Gleich mit mehreren Aktionen direkt vor der Buchmesse hat der aktuelle Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer deutlich gemacht, dass er mit Büchern und Meinungsfreiheit nicht viel anfangen kann. Es begann mit seinen Streichungen von linken Buchhandlungen auf der Preisträgerliste der ausgezeichneten Buchhandlungen für 2026.
Dann cancelte er die Preisvergabe gleich ganz und stoppte gleich im nächsten Schritt die Pläne für den dringend notwendigen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek. Warum lädt die Leipziger Messe so einen Mann dann auch noch ein, zur Messeeröffnung salbungsvolle Worte zu sprechen?“, fragte sich Prof. Dr. Alfonso de Toro.
Er ist emeritierter Professor der Romanistik der Universität Leipzig und hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach zu Wort gemeldet, wenn es um die Bewahrung von Strukturen für die Literatur ging. Zuletzt beim Kampf um den Erhalt des Literaturhaus Leipzig e.V., der seit 30 Jahren hochkarätige Literaturveranstaltungen im Haus des Buches organisiert.
Aber nun ist er richtig sauer. Denn bei seinem Federstrich zum Erweiterungsbau der Nationalbibliothek in Leipzig stellte Weimer ja bekanntlich auch noch die Existenz dieses „Gedächtnisses der Nation“ infrage, schlug stattdessen vor, Bücher nur noch in digitaler Form zu speichern. Völlig ahnungslos augenscheinlich, dass gedruckte Bücher wesentlich haltbarer sind als Digitalisate, die irgendwo in der Cloud abgelegt werden.
Und so tut jetzt Prof. Dr. Alfonso de Toro das, was eigentlich auch eine mutige Messegesellschaft oder der Börsenverein des Deutschen Buchhandels tun könnten. Mit einem Offenen Brief lädt er den Kulturstaatsminister zur Leipziger Buchmesse aus.
***
Der Offene Brief
Herr Staatsminister für Kultur und Medien, Dr. Wolfram Weimer
Sie sind ausgeladen!
Nachdem Sie sich vorgenommen haben, gerade die kritische, weltoffene und diverse Kultur in unserem Land mit Sanktionen zu belegen und zeitweilig kleine Verlage mit dem Einsatz des BND zu verfolgen und sie nach Ihrer konservativen, rechten und populistischen Ideologie zu knebeln und zu drangsalieren, können Sie sich die Dreistigkeit nicht erlauben, die Leipziger Buchmesse 2026 mit zu eröffnen, ganz besonders nicht, wenn Sie gerade den dringenden und bereits genehmigten Erweiterungsbau der Nationalbibliothek in Leipzig mit verheerenden Folgen, die deren Zukunft auch massiv gefährden, mit einem willkürlichen Veto gestoppt haben.
Sie, Herr Staatsminister, passen nicht zu einer vorbildlich toleranten und vielfältigen Stadt wie Leipzig, die ein Herz für Minderheiten und kleine kulturelle Akteure und Gruppen jeglicher Couleur und Respekt vor allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt hat.
Wenn Sie ein Mindestmaß an Schamgefühl haben, bleiben Sie bitte fern von Leipzig am 18.03.2026.
Es ist mir völlig unverständlich, dass die Leitung der Buchmesse Leipzig und des Börsenvereins – bei allen verständlichen politischen Zwängen muss man sich aber gerade in unseren turbulenten Zeiten klar positionieren – zugelassen haben, dass Sie zu diesem Anlass das Wort ergreifen dürfen.
Ich lade Sie aber aus!
Prof. Dr. Alfonso de Toro (Leipzig)
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:












Keine Kommentare bisher
Was für ein Paukenschlag, großartig!