Die Gewerkschaft ver.di, Die Linke und das Bündnis „Leipzig steht zusammen“ hatten für den 15. Juni zur Kundgebung auf dem Leipziger Naschmarkt, mit anschließender Demonstration zum Volkshaus, aufgerufen. Um 17.30 Uhr erwies sich der Kundgebungsort schon als zu klein, die Teilnehmenden standen dicht an dicht, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Diese konnte man mit Fug und Recht als kämpferisch bezeichnen.

Das drückten auch die sechs Teilnehmenden aus, die uns kurze Statements gaben. Die Statements zeigen, dass die aktuelle Kürzungspolitik von allen abgelehnt wird. Auch die Reden bei der Auftaktkundgebung brachten das zum Ausdruck.
Caro von der ver.di Betriebsgruppe der Universität Leipzig setzte sofort, am Anfang ihres Redebeitrages, den Tenor der Kundgebung: „Wir sind heute hier, weil es uns reicht. Es sind die krassesten Einsparungen im Sozialstaat seit über 20 Jahren, also der Agenda 2010 geplant. Es reicht uns, mit täglich neuen Plänen den Sozialstaat abzubauen oder sogar abzuschaffen. Es sollen massive Einschnitte bei der Gesundheitsvorsorge geben, das Pflegebudget wird heftig zusammengekürzt und die Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe steht auf dem Spiel. Die Rente wird immer weiter privatisiert und der Kündigungsschutz steht in Gefahr. Sogar die Lohnfortzahlung will man uns kürzen im Krankheitsfall. Der Acht-Stunden-Tag soll abgeschafft werden. Wir sollen noch länger arbeiten und malochen bis zur Rente. Es reicht!

All das macht uns erschöpft, verzweifelt und vereinzelt. All das macht es uns schwerer, uns gegen andere politische Projekte zu wehren. Und diesen Frust können Rechte sehr gut einsetzen, um Stimmung gegen MigrantInnen, gegen Arbeitslose und andere vulnerable, verletzliche Gruppen zu machen. Aber wir wissen, dass es anders geht. Wir lassen uns nicht kaputt sparen und wir lassen uns nicht spalten. Jegliche Errungenschaften von sozialen Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte stehen auf dem Spiel. Wir haben genug davon, dass einige Millionengewinne machen und andere sich das Leben nicht mehr leisten können. Sozialabbau betrifft uns alle. Es reicht!“
Was folgte waren Redebeiträge die genau das von Caro in komprimierter Form dargestellte schilderten. Ob in der Eröffnungsrede die Situation an der Universität, die von Daniel dargestellten Probleme bei der Landesdirektion oder die von Karin beschriebenen Zustände im Sozialamt, alles beschrieb, dass weitere Kürzungen eine soziale Katastrophe heraufbeschwören.

Für Die Linke setzten Tammo und Katja den Schwerpunkt auf die Rüstungsausgaben, die sie für die geplanten Einsparungen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich verantwortlich machten. Tammo beendete den Beitrag mit: „Ich bin überzeugt davon, dass die Schulstreiks, die Demonstrationen gegen Aufrüstung und Kriegswahnsinn und die Sozialproteste hier zusammengehören. Denn jeder Euro, der für militärisches Gerät ausgegeben wird, ist ein Euro, der nicht für uns, sondern gegen uns ausgegeben wird. Wir stehen hier und sagen, nieder mit der Schuldenbremse und kein Mensch und kein Cent der Bundeswehr. 100 Milliarden für Bildung, Gesundheit und Soziales!“

Das sollte dann auch einer der Slogans der Demonstration werden.
Nach diesem letzten Beitrag am Startort zog die Demonstration durch die Innenstadt, über den Hauptbahnhofvorplatz, die Goethestraße, vorbei an der Moritzbastei zum kleinen Wilhelm-Leuschner-Platz wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Anschließend ging es zur Abschlusskundgebung zum Volkshaus in der Karl-Liebknecht-Straße.
Es war alles in allem eine kraftvolle Demonstration, die nach Aussagen der Veranstalter nur der Auftakt zu weiteren Protesten gegen die Sparpolitik war. Bei 1000 Teilnehmern an der Eröffnungs-Demonstration lässt das einen heißen Protest-Sommer erwarten.
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