Die Leipzig Lions stecken mitten in ihrer zweiten GFL2-Saison. Nach zwei frühen Siegen sind sie nun jedoch auf den Boden der harten Liga-Realität aufgeschlagen. Nach einer heftigen 0:42-Pleite bei den Hamburg Pioneers, ging am Samstag auch das Heimspiel gegen die Langenfeld Longhorns überraschend deutlich mit 10:33 verloren. Lions-Headcoach Carsten Kunz war bedient. Im Anschluss an die Partie sprach er im LZ-Interview über die aktuellen Probleme und den Blick nach oben.

Für die Leipziger geht es in ihrem zweiten Spieljahr in der zweithöchsten deutschen American Football-Spielklasse nach wie vor um den Klassenerhalt. Einfache Formel: Nicht Tabellen-Letzter werden! In ihrer Premieren-Saison reichten dafür zwei Siege aus. Dafür mussten sie aber auch bis zum letzten Spieltag zittern. Diesmal ist die aktuelle Lage schon etwas komfortabler. Denn zwei Siege waren bereits nach dem fünften Spiel in den Büchern. Dem 13:10-Auftaktsieg gegen Aufsteiger Minden Wolves folgte später ein hauchdünnes 22:21 bei den Langenfeld Longhorns.

Und Letztere waren es auch, die am vergangenen Samstag, 25. Juli, mit bisher nur einem Saisonsieg zu Gast bei den Leipzig Lions im Markkleeberger Sportpark Camillo Ugi waren. Verständlich also, dass sich die Leipziger vor eigenem Publikum berechtigte Hoffnungen auf einen erneuten Erfolg machten. Doch viel zu früh im Spiel wurde klar: Das wird nix. Zu wenig präsent wirkten die Löwen, die bis Mitte des zweiten Viertels von den Longhorns gleich vier Touchdowns samt Zusatzpunkt vor die Mähne geknallt bekamen. Zwischenstand 0:27!

Mohamed Traore (#31, Langenfeld Longhorns) mit Ball. Foto: Jan Kaefer

Vor der Halbzeit hübschte ein Fieldgoal von Jonas Georgi sowie ein Touchdown von Jan Rubitzko – plus Zusatzpunkt durch Georgi – den Stand der Dinge etwas auf. Mit 10:27 ging es somit in die Pause. In Sachen Punkte tat sich danach allerdings nicht mehr viel. Die Lions konnten nicht nachlegen, ließen sich stattdessen immer wieder auf Rangeleien und Provokationen ein, gelbe Flaggen flogen auf den Rasen wie ein Schwarm Zitronenfalter auf Betriebsausflug. Langenfeld sorgte schließlich mit ihrem fünften Touchdown der Partie für den 10:33-Endstand.

Das hatte sich auch Lions-Headcoach Carsten Kunz ganz anders vorgestellt. Wir haben nach der Partie mit ihm gesprochen:

Herr Kunz, wie lautet Ihr erstes Fazit zum heutigen Spiel?

Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass wir hier als Sieger vom Feld gehen. Insbesondere weil es ein Heimspiel war, mit toller Atmosphäre, tollem Wetter und tollen Zuschauern. Leider haben wir in der ersten Halbzeit total viel verschlafen. Die Verteidigung hat ein paar individuelle Fehler gemacht, nicht getackelt. Das hat Langenfeld natürlich knallhart ausgenutzt mit seinen Import-Spielern.

In der zweiten Halbzeit war die Defense besser, aber wir müssen in der Offense irgendwie mal den Rhythmus finden. Der fehlt. Zwar sah das im vierten Viertel ganz gut aus, aber Langenfeld hat „Bend but don’t break“ gespielt, also: Wir lassen uns nach hinten schieben, aber wir brechen nicht und lassen keine Big Plays zu. Das hat natürlich viel Spielzeit von der Uhr genommen. So spielt man das, wenn man mit drei Scores führt.

Wie lässt sich das aktuelle Tief erklären, denn auch im vorigen Spiel hatte es ja eine deutliche Niederlage gegeben?

Ich glaube, durch die zwei Siegen schon zu Beginn der Saison, hatte die Mannschaft vielleicht ein zu großes Sicherheitsgefühl bekommen. Wir Coaches versuchen, die Jungs immer auf den nächsten Gegner einzustellen, geben sehr viel Energie in Video-Scouting und so weiter. Aber irgendwie kriegen wir das nicht so auf die Spieler übertragen, dass sie das auf dem Spielfeld umsetzen können.

Wir werden uns als Coaches beim nächsten Training zusammensetzen und das noch einmal analysieren, um die Jungs auch mental so gut auf die restlichen Spiele vorzubereiten, dass wir auch gewinnen können. Das sind noch zwei Heimspiele – gegen Elmshorn und Krefeld – und dazwischen sind wir auswärts in Minden.

Headcoach Carsten Kunz (Leipzig Lions). Foto: Jan Kaefer

Das heutige Spiel wirkte sehr zerfahren, mit vielen Nickligkeiten und kleinen Aggressionen. Ist das ein Zeichen dafür, dass die Köpfe gar nicht so richtig fokussiert waren?

Genau, das ist ein Zeichen, dass die Spieler nicht so richtig mit dem Fokus im Spiel sind. Die lassen sich ablenken von irgendwelchen Kleinigkeiten. Ich weiß nicht, ob das ein mentales Ding einzelner Spieler ist. Es gibt natürlich Spieler, die mental stark genug sind, um das alles abzukönnen, die auf dem Spielfeld während des Spielzuges austeilen und zeigen, was sie drauf haben und sich eben nicht provozieren lassen. Da müssen andere, junge Spieler noch hinwachsen. Und das ist, glaube ich, gerade unser Problem.

Die zweite Saison der Leipzig Lions in der GFL2 ist natürlich eine harte Saison. Ich hatte schon immer gesagt: Das zweite Jahr wird immer das härteste Jahr. Und wenn es dann mal nicht läuft, ist das immer ein guter Gradmesser für das Gesicht und den Charakter einer Mannschaft. Wir zeigen da gerade noch etwas unsere hässliche Fratze. Darauf reagiere ich allergisch, denn das ist nicht das, was ich als Coach den Spielern beibringe und mitgeben möchte.

Wenn wir haushoch führen, sage ich immer: „Win it with class“ – werdet nicht überheblich, bleibt professionell. Dasselbe muss aber auch gelten, wenn wir scheinbar unerreichbar zurückliegen. Auch dann müssen wir die Klasse und Professionalität haben, uns einfach auf den nächsten Spielzug zu konzentrieren, um dann eben doch in der Lage zu sein, das Spiel wieder herumzureißen. Das haben wir heute einfach nicht geschafft – und das haben wir auch gegen Hamburg nicht geschafft. Das Scoreboard sagt am Ende ganz deutlich, dass wir uns das mit dieser gezeigten Performance auch verdient haben.

Luca Brinner (#27, RB, Leipzig Lions) in Ballbesitz. Foto: Jan Kaefer

Was ist jetzt aus den drei restlichen Spielen noch nötig, um den Klassenerhalt schaffen zu können?

Minden hat bisher noch kein Spiel gewonnen, für die wird die Luft natürlich immer dünner. Aber es kann nicht unser Ansporn sein, nach unten zu schauen. Denn wir wollen uns perspektivisch nach oben entwickeln, auch mit Blick auf die kommenden Saisons. Daher müssen und wollen wir nach oben schauen.

Wir können uns aber nicht auf den zwei Siegen ausruhen, die wir schon haben. Diese Siege waren mit drei Punkten Abstand und mit einem Punkt Abstand – das war also nichts Überzeugendes. Daran müssen wir arbeiten, damit wir irgendwann auch mal sagen können: Die Lions haben sich diesen Sieg klar verdient, da gab es von Anfang an keine Fragezeichen. Dahin wollen wir kommen.

Wir haben jetzt noch drei Spiele Zeit. Um realistisch zu sein, wird es gegen Krefeld natürlich schwierig, das ist der Klassen-Primus. Aber gegen Elmshorn, die ich als gleichwertig einstufen würde, und gegen Minden, die noch kein Spiel gewonnen haben, können noch zwei Siege drin sein.

Das Restprogramm der Leipzig Lions

Sa., 8. August um 15 Uhr: Elmshorn Fighting Pirates (Heimspiel)
Sa., 15. August um 15 Uhr: Minden Wolves (Auswärtsspiel)
Sa., 22. August um 16 Uhr: Krefeld Ravens (Heimspiel/ Nachholer)

Die Heimspiele werden im Sportpark Camillo Ugi in Markkleeberg (Städtelner Str. 101) ausgetragen.

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