Manchmal dringen die Aussagen aus bestimmten Studien nur recht schwer und spärlich an die Öffentlichkeit und zu den informativen Medien. Da fragt man sich als Leser und Interessent, ob solche Informationen einfach nur durch ein Raster fallen oder bei der Menge an Informationen untergehen oder ob die Aussagen dieser Studie nicht provokant genug sind oder ob diese Information bestimmten Kreisen nicht wichtig genug erscheint. Oder ob die Aussagen nicht gewünscht sind bzw. nicht ins Konzept passen.
Aus irgendeinem dieser Gründe sind die Aussagen aus der neuen Studie vom 19.7.2026 vom icct (The international council on clean transportation) zu Elektroautos nicht oder nur spärlich in den Medien angekommen:
– E-Autos sind sauberste Antriebsart – Klimavorteil wächst schneller als erwartet,
– vollelektrische Fahrzeuge verursachen 73 % weniger Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus als vergleichbare Benziner,
– Verkaufspreise sinken um 18 Prozent und Modellvielfalt nimmt stark zu.
Die aktuelle detaillierte ICCT-Analyse, prognostiziert eine klare wirtschaftliche Dominanz der Elektromobilität. Der bemerkenswerte reale Preisrückgang von 18 Prozent bei Elektrofahrzeugen zwischen 2020 und 2025 lässt sich primär durch die inflationsbereinigt um 35 bis 37 Prozent gesunkenen Batteriekosten sowie ein vervierfachtes Modellangebot erklären, das den Markt für E-Autos deutlich belebt hat.
Im Gegensatz dazu steigen die Kosten für Verbrennungsmotoren kontinuierlich an, da die ab Mitte 2026 geltende Euro-7-Abgasnorm erhebliche Investitionen in die Abgasnachbehandlung und eine komplexere Motorsteuerung erfordert, deren finanzielle Last direkt an die Verbraucher weitergegeben wird.
Ferner verteuert die kontinuierlich steigende CO₂-Abgabe, die im Jahr 2026 voraussichtlich zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂ liegen wird, Benzin um circa 17 Cent und Diesel um circa 19 Cent pro Liter, was die Betriebskosten von Verbrennern zusätzlich in die Höhe treibt.
Nur 90 statt 100 Prozent
Nicht zu verstehen ist dazu das Einwirken noch im Sommer 2026 von vorrangig deutschen konservativen Politikern auf die EU, um das für 2035 geplante absolute Neuwagenverbot für Verbrennungsmotoren aufzuweichen.
Dabei geht es darum, dass auch nach 2035 noch Neuwagen mit Verbrennungsmotoren gebaut werden dürfen, d. h. 90‑Prozent-Ziel statt 100-Prozent-Aus: Ab 2035 müssen Autohersteller die durchschnittlichen CO₂-Emissionen ihrer Neuwagenflotte um 90 Prozent im Vergleich zu 2021 reduzieren (statt wie ursprünglich geplant um 100 Prozent).
Dieses Aufschieben und Hochfahren für Verbrennerfahrzeuge beinhaltet eine halbe Million Arbeitsplätze. Das hat das Forschungsinstitut ICCT neu berechnet: Mit einem klaren Zieljahr 2035 und Made in Europe-Vorgaben gibt es bis 2035 über 320.000 Jobs mehr als heute. Schieben wir diese Ziele jetzt weiter auf, sind es 185.000 weniger Arbeitsplätze.
Bremst die EU jetzt, hält das Jobs am Verbrenner nur ein paar Jahre länger. Dafür entsteht weniger Arbeit bei E-Autos und Batterien und mehr Autos werden importiert. Die Auto-Jobs der Zukunft entstehen dort, wo die besten E-Autos und ihre Batterien produziert werden.
Diese neue gemeinsame Studie des ICCT und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt, dass „Elektrofahrzeuge in Deutschland zwischen 2020 und 2025 real um rund 18 Prozent günstiger geworden sind – obwohl die nominalen Durchschnittspreise auf den ersten Blick gestiegen sind.“
Diese Aussagen scheinen sich zu widersprechen, aber „der mittlere Listenpreis für Elektrofahrzeuge stieg zwischen 2020 und 2025 nominal von rund 37.000 Euro auf etwa 53.000 Euro.
Die E-Pkw werden immer größer, schwerer und teurer = SUV
Dabei geht es vorrangig um eine Verschiebung im Modellangebot: Der Anteil der mittleren und oberen Mittelklasse am Elektrofahrzeugangebot stieg von 2020 bis 2025 erheblich und macht heute 73 Prozent aller Elektromodelle aus.
Werden dagegen einzelne Modelle über die Zeit beobachtet und Fahrzeugeigenschaften wie Gewicht, Motorleistung und Reichweite sowie die Inflation berücksichtigt, sanken die Preise vergleichbarer Elektrofahrzeuge im selben Zeitraum um rund 18 Prozent. Die realen Preise für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stiegen hingegen im selben Zeitraum um rund 2 Prozent an. Die Zahl der verfügbaren Elektromodelle stieg von 38 im Jahr 2020 auf 159 im Jahr 2025.“
In den für den Normalsterblichen eher erschwinglichen Segment der Kleinwagen „besteht aber weiterhin eine Diskrepanz: 2025 standen dort nur 19 Elektromodelle 35 Verbrenner-Modellen gegenüber.“
Es ist immer wieder das Ungereimte, dass mit großen Fahrzeugen mehr Geld verdient wird als mit Kleinwagen, und somit fallen für den Kunden günstigere Fahrzeuge im Angebot aus. Kleinwagenmodelle gibt es einfach nicht ausreichend. Und in diese Lücke springen die chinesischen Hersteller schnell ein.
Batteriepreise sinken
„Die globalen Batteriepreise gingen zwischen 2020 und 2025 nominal um 21 bis 24 Prozent zurück – von rund 165 bis 185 Euro pro Kilowattstunde auf etwa 130 bis 140 Euro. Inflationsbereinigt entspricht dies einer Preisreduktion von etwa 35 bis 37 Prozent. In den Fahrzeugpreisen schlagen sich die günstigeren Batteriepreise bislang nur begrenzt nieder.
Die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen stieg im Untersuchungszeitraum jedoch um etwa ein Drittel an, was darauf hindeutet, dass die Einsparungen in Fahrzeugverbesserungen investiert oder zur Deckung von Forschungs- und Entwicklungskosten genutzt wurden.“
Geforscht wird derzeitig an Feststoffzellen, Natrium-Ionen Batterien sowie auch am intelligenten Batteriemanagement und Software-Schaltung (Digitaler Zwilling). Das Problem: Herkömmliche starre Schaltungen belasten alle Zellen gleich. Schwächelt eine Zelle, zieht sie das gesamte System herunter.
Eine Lösung in absehbarer Zeit: Moderne, softwaregesteuerte Batterie-Managementsysteme (BMS) nutzen oft einen „digitalen Zwilling“. Diese Technologie überwacht die Chemie jeder einzelnen Zelle in Echtzeit und steuert die Schaltung so, dass gesunde Zellen mehr beansprucht werden als gealterte, was die Lebensdauer massiv verlängert.
Durch E-Fahrzeuge sinkende Treibhausgasemissionen
Laut der aktuellen Studie des ICCT verursachen heute verkaufte voll-elektrische Fahrzeuge 73 % weniger Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus als vergleichbare Benziner – auch unter Berücksichtigung der Produktionsemissionen.
Auch andere Antriebstechnologien bleiben in ihrer Klimabilanz hinter voll-elektrischen Fahrzeugen zurück. Hybridfahrzeuge verursachen im Vergleich zu Benzinern etwa 20 % weniger Emissionen, Plug-in-Hybride rund 30 %. Ein Grund dafür: Plug-in-Hybride werden im Alltag seltener elektrisch gefahren als ursprünglich angenommen.
Verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, darunter langfristig stabile CO₂-Flottengrenzwerte, bleiben zentral wichtig, um Investitionen in die Elektrifizierung aller Fahrzeugsegmente sowie in die Batteriefertigung zu sichern.
Auto-Batterien nutzen als Zwischenspeicher
Immer wichtiger wird das bidirektionale Laden und die Netzintegration (Vehicle-to-Grid). Dabei geht es um die Schaltung zwischen dem Auto-Akku und dem öffentlichen Stromnetz. Benötigt wird dafür aber ein digitaler Stromzähler, ein Smart Meter Gateway. Diese Kommunikationseinheit sorgt für die sichere Übertragung der Verbrauchsdaten und ermöglicht eine stundengenaue Abrechnung basierend auf den aktuellen Börsenstrompreisen.
Die Funktionsweise: Das Elektroauto dient hierbei als dynamischer Zwischenspeicher. Die Software schaltet den Energiefluss je nach Netzauslastung und Strompreis um.
Der Nutzen: Bei billigem Solar- oder Windstrom (oft zu negativen Preisen) wird der Akku geladen; droht eine Netzüberlastung oder steigen die Preise, wird der Strom wieder zurück ins Netz geschaltet (gespeist), wodurch Autobesitzer Geld verdienen können.
Die Nutzung von Wasserstoff in Pkws ist noch lange zu teuer
Die Studie bezieht auch alternative Antriebe wie wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge ein. Auch hier ist eine deutliche Emissionsminderung im Vergleich zu Benzinfahrzeugen möglich – theoretisch bis zu 79 % – allerdings nur, wenn der Wasserstoff mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird.
Dieser „grüne“ Wasserstoff ist in Europa derzeit jedoch kaum verfügbar und noch weitaus zu teuer. Der wenige Wasserstoff sollte vorrangig in der Stahl-, Zement- und chemischen Industrie und im Schwerlastverkehr zur Nutzung kommen.
Fehlinformationen in der Debatte um Elektrofahrzeuge
Fehlinformationen und selektive Datennutzung haben in der öffentlichen Debatte für Verunsicherung bezüglich der Klimabilanz von Elektroautos gesorgt. Die ICCT-Analyse zeigt, wie stark einzelne Annahmen die Ergebnisse verzerren können – etwa, wenn man nicht einbezieht, dass sich der Strommix über die Lebensdauer der Fahrzeuge ändert, dass die realen Verbrauchswerte von Autos meist deutlich von den offiziellen Angaben abweichen oder Fahrzeuge im Schnitt mehr als 20 Jahre genutzt werden.
Ein gängiges Argument lautet, Elektroautos hätten aufgrund der Batterieproduktion eine höhere CO₂-Bilanz. Zwar fallen bei der Herstellung voll-elektrischer Fahrzeuge rund 40 % mehr Emissionen an als bei Benzinern, doch dieses anfängliche „Emissionsdefizit“ ist laut ICCT-Studie im Schnitt bereits nach rund 17.000 Kilometern ausgeglichen – in der Regel innerhalb des ersten bis zweiten Nutzungsjahres.
Der Vorteil von Elektrofahrzeugen
Ein entscheidender Vorteil von Elektrofahrzeugen liegt in ihren Betriebskosten: Die Wartungskosten sind im Durchschnitt 33 Prozent niedriger als bei Verbrennern, wobei bei einigen Herstellern sogar Einsparungen von bis zu 58 Prozent realisierbar sind. Des Weiteren sind reine Elektroautos für einen Zeitraum von zehn Jahren von der Kfz-Steuer befreit, was einen weiteren finanziellen Vorteil darstellt.
Die Energiekosten pro 100 Kilometer belaufen sich bei Elektroautos auf circa 5,80 Euro bis 6,40 Euro, was erheblich unter den Kosten von Benzinern liegt, die etwa 12,25 Euro bis 14,00 Euro verursachen. Dennoch sollten Käufer die höheren Vollkaskoversicherungsprämien für Elektroautos nicht außer Acht lassen, da diese aufgrund der komplexen Hochvolttechnik und der kostspieligen Batterien bis zu 44 Prozent teurer ausfallen können.
Eine erste Studie zur E-Mobilität vom ICCT datiert vom 9.7.2025. Hierzu kam auch die Fachzeitschrift „Auto-Motor-Sport“ schon am 11.7.2025 zu der Aussage: „CO₂-Vorteil von E-Autos ist größer als gedacht.“
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