Sie können brennend, stechend, bohrend oder reißend sein – Schmerzen gehören zu den frühesten und eindrücklichsten Erfahrungen eines jeden Menschen. Dabei weisen akute Schmerzen auf eine potenzielle oder bereits eingetretene Gefahr für den Körper hin. Chronische Schmerzen dagegen verlieren diese Warnfunktion und laufen Gefahr, selbst zur Erkrankung zu werden. Für viele der rund 12 Millionen Betroffenen in Deutschland geht dies mit einem massiven Verlust an Lebensqualität einher, was unter anderem daran liegt, dass sie teils erst nach Jahrzehnten den Weg in spezialisierte Behandlungszentren finden.
Oberarzt Dr. Stephan Scheike, Leiter der Schmerztagesklinik des Universitätsklinikums Leipzig (UKL), kennt das Problem und wird seinen Vortrag in der Reihe „Medizin für Jedermann“ deshalb unter anderem auch dafür nutzen, die Schmerztagesklinik des UKL und ihre Angebote vorzustellen.
Ziel der Veranstaltung ist es, Betroffenen Mut zu machen, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Frühzeitig heißt für Dr. Scheike nach sechs Monaten Schmerzgeschehen. Tatsächlich aber erleben er und seine Kolleg:innen immer wieder „Menschen, die erst nach zehn, 20 Jahren oder noch längerem chronischen Schmerzleidens zu uns kommen und schon viel ausprobiert haben.“
Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Hier spielt zum einen das Wissen um die Entstehung und die Behandlung chronischer Schmerzen eine Rolle. Viele Patient:innen wüssten über die biologischen Ursachen ihrer Erkrankung gut Bescheid, so der Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, nicht aber über den Einfluss psychosozialer Faktoren wie Unzufriedenheit im Beruf oder eine im Zuge der Erkrankung aufkommende Depression.
Hinzu käme die Tatsache, dass viele Betroffene sich mitunter nicht ernst genommen fühlten: „Patient:innen mit chronischen Schmerzen sieht man ihren körperlichen Zustand meist nicht an. Wie sehr sie das belastet, merken wir daran, wie dankbar sie für die Art der Akzeptanz sind, die wir ihnen im Zuge unserer Behandlung bieten.“
Herzstück dieser Behandlung ist die multimodale Schmerztherapie – ein Angebot an Menschen, die lernen wollen, mit ihren chronischen Schmerzen umzugehen.
„Das sind Kurse von vier Wochen, in denen unterschiedlichste Techniken physio- und psychotherapeutischer Natur gelehrt beziehungsweise unterrichtet werden,“ erklärt Dr. Scheike stellvertretend für das interdisziplinäre Team der Schmerztagesklinik des UKL, „und am Ende dieser vier Wochen soll für die Patient:innen die Idee stehen: Ok, so kann ich in Zukunft mit meinen Schmerzen umgehen, so kann ich sie beeinflussen und reduzieren, um eine möglichst hohe Lebensqualität zu erzielen.“
Der Erfolg gibt Dr. Scheike und Kolleg:innen recht. Dafür sprechen knapp sieben Jahre erfolgreicher Arbeit der Schmerztagesklinik am UKL und zahlreiche Patient:innen, die sie in dieser Zeit durchlaufen haben.
Medizin für Jedermann: „Chronische Schmerzen – Alles Einbildung?“
Donnerstag, 4. Juni 2026, 18.30 Uhr bis 19.45 Uhr, Hörsaal Haus 4, Liebigstraße 20






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