Freitag 27. Februar um 6.00 Uhr, die Haltestellen der LVB sind leer, auf den Anzeigetafeln steht, dass die LVB bestreikt wird. Wir schauten beim Streikposten am Bushof Leipzig-Lindenau vorbei. Ungewöhnlich für diese Uhrzeit ist, dass scheinbar die gesamte Busflotte auf dem Bushof steht, einige bewegen sich aber. Der Streikposten war besetzt, es kamen ständig weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

André Wendel, Busfahrer und Mitglied der ver.di Vertrauensleuteleitung, gab uns noch einmal einen kurzen Überblick über die Forderungen der Gewerkschaftler und antwortete auf die Frage, ob denn nun alle Räder still stehen.
Es nehmen also nicht alle Beschäftigten der LVB am Streik teil, in der heutigen Frühschicht werden wohl nach Schätzung der Streikleitung etwa fünfzig Prozent der Busfahrerinnen und Busfahrer den Dienst aufnehmen. Führt das zu Konflikten zwischen Streikenden und denen die arbeiten? Andre Wendel stellte dazu klar, dass wohl jeder der nicht streikt seine Gründe hat und man muss sich ja in der nächsten Woche wieder in die Augen schauen können.
Ob und wie die LVB einen Notfahrplan aufstellen wird, das werden wir im Laufe des Tages merken.
Bei den Gesprächen am Streikposten war jedenfalls zu bemerken, dass die Fronten zwischen LVB und der Gewerkschaft verhärtet sind. Der Brief der Geschäftsführung an ver.di wird als Behinderung der Gewerkschaftsarbeit und ein faktisches Hausverbot für haupt- und ehrenamtliche Gewerkschaftsfunktionäre wahrgenommen. Die Vertrauensleute sehen mit der Formulierung „Unternehmensangehörigen mit anderer Ausübung als der betrieblichen Tätigkeit“, dass sie nicht einmal die zu erwartenden Ergebnisse der ausstehenden Tarifverhandlung mit den Mitarbeitenden auf den Betriebshöfen diskutieren dürfen.
Ob es zu einer weiteren Eskalation zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft kommt, bleibt abzuwarten, wünschenswert wäre eine schnelle Einigung.
Heute und morgen wird jedenfalls der Straßenbahn- und Busverkehr in Leipzig größtenteils ausfallen. Was doch noch fährt, das erfahren Sie am besten in der Move-App. Zumindest bis 6.30 Uhr hatten die DB-App, die viele auch für den ÖPNV nutzen, und die Anzeigen in der S-Bahn noch nichts vom Streik bemerkt und taten so, als ob alle Bahnen und Busse fahren.
Update 1
Gegen 10.00 Uhr teilten die Leipziger Verkehrsbetriebe mit, dass es keinen Notfahrplan am Freitag gibt. Der Pressesprecher der LVB sagte auf Nachfrage, dass die Arbeitswilligen, also die nicht am Streik teilnehmenden Mitarbeiter, nicht ausreichen, um einen Notfahrplan zu gewährleisten.
Update 2
Gegen 16.15 Uhr teilte ver.di mit: “Der Streik bei den Leipziger Verkehrsbetrieben wird bis Sonntag verlängert – dies haben die Beschäftigten auf den heutigen Streikversammlungen beschlossen. Ziel ist es den Druck auf die Arbeitgeber, insbesondere auf die GeschäftsfĂĽhrung der Leipziger Verkehrsbetriebe, zu erhöhen.”
Verhandlungsführer Paul Schmidt erklärte dazu: „Hinter uns liegen bereits zwei ergebnislose Verhandlungen, mit dreisten Gegenforderungen der Arbeitgeber nach Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Statt Entlastung und Aufwertung werden Kürzungen beim Urlaub, beim Krankengeldzuschuss vorgeschlagen und die Entgeltanbindung an den öffentlichen Dienst in Frage gestellt. Wir hoffen sehr, dass dieses Signal die Arbeitgeber nun zum Einlenken bewegt“
Weiterhin kritisierte Paul Schmidt erneut die oben angesprochenen Zutrittsverbote für die Gewerkschaftsfunktionäre.
Katharina Huwe, Straßenbahnfahrerin bei den LVB, ergänzte: „Im Streik wird deutlich, wie wichtig der ÖPNV für unsere Stadt ist, denn wir halten die Stadt wortwörtlich am Laufen! Egal ob bei Minusgraden oder Frühlingswetter, ob auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit oder auf dem Weg nach Hause vom Feiern. Dafür haben wir bessere Bedingungen verdient. Uns ist bewusst, dass der Streik auch Unbeteiligte trifft – aber es ist der einzige Weg, wie wir Druck erzeugen können“
Der Streik endet, nach jetzigem Stand mit dem Beginn der Frühschicht, am Montag, dem 2. März um 05.59 Uhr
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