Beschluss von 2021 aufzuheben? Oder wäre auch eine Lösung in Erbbaupacht möglich?
Alles offene Fragen. Noch im November will Clemens Schülke dem Stadtrat eine entsprechende Vorlage zuleiten.
Und wie sieht es mit den sonstigen Kosten für die Stadt aus? Auch das wollte die SPD-Fraktion wissen. Denn auch ein leerstehendes historisches Gebäude verursacht Kosten. Seit 2023 waren das, so teilte das Liegenschaftsamt mit, 127.000 Euro u.a. für Reparaturen und Wartungsarbeiten.
Summen, die sich wohl auch in den nächsten Jahren ergeben, bis tatsächlich eine Lösung für das Stadtbad gefunden wird. Vielleicht mit dem Nachbargebäude zusammen, für das die Idee eines Wellness-Hotels jetzt zumindest ernsthaft geprüft wird.
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