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Die Direktorin der Grundschule am Rabet im L-IZ Interview

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    Das neue Schuljahr hat auch in der Grundschule am Rabet am Montag begonnen. Das letzte hatte mit viel medialer Aufmerksamkeit geendet. Kicking Girls wurde vorgestellt. Viel Prominenz war anwesend und auch Frau Trummer, Direktorin der Schule, hatte eine Rede gehalten. Interviews wollte sie der anwesenden Presse nicht geben. Das L-IZ Interview ist insofern eine Ausnahme. Ihr Blick ging vor allem nach vorne. Besonders nach dem versöhnlichen letzten Schultag.

    Wie endete das turbulente letzte Schuljahr?

    Aus meiner Sicht endete es gut. Eine Begebenheit vom letzten Schultag lässt mich hoffen: Ich wurde nochmals in die Klasse 1 b gebeten. Dort habe ich jetzt ein Jahr Mathematik unterrichtet. Dort ist Frau Pawlitzki Klassenelternsprecherin. Ich habe einen Blumenstrauß bekommen und sie hat mir vor anderen Eltern, Kindern und der Klassenleiterin für meine gute Arbeit gedankt.

    Das ist ein versöhnlicher Abschluss des Schuljahres.

    Richtig. Und deshalb sage ich, ich möchte an dieser Atmosphäre festhalten. Denn das war vor einem Jahr ganz anders. Umso schöner ist dieses Zeichen des Neustarts. Ich denke Konflikte können uns voranbringen. Wir können aus den Diskussionen der vergangenen Monate viel Positives nehmen. Sicher konnten beteiligte Eltern durch die intensive Zusammenarbeit so besser erkennen, welche vielfältigen Aktivitäten und Anstrengungen von Seiten der Schule unternommen werden, um die Schulentwicklung erfolgreich zu gestalten. Auf unserer Schulhomepage wurde unser Maßnahmeplan veröffentlicht. Somit wurde unsere Arbeit transparenter.

    Es gibt aber weiter Gespräche zwischen den Beteiligten?

    Ja, die hat es ja die ganzen Jahre gegeben. Es wurden im vergangenen Schuljahr zahlreiche Gespräche zwischen Schulleitung und der Vorsitzenden des Elternrates, Frau Pawlitzki, sowie der Stellvertreterin, Frau Geisler, geführt. Kommunikation fand in Arbeitsgruppen, Schulkonferenzen, Fördervereinssitzungen und in persönlichen Gesprächen statt. Dies soll auch so beibehalten werden.

    Jedoch ohne die Mediation, die eigentlich von allen gewünscht wurde.

    Es gibt die Schulkonferenz, da sitzen Lehrer und Eltern zusammen. Aus meiner Sicht waren das gute Veranstaltungen. Es gibt die Elternabende. Außerdem besteht für jedes Elternteil die Möglichkeit, jederzeit mit Lehrern oder mit Schulleitung ins Gespräch zu kommen. Daran haben Gott sei Dank alle die ganze Zeit festgehalten. Ich sehe daher dem neuen Schuljahr positiv entgegen.

    Am 7. Juli war der Aktionstag. Welche Bedeutung hatte dieser Tag für die Schule?

    Der hat uns einen neuen Baustein in unserer Arbeit geliefert. Wir bekamen eine weitere Anregung, um Mädchen mit Migrationshintergrund durch Sport zu integrieren.

    So dass mit der eingeschlagenen Richtung offenbar alle zufrieden sind. Wenngleich sich manche wundern, dass erst jetzt das umgesetzt wird, was seit zwei Jahren gefordert wurde.

    Was meinen Sie konkret?

    Sie haben beim Aktionstag ein klares Bekenntnis zur Integration formuliert. Das und konkrete Schritte dahin wurden zuvor vermisst.

    Integration wurde an dieser Schule schon immer groß geschrieben. Wir haben Familien mit Migrationshintergrund, die bereits seit über 10 Jahren mittlerweile das 5. Kind an unserer Schule haben und sich sehr wohl fühlen. Fragen Sie doch einfach die Eltern, die es wirklich betrifft. Wir gehörten zu einer der ersten Schulen, in der es Deutsch als Zweitsprache in der Klasse gab.

    Der Brief des Elternrates kam ja auch in einer Situation, in der die Kommunikation nicht klappte. Die Schulsozialarbeiterin fehlte. Es gab wichtige Themen, die geklärt werden mussten und niemand war erreichbar, nicht in der Schulleitung und nicht beim Schulamt.

    Das stimmt zwar so nicht, gehört aber der Vergangenheit an.

    Hilft der Aktionstag mit der öffentlichen Aufmerksamkeit, mehr Hilfe für die Schule zu bekommen? Etwa bei der Frage einer zusätzlichen Schulsozialarbeiterin oder bei der Ausstattung der Schule?

    Das ist Verantwortung der Stadt Leipzig. Das liegt nicht in unserem Kompetenzbereich. Die Stadt Leipzig hat die Schulsozialarbeit installiert und finanziert die Stelle. Die eigentliche Arbeit wird an freie Träger vergeben.

    Reicht eine Stelle aus Ihrer Sicht?

    Es ist Wunsch der Eltern und den kann ich nur unterstützen, dass zukünftig zwei Stellen da sein werden. Seit diesem Schuljahr haben wir zwei Schulsozialarbeiterinnen an der Schule und ich hoffe, dass dies auch die kommenden Jahre so sein wird.

    Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie noch im kommenden Schuljahr?

    Wir werden auf unseren Maßnahmen- und Aktionsplan sehen, um zu prüfen, was im laufenden Schuljahr umgesetzt werden kann. Vieles, was dort enthalten ist, ist permanenter Bestandteil unserer Arbeit. Fünf neue Lehrer(innen) müssen an die Arbeit an unserer Schule herangeführt werden. Wir werden das Ergebnis der Evaluationskommission analysieren und das Schulprogramm noch mal überarbeiten. Es besteht die Gefahr, zu viele Wünsche gleichzeitig umsetzen zu wollen und sich dabei zu verzetteln.

    Wie werden die Lehrer unterstützt, damit sie gut in diesem sozialen Brennpunkt zurechtkommen?

    Es gibt einmal schulinterne Fortbildungen zum Thema „Umgang mit schwierigen Kindern“. Da laden wir uns auch externe Referenten ein, um ständig auf dem neuesten Stand zu sein und die Erfahrungen anderer Schulen zu nutzen. Dann gibt es natürlich immer wieder die Möglichkeit, sich Tipps und Hilfen von Kollegen und von der Schulleitung zu holen. Wir sind ein sehr gemischtes Kollegium. Viele sind schon sehr lange da und geben ihre Erfahrungen an die jungen Kollegen weiter. Das funktioniert sehr gut. Außerdem unterstützen uns die beiden Schulsozialarbeiterinnen dabei. Dann gibt es die ganz normalen Fortbildungsmöglichkeiten über die Sächsische Bildungsagentur.

    Ab diesem Schuljahr wird in jeder Klasse das Projekt „Anders streiten“ fortgeführt. Dafür steht pro Woche jeder Klasse eine zusätzliche Stunde zur Verfügung. Als Mitglied der Initiative „Schule mit Zukunft Leipzig Ost“ wird in den 1.Klassen zur Unterstützung das StartTraining mit drei zusätzlichen pädagogischen Kräften durchgeführt.

    Gibt es eine sehr hohe Fluktuation im Lehrerkollegium?

    Ich sehe keine hohe Fluktuation. Dieses Schuljahr sind zwei Kollegen in Ruhestand gegangen und zwei Lehrer sind aus privaten Gründen gewechselt. Im Gegenteil. Es gibt Kollegen, die zu uns abgeordnet waren und die dann gesagt haben: wir bleiben hier! Andere Kollegen haben extra darum gekämpft, an dieser Schule unterrichten zu dürfen.

    Wie werden die Kinder zur Grundschule hingeführt?

    Wir haben zwei Kooperationskindergärten. Mit den Kindertagesstätten Eisenbahn- und Konradstraße verbindet uns eine langjährige Partnerschaft. Zukünftig wird es mindestens noch eine dritte Kita geben. Die verantwortlichen Lehrerinnen sind regelmäßig in den Einrichtungen vor Ort, um die schulvorbereitenden Maßnahmen durchzuführen. Die zukünftigen Schulanfänger besuchen uns und für „Hauskinder“ wird ein Vorbereitungskurs an der Schule angeboten. Es besteht die Möglichkeit, gemeinsame Elternberatungen und einen Elternabend zu gestalten.

    Haben Sie in der Grundschule Integrationskinder?

    Wir werden im kommenden Schuljahr ca. 10 Integrationskinder haben.

    Welche Förderschwerpunkte sind an Ihrer Schule?

    Es gibt bei uns zwei Förderschwerpunkte. Der eine ist die Sprache. Das zweite ist „emotionale und soziale Entwicklung“. Bei den Kindern mit Förderschwerpunkt Sprache kommt es oft vor, dass diese nach der vierten Klasse keine weitere Förderung benötigen.

    Gehen die meisten Kinder der Grundschule am Rabet anschließend an die Oberschule?

    Zwei Drittel der Kinder gehen in der Regel an die Oberschule. Es wird ja gerne verglichen mit Schulen im Waldstraßenviertel. Das ist aber nicht vergleichbar. Wir haben durch die Evaluationskommission bestätigt bekommen, dass diese Zahlen der Situation vor Ort geschuldet sind. Bei einem sachsenweiten Vergleich sind wir in der Tat nicht auf den vorderen Plätzen.

    Wie ist die weitere Entwicklung der Kinder, die von der Grundschule am Rabet zur Oberschule kommen?

    Ich weiß dies nur von der 16. Oberschule. Das ist unsere Kooperationsschule. Die Übergänge sind gut gestaltet. Es finden Gespräche zwischen den Lehrern, die eine 5. Klasse übernehmen und jenen, die hier eine vierte Klasse haben, statt. Wir organisieren auch Hospitationen, damit die künftigen Lehrer die späteren Oberschüler kennenlernen. Ferner versucht die Oberschule, Kinder aus einer Grundschule in den Klassen zusammenzuführen. Günstig war in diesem Schuljahr auch die Verbindung über die Schulsozialarbeit. Die Schulsozialarbeiterin war ja gleichzeitig in der 16. Oberschule tätig. Sie kannte teilweise die Geschwisterkinder und nahm daher quasi die Kinder von der Grundschule zur Oberschule mit.

    Wie könnten Schüler gefördert werden, damit deren Bildungschancen besser werden?

    Wir haben die Förderung durch die Förderstunden und durch zusätzliche DAZ Stunden. Die Einrichtung der zweiten DAZ-Klasse war uns wichtig. Wir werden im neuen Schuljahr mit einem Programm in Klasse 1 starten: „StartTraining“ ist die Bezeichnung. Es werden ein halbes Jahr junge Leute über das „Netzwerk Schule mit Zukunft, Leipzig Ost“ eingebunden, die zehn Stunden pro Woche versuchen, Kindern mit Schwierigkeiten einen Nachteilsausgleich zu ermöglichen. Es ist eine zusätzliche Möglichkeit, die wir uns selbst gesucht haben, die also nicht auf staatlicher Förderung beruht.

    Vielen Dank für das Gespräch!

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