Leipzig erwartet ein Gerichtsverfahren, das ganz unter dem traumatischen Eindruck der Amokfahrt vom 4. Mai steht. Heute beginnt es. Im Bahn- und Busverkehr gibt es Neuigkeiten, zwei Brücken rücken in dieser Woche in den Fokus, eine von ihnen wehrt Hochwasser von dieser Stadt ab. Die andere hat möglicherweise marode Füße. Und das Jugendamt zieht um, ist zwischenzeitlich nur sehr bedingt erreichbar.
Prozessauftakt zu Amokfahrt
Diese Tat erschütterte die ganze Stadt und wird als furchtbares Ereignis für immer in ihrem Gedächtnis bleiben: Am 4. Mai 2026 soll Jeffrey K. mit einem Auto durch die Grimmaische Straße gefahren sein und dabei zwei Menschen getötet sowie acht weitere verletzt haben (LZ berichtete). Am Leipziger Landgericht begann heute um 8 Uhr der Prozess gegen den 34-Jährigen.
Laut Anklage erreichte das Fahrzeug in der Fußgängerzone bis zu 90 Kilometer pro Stunde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem zweifachen Mord, versuchten Mord in 85 Fällen und gefährliche Körperverletzung in acht Fällen vor. Seit dem 9. September befindet sich Jeffrey K. in Untersuchungshaft.
Für das Verfahren hat das Landgericht 29 Verhandlungstage bis zum 7. Juli 2027 angesetzt. Neun Nebenkläger und zwei Adhäsionskläger sind beteiligt. Adhäsionskläger machen in einem Strafprozess zivilrechtliche Ansprüche gegen den Angeklagten geltend, insbesondere Schadenersatz oder Schmerzensgeld (§§ 403 ff. StPO). Dadurch kann u. U. ein gesonderter Zivilprozess entbehrlich werden. Ein Urteilstermin steht noch nicht fest.
Vor dem Einlass von Besuchern in den Gerichtssaal erfolgten Sicherheitskontrollen. Mobiltelefone, Kameras, Tablets, Laptops und andere Aufzeichnungsgeräte mussten abgegeben werden, es sei denn, es handelte sich um Arbeitsmittel zugelassener Journalisten. Vom Prozessauftakt berichtet unser Reporter Lucas Böhme.
Bus fährt wieder, Bahn aber nicht
Reisende, vor allem Pendler im Regionalverkehr, müssen sich ab heute Abend auf nächtliche Zugausfälle im Leipziger Westen einstellen, während die Buslinie 84 am Hauptbahnhof wieder ihren regulären Abfahrtssteig bedient. Wegen Instandhaltungsarbeiten wird die Bahnstrecke zwischen Leipzig Hauptbahnhof und Leipzig-Plagwitz heute von 22 Uhr bis 5 Uhr gesperrt.
Die Züge der Erfurter-Bahn-Linien RE 12 und RB 22 fallen in dieser Zeit zwischen Leipzig Hauptbahnhof und Leipzig-Knauthain aus und werden durch Busse ersetzt. Fahrgäste in Richtung Zeitz und Saalfeld sollten die geänderten Abfahrts- und Reisezeiten beachten.
Auch auf der S-Bahn-Linie S6 entfallen in der Nacht zum Dienstag Züge zwischen Leipzig Hauptbahnhof und Markranstädt. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) kündigt dafür Schienenersatzverkehr an und verweist auf aktuelle Verbindungen und Ersatzfahrpläne unter www.mdv.de.
Eine Verbesserung gibt es dagegen für Nutzer der Buslinie 84: Sie fährt ab heute wieder regulär vom Steig O am Leipziger Hauptbahnhof ab. Möglich wird das durch den weitgehenden Abschluss der Trinkwasserleitungsarbeiten am Willy-Brandt-Platz, wo bereits am 19. Oktober ein Großteil der Absperrungen entfernt wurde. Lediglich im östlichen Bereich bleiben wegen Restarbeiten bis zum 15. November Absperrungen bestehen, weshalb auch der Radverkehr vorerst noch umgeleitet wird.
Einschränkung beim Jugendamt
Heute ziehen weitere Bereiche des Leipziger Amtes für Jugend und Familie in die ehemalige Messehalle 12 („Sowjetischer Pavillon“) um. Betroffen sind zunächst die Dienststellen in der Naumburger Straße 26, ausgenommen der Allgemeine Sozialdienst, Team Südwest, sowie die Teams aus dem Rathaus Wahren. Am 20. November folgt das Sachgebiet Eingliederungshilfe mit Kontext Schule aus dem Rathaus Schönefeld.
Während des jeweiligen Umzugs entfällt der persönliche Besucherverkehr in den betroffenen Abteilungen vollständig. Telefonisch, per E-Mail und postalisch bleiben sie erreichbar, allerdings können sich Bearbeitung und Beantwortung von Anfragen verzögern. Ab 7. Dezember empfangen die umgezogenen Teams dann Besucher am neuen Standort.
Voraussichtlich ab 9. November führt das Jugendamt ein neues Terminvergabesystem ein. Persönliche Vorsprachen können dann ausschließlich über terminvereinbarung.leipzig.de oder telefonisch über die Behördenrufnummer 0341-115 gebucht werden. Ausnahmen gelten für die Kitaplatzberatung und Beurkundungen: Hier sind weiterhin Spontantermine am neuen Standort möglich. Der Allgemeine Sozialdienst, die Familienberatungsstelle und die Jugendgerichtshilfe bleiben an ihren dezentralen Standorten.
Die Alte Messe mit dem neuen Amtsstandort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Haltestellen „Altes Messegelände“, „An den Tierkliniken“ und „Deutsche Nationalbibliothek“ erreichbar.
Bereits Anfang 2022 waren rund 100 Beschäftigte des Jugendamtes nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts dorthin gewechselt. Im Dezember kommen rund 230 weitere Mitarbeiter hinzu. Das Stadtarchiv nutzt bereits seit 2019 den Porticus-Bereich der ehemaligen Messehalle. Mit dem jetzigen Umzug wird das Verwaltungszentrum vollständig bezogen.
Die einstige Messehalle 12 wurde 1923/24 nach Plänen der Architekten Oskar Pusch und Carl Krämer als Ausstellungshalle für Werkzeugmaschinen errichtet und zeitweise unter dem Namen „Achilleion“ auch für große Sportveranstaltungen genutzt. Von 1950 bis 1952 wurde das Gebäude nach dem Vorbild monumentaler sowjetischer Repräsentationsarchitektur zum Sowjetischen Pavillon umgestaltet; die vergoldete Turmspitze mit rotem Stern erinnert bis heute an diese Zeit. Nach jahrzehntelangem Leerstand wurde der denkmalgeschützte Bau ab 2016 saniert.
Brückenbau am Elsterflutbett
Auf der Klingerbrücke beginnen in dieser Woche Arbeiten an den Gehwegen. Ab heute ist zunächst eine zeitweilige Sperrung des südlichen Gehwegs in Richtung Innenstadt vorgesehen. In der kommenden Woche soll der Gehweg auf der gegenüberliegenden Seite gesperrt werden.
Wie die Stadt Leipzig mitteilt, werden schadhafte Stellen an den Fußwegen ausgebessert, um die Verkehrssicherheit auf der Verbindung zwischen Zentrum-West, Schleußig und Lindenau wiederherzustellen. Die Brücke bleibt während der gesamten Arbeiten für Fußgänger eingeschränkt passierbar. Sie können jeweils den gegenüberliegenden Gehweg nutzen und dafür an den Fußgängerampeln die Straßenseite wechseln.
Parallel zu den Reparaturen sollen die Brückenpfeiler auf ihren baulichen Zustand untersucht werden. Dafür nutzt die Stadt die Funktionsprobe des Palmengartenwehres, bei der der Wasserspiegel abgesenkt wird. Nur bei niedrigem Wasserstand sind die betreffenden Bereiche der Pfeiler zugänglich. Die Untersuchungen gehen auf Auflagen des Landesamtes für Denkmalpflege zurück, die im Zusammenhang mit einem möglichen Ersatzneubau zu erfüllen sind.

Die Klingerbrücke steht unter Denkmalschutz. Entworfen wurde sie vom Architekten Georg Wünschmann (1868–1937). Die dreifeldrige Stahlbetonbrücke besitzt geschwungene Längs- und Querträger. Zu ihren prägenden architektonischen Merkmalen gehören die mit Granit verkleideten Widerlager und Pfeiler, eine massive Brüstung sowie turmartige Aufsätze mit vergitterten Gaslaternen. Diese charakteristische Gestaltung begründet den denkmalpflegerischen Wert des Bauwerks, der auch bei den Überlegungen zu einem möglichen Ersatzneubau berücksichtigt werden muss.
Das Palmengartenwehr liegt 500 Meter nördlich der Klingerbrücke am südlichen Ende des Elsterbeckens. Es reguliert den Wasserstand und den Zufluss aus der Weißen Elster sowie dem Elster- und Pleißeflutbett. Errichtet wurde die Anlage zwischen 1913 und 1917 im Auftrag der Stadt Leipzig unter der Bauleitung des Architekten Georg Wünschmann (1868–1937), um im Zuge des Ausbaus des Elsterbeckens die Wasserführung zu steuern und die Stadt besser vor Überschwemmungen zu schützen.
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