Mit einer kleinen „Entführung“ begann am Samstag bei strahlendem Sonnenschein der Tag der offenen Tür bei der Polizei Sachsen. Besucherinnen und Besucher hatten bis zum Nachmittag über mehrere Stunden die Gelegenheit, an Infoständen und bei Vorführungen einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit zu erhaschen und mit Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.

Alles beginnt mit einem gemeinen Frevel, der beinahe alles über den Haufen geworfen hätte: Poldi, Profession Dinosaurier und das treue Maskottchen der sächsischen Polizei, wurde gekidnappt. Nicht zu fassen! Welch ungeheuerliches Glück, dass das Spezialeinsatzkommando (SEK) per knatterndem Hubschrauber rasch zur Stelle war. Er ist Teil des laufenden Flottenwechsels und der neue Stolz der sächsischen Polizei: Modell Airbus H145, zweimotoriger Leichtbau, geräuschreduziert, erhöhte Tragelast, mit Glas-Cockpit, das gleichzeitig für den Gebrauch von Nachtsichtbrillen ausgelegt ist, digitalem Kartensystem, GPS und Wetterradar.

Die SEK-Männer konnten den geschundenen Poldi aus einer Halle befreien und seinen skrupellosen Entführer einsacken. Weitere psychologische Betreuung des Sauriers war offenbar nicht nötig. Sonst wäre alles im Eimer gewesen. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) und Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa höchstpersönlich nahmen das Opfer in Empfang. Mit diesem dramaturgischen Szenario startete am Samstagvormittag der Tag der offenen Tür bei der sächsischen Polizei.

Zwischen 10:00 Uhr und 17:00 Uhr hatte das Präsidium der Bereitschaftspolizei in der Dübener Landstraße 4 seine Pforten geöffnet. Schon eine Weile vor dem Auftakt bildete sich eine lange Schlange am Eingang des Geländes, viele Familien mit Kindern waren gekommen.

Vorführungen simulieren Festnahme nach Bankraub und aggressive Hooligans

Das programmatische Angebot der kostenfreien Veranstaltung war vielfältig: Zu den Höhepunkten, die für besonders viel Andrang sorgten, zählten nach der Landung des Polizeihubschraubers und der heldenhaften Befreiung von Kinderdino Poldi vor allem die Einsätze, die auf einer Vorführfläche zweimal, wenn auch etwas vereinfacht, nachgestellt wurden.

Im fiktiven Szenario 1 wurde der Fluchtwagen nach einem Bankraub durch Auswurf von Nägeln gestoppt, nachdem die Täter trotz Verfolgung nicht aus freien Stücken aufgaben. Einsatzkräfte zogen das „Gangsterduo“ aus dem Fahrzeug. Geplatzt der Traum vom süßen Leben mit viel Geld!

Rauer ging es dann im Szenario 2 zu: Polizistinnen und Polizisten mimten einen aggressiven Trupp von „Fußballfans“, der bei einem Spiel unterwegs ist und aus dem heraus es zu Straftaten kommt. Eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) heftet sich an die Fersen der pöbelnden Übeltäter, zieht einzelne heraus.

Die Lage spitzt sich zu, erneut spalten sich ein paar Aggressoren ab. Barrikaden aus Reifen werden aufgebaut und entzündet, Gegenstände fliegen. Ein Wasserwerfer hält die mittlerweile vermummten Randalierer auf Abstand und versperrt die Sicht, sodass die Polizeikräfte die Gelegenheit zum Zugriff nutzen. Der Spuk endet.

Leichen, Maden, Exkremente: Alltag von einem Mordermittler und einem Tatortreiniger

Wer es etwas ruhiger mochte, hatte gleich viermal Gelegenheit, einem Tatortreiniger-Workshop im Speisesaal zu lauschen. Jeweils 45 Minuten lang gaben Thomas Kundt, seines Zeichens Tatortreiniger und Desinfektor, sowie Ronald Straew, langjähriger Ermittler der Leipziger Mordkommission, Einblicke in ihre Tätigkeit. Nicht unbedingt etwas für schwache Gemüter, doch ungemein spannend und mit der notwendigen Prise Humor gespickt.

Nicht alle der vielen Vorführungen konnten wir mit begrenzter Reporter-Kapazität mitnehmen – es gab noch viel mehr zu sehen und zu hören: etwa die polizeiliche „Modenschau“, Präsentationen von Kriminaltechnik, Verkehrspolizei, Höheninterventionsteam, Hunde- und Reiterstaffel, das Konzert des Polizeiorchesters, eine Puppenbühne, DJ und das obligatorische Plüschpoldi-Gewinnspiel.

Es geht um Nachwuchsgewinnung und Zukunftsfragen

Doch klar ist: Hinter der schönen Fassade geht es auch hier letztlich um Personalfragen, Nachwuchsgewinnung und große Fragen der Zukunft. Das wurde in einer Diskussion deutlich, an der sich auf der Bühne der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsens Innenminister Armin Schuster beteiligte. Themen dabei waren unter anderem die Stellenentwicklung im Polizeidienst, Ausbildungsoptionen für junge Schulabgänger und die hohe Arbeitsbelastung für die Beamtinnen und Beamten.

Bereits im Frühjahr hatte die GdP in Anmahnung eines neuen Polizeigesetzes darauf hingewiesen, wie sehr auch die sächsische Polizei auf die Anforderungen der Zeit reagieren muss: Cybercrime, organisiertes Verbrechen und Terrorismus sind nur drei der Herausforderungen, denen sich die Ordnungsmacht im Freistaat gegenübersieht.

Und vielleicht leistet der Tag der offenen Tür einen kleinen Denkanstoß für junge Menschen, eine Lebensperspektive im extrem herausfordernden, aber vielseitigen Polizeiberuf zu sehen.

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