Da waren die Sängerinnen der Leipziger Gruppe Sjaella selbst überrascht, als sie erfuhren, dass eins ihrer Lieder in der neuen Verfilmung von „Sinn und Sinnlichkeit“ einen Platz gefunden hat. Der neue Film in der Regie von Georgia Oakley kam am 16. Oktober in die Kinos. Und dass ein Lied von Sjaella darin vorkam, verriet die Produktionsfirma vorher nicht. Das entdeckten dann erst aufmerksame Kritiker, die auch den Abspann genau studierten. Und siehe da: Ein Lied, das Sjaella 2018 aufgenommen hat, wurde in diesem Film zur Leitmelodie für den Abspann.

Und wie wichtig so ein Abspann in einer Jane-Austen-Geschichte ist, wissen alle, die das Buch der englischen Autorin, das im Jahr 1811 erschien, gelesen haben oder eben eine der beiden Verfilmungen von „Sinn und Sinnlichkeit“ gesehen haben. Etwa die von 1995 im der Regie von Ang Lee mit Stars wie Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant oder Alan Rickman. Da lag die Latte hoch.

Trailer zu „Sinn und Sinnlichkeit“

„Der Film ist etwas dunkler als die heute 30 Jahre alte Version, die etwas hemmend funktionierte, aber es kam schließlich ziemlich gut mit dieser bekannten Geschichte heraus“, fasst der niederländische Blogger Begt seine Eindrücke aus dem Film zusammen. Er war es auch, der den Sjaella-Song im Finale entdeckte.

Er fasste auch mit einem Augenzwinkern zusammen, was bis heute den Reiz von Jane Austens Romanen ausmacht und ihre Storys so filmreif: „Der einzige Ausweg aus dieser trostlosen Lage ist, einen reichen Mann zu angeln. Klingt einfach; die Schwestern sind schließlich sehr attraktive Frauen, das sollte also kein Problem sein. Doch die Männer jener Zeit wissen, dass sie eine Goldgrube vor sich haben; sie haben die freie Auswahl. Während die bescheidene Elinor, mit dem nötigen Verstand, ein Auge auf den unerreichbaren Edward Ferrars wirft, hält die extravagante Marianne Dashwood, voller Lebenserfahrung, Ausschau nach einem reichen und gutaussehenden Mann mit Ansehen – mit weniger gibt sie sich nicht zufrieden. Was wird es sein: eine Reihe von Lügen und Enttäuschungen, oder sehe ich am Ende doch noch jemanden auf einem weißen Pferd erscheinen?“

Und wie endet das also?
„In der letzten Szene wird die Doppelhochzeit von Colonel Brandon und Marianne sowie Edward und Elinor gefeiert“, formuliert Wikipedia die Pointe zu dem Film von 1995. Klingt wie „Ende gut, alles gut“. Aber wer die ganze Story vorher gesehen oder gelesen hat, weiß,, wie vertrackt diese ganze Suche nach dem Richtingen war. Der heutige Titel „Sinn und Sinnlichkeit“ verfehlt dieses typisch Austen’sche Dilemma, weshalb der Roman klassischweise im Deutschen „Verstand und Gefühl“ hieß.

Denn manchmal ist es eben der Verstand, der Menschen ins Dilemma führt. Und oft geht das auch gar nicht anders. Denn die Welt ist weder sanft noch schonend, schon gar nicht die Welt, in der Geld und Besitz bestimmen, ob jemand eine gesicherte Existenz bekommt.

Und dann nehme man diese turbulenten letzten Szenen, in denen sich für die Schwestern doch alles zum Guten wendet, und lege das Lied von Sjaella drunter: „The Trees They Grow So High“. Ein Volkslied, das die Leipziger Sängerinnen in schottischen Quellen des 18. Jahrhunderts gefunden haben. Die wirkliche Herkunft des Liedes liegt ein bisschen im schottischen Nebel. Aber in der Einspielung von Sjaella entfaltet es seine mitreißende Wirkung.

Veröffentlicht hat es die Gruppe am 16. November 2018 mit dem Album „Meridiane NORD“ mit Volksliedern aus dem europäischen Norden unter dem Label Raumklang. Zu hören sind darauf Stücke aus Finnland, Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und von den britischen Inseln. Und eben als siebenter Titel „The Trees They Grow So High“.

Kurze Anspielungen der Lieder auf „Meridiane NORD“ kann man in diesem Youtube-Clip hören.

Und nun hat man die Wahl: Gleich mal nachschauen, ob der Film im Kino um die Ecke läuft? Oder sich endlich mal Jane Austens Roman besorgen und eintauchen in eine Welt voller Komplikationen, die uns heute so fremd gar nicht sind. Auch wenn die Welt, die Jane Austen schildert, die eines Englands im Jahr 1795 ist. Denn „Verstand und Gefühl“ gehört zu den frühen Romanen der jungen Pfarrerstochter, die gerade 20 Jahre alt war, als sie das Buch schrieb. Und dann ein Leben lang unverheirat blieb, denn ihre eigene Liebesgeschichte ging eben leider nicht so fröhlich aus.

Wikipedia fast das Drama ganz kurz so zusammen: „Im Alter von 20 Jahren lernte sie auf einem Ball den Iren Thomas Lefroy kennen. Es entspann sich eine gegenseitige Sympathie. Beide liebten die englischsprachige Literatur. Doch einer möglichen Heirat stand Lefroys Familie aus pekuniären Gründen abweisend gegenüber. Die Eltern wünschten sich etwas Nobleres zur Schwiegertochter als eine Pfarrerstochter ohne Mitgift.“

Es ist also auch Janes Geschichte, die da auf der Leinwand passiert. Nur halt mit einem Happyend, während ihr selbst dieses Glück nicht beschieden war.

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