Man sollte bei den aktuellen Wahlumfragen nicht immer nur auf die AfD schauen. Die sammelt letztlich nur ein, was andere Parteien an Vertrauensverlust zu verzeichnen haben. Und nicht erst seit 2013, seit sich die AfD gründete, sondern mindestens seit 2005, als ausgerechnet die SPD die Hartz-IV-Gesetzgebung durchdrückte. Unter diesem Bruch mit der eigenen Wählerklientel leidet die SPD bis heute.

Nur: Die Idee, mit Billigarbeitsplätzen die Wirtschaft anzukurbeln, spukt noch heute in den Köpfen vieler Politiker. Und in Sachsen zeigt sich immer deutlicher, wer letztlich für die Billiglohn-Politik bezahlt.

Es sind genau jene Menschen, denen all die Jahre zugemutet wurde, jeden „zumutbaren“ Job anzunehmen, die sich für Niedriglohn durch ihr Arbeitsleben geschuftet haben und bei erstem Rentenbescheid erfahren, dass ihre angesammelten Punkte schlicht nicht zum Leben im Alter reichen.

Also arbeiten sie weiter und verdienen sich das benötigte Geld dazu, bevor sie zum Bettelgang ins Sozialamt gehen. Nichts macht deutlicher, dass es beim Thema Rente am Ende um ein ganz zentrales Verhalten in der Politik geht: um den Stolz der Arbeitenden und den fehlenden Respekt durch die Politik.

Eine Politik ohne Respekt

Man vermisst diesen Respekt in der aktuellen Politik umso mehr. Wieder wird Politik gegen all die Menschen gemacht, die mit ihren Jobs sowieso schon immer an einer prekären Existenz kratzen und meist die ersten sind, die gekündigt werden und beim Jobcenter Schlange stehen.

Laut der Arbeitsagentur ist die Zahl der Menschen, die im Rentenalter weiterarbeiten, in Sachsen weiterhin groß. Und die Zahl stieg auch 2025 weiter an. Derzeit sind etwa 60.000 Menschen weiter beschäftigt, die meisten geringfügig.

Die von Susanne Schaper abgefragten Zahlen zu Rentnern in Erwerbstätigkeit in Sachsen. Grafik: Linksfraktion Sachsen
Die von Susanne Schaper abgefragten Zahlen zu Rentnern in Erwerbstätigkeit in Sachsen. Grafik: Linksfraktion Sachsen

„Arbeit im Rentenalter ist auch in Sachsen ein wachsendes Phänomen – das belegen auch meine regelmäßigen Landtagsanfragen seit Jahren“, erklärt Susanne Schaper, Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag.

„Wer im Alter weiterarbeiten möchte, soll dies tun – das hilft unserer vom Arbeitskräftemangel geplagten Gesellschaft und bedeutet für viele Menschen auch persönliche Erfüllung, oder jedenfalls höhere Rentenansprüche. Es darf aber niemand wegen Geldmangels dazu gezwungen sein, den verdienten Ruhestand zu verschieben! Im Osten ist die gesetzliche Rente für viele die einzige Einkommensquelle, die aber immer mehr Menschen nicht zum Leben reicht.

Bestandsrentnerinnen und -rentner in Sachsen erhielten 2024 im Durchschnitt 1.345,80 Euro, neue Rentnerinnen und Rentner bekamen durchschnittlich nur noch 1.249,69 Euro (Statistik 2024 der Deutschen Rentenversicherung). Da fällt es schwer, mit steigenden Preisen und Mieten klarzukommen.“

Eine Rentenreform, die ihren Namen verdient

Deutschland braucht schon lange eine Rentenreform, die ihren Namen verdient hat und vor allem den Menschen mit niedrigen Arbeitseinkommen die Angst vor einem Alter in Armut nimmt. Denn anders als Gutverdiener können sie nichts ansparen und zurücklegen, also auch nicht – wie von konservativen Politikern so gern gefordert – finanziell vorsorgen für den Lebensabend.

Und das trifft besonders auf viele Beschäftigte in Ostdeutschland und konkret in Sachsen zu, das sich Jahrzehnte lang regelrecht als Niedriglohnland anbiederte. Aber niedrige Löhne bedeuten nun einmal am Ende Armutsrenten.

„Damit alle ihren Ruhestand genießen und frei darüber entscheiden können, ob sie arbeiten wollen, muss die gesetzliche Rentenversicherung eine sichere Bank für alle sein“, fordert Susanne Schaper. „Das ist möglich, wenn alle Erwerbstätigen einbezogen werden und für ihre gesamten Einkünfte im Job und am Finanzmarkt Beiträge in den Rententopf entrichten. Das muss künftig auch für Abgeordnete, Selbstständige oder die Beamtinnen und Beamten gelten.

Österreich hat vorgemacht, wie sich eine solche große, gerechte Veränderung umsetzen lässt. Die Beitragsbemessungsgrenze muss weg, damit auch Menschen mit hohem Einkommen pflichtgemäß zur Solidargemeinschaft beitragen. Wir wollen eine solidarische Mindestrente in Höhe von 1.400 Euro netto im Monat für alle einführen, bei der Rentenbesteuerung müssen großzügige Freibeträge gelten.“

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