Inklusion schon in der Kita: Plagwitzer Kinder üben das Zusammenleben mit behinderten Menschen

"Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen unserer Kinder" heißt ein Projekt des Behindertenverbandes Leipzig. Die Kinder der Plagwitzer Kindertagesstätte an der Heilandskirche waren die ersten, die sich so spielend dem Alltag von behinderten Menschen und dem Zusammenleben mit ihnen näherten. Die Materialien zum Projekt enthält ein Koffer.
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Der große Koffer mit den Figuren, Spielen und Heften bleibt jetzt in der Kindertagesstätte an der Evangelisch-Lutherischen Heilandskirche in Plagwitz. „Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen unserer Kinder“ heißt das Projekt zu dem Koffer. Mit eben diesem Thema beschäftigten sich die Kinder in der diesjährigen Fastenzeit in den vierzig Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern.

Die Fastenzeit handelt nicht nur vom bewussten Verzicht, sondern auch von der Besinnung auf Wesentliches. Als „Zeit des Gedankenmachens über Menschen, denen es nicht so gut geht und die uns wichtig sind“ hat Kita-Leiterin Anne-Kathrin Puchta die Zeit in den Jahreskreis ihrer Kita integriert. Da bot sich die Zusammenarbeit mit dem Behindertenverband Leipzig in diesem Jahr bestens an.

Gut 11 Prozent der Menschen in Deutschland leben mit einer Behinderung. Sie sind Menschen in unserer Mitte und eben keine Sorgenkinder. Aus eben diesem Grund hat sich die gleichnamige Aktion, die mit einer Fernsehlotterie kooperiert, vor gut 20 Jahren umbenannt.
Teilhabe, Inklusion, Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung sind die gesellschaftlichen Prämissen für das Leben von und Zusammenleben mit behinderten Menschen. Nachzulesen beispielsweise in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen aus 2006.

Das alles geht nur mit Barrierefreiheit: baulich und technisch, rechtlich und mental. Diesem Mega-Thema widmet sich das Leipziger Projekt. „Kinder sind die Bauherren der Zukunft“, erzählte Erzieherin Sabine März beim Pressegespräch am Donnerstag. Und das im wörtlichen, wie übertragenen Sinn.

Mit dem Leipziger Projekt habe man sich den Themen Leben mit Behinderung und Zusammenleben mit behinderten Menschen ganzheitlich nähern können, so März weiter. Alle Sinne der Kinder seien angesprochen worden. Es ging um Gehen, Hören, Sehen.
Leon, die Löwin im Rollstuhl, besuchte die Kinder in der Kita. In diese Rolle schlüpfte Ute Ploetz, stellvertretende Vorsitzende des Behindertenverbandes Leipzig. Mit dem Lorm-Handschuh und Textbausteinen mit Braille-Schrift erwarben die Kinder erste Kenntnisse der Gebärdensprache und der Blindenschrift.

Aus der Perspektive von behinderten Menschen erkundeten die Kinder anschließend ihren Stadtteil. Dabei merkten sie, dass beispielsweise Bordsteine noch nicht an allen Stellen abgesenkt wurden.

Das Projekt sei zugleich mit einem positiven Ansatz verbunden worden. „Behinderte Menschen brauchen kein Mitleid, sondern klare Nachfragen“, unterstrich Kita-Leiterin Anne-Kathrin Puchta.

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Auch Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian hob die Bedeutung der „Barrierefreiheit in den Köpfen“ hervor. Nach seinen Worten gehe es darum, Menschen mit einer Behinderung offen zu begegnen. Hierzu leiste das Projekt mit seinem kindgerechten Material einen wichtigen Beitrag.

Gunter Jähnig, Geschäftsführer des Behindertenverbandes Leipzig, dankte den Plagwitzer Steppkes, „dass Ihr die ersten gewesen seid, die dieses Projekt mitgemacht haben“. Als Dankeschön bleibt der Koffer mit den Materialien und Figuren nun auch offiziell in der Einrichtung zwischen Rudolph-Sack- und Weißenfelser Straße. Damit verbindet Jähnig die „Hoffnung, dass 50 Koffer sachsenweit in die Bibliotheken kommen in den nächsten Jahren“, damit im ganzen Freistaat Kindergartenkinder und Schüler einen barrierefreien Umgang mit behinderten Menschen spielend einüben können.

So wird aus dem Dank an den Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, die örtliche Bürgerstiftung und die Krankenkassen eigentlich schon die Bitte, gemeinsam auch diese Koffer zu finanzieren.


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